Sarah Meyer will ihr Herzensprojekt effizient ausbauen / Zu Fuß kaum noch machbar

Suche mit Drohne soll mehr Kitze vor Mähdrescher retten

Für Sarah und Thorsten Meyer – hier mit Tochter Emilia bei ihren vorm Schlachthof bewahrten Pferden Arès und Alwin – ist die Rettung von Rehkitzen auf Fischerhuder Wiesen vor dem ersten Mähen seit vielen Jahren eine Herzenssache. Das Absuchen des Grünlandes zu Fuß ist aber viel weniger effektiv als mit einer Drohne. Die will Sarah Meyer jetzt mit Hilfe von Spenden anschaffen. - Foto: Holthusen

Fischerhude - Von Petra Holthusen. " Die wie immer tags zuvor zum Verscheuchen aufgehängten Knistertüten hatten nichts genützt. Auch nicht das angestrengte Starren aus dem Führerhaus des Mähdreschers: „Ich hab’ selbst schon ein Kitz angemäht – das Beschissenste, was dir passieren kann. Wenn die schreien, dich mit großen Augen angucken, und du musst sie erlösen...“ Für Landwirt Thorsten Meyer (38) ein Gräuel. Auf dem elterlichen Hof am Ende der Fischerhuder Bredenau hat er von klein auf gelernt, im hohen Gras versteckte Rehkitze so gut es geht vor dem Tod im Mähwerk zu schützen. Seit Jahren läuft er Wiesen am Tag vor der Mahd ab, wenn Landwirte und Lohnunternehmer ihm den Termin nennen. Als seine Frau Sarah (36) vor drei Jahren auf den Hof kam, stieg sie in die Rehkitzrettung ein. Für die systematische Suche und größtmöglichen Erfolg plant sie jetzt den Kauf einer Drohne mit Wärmebildkamera. Dafür sammelt sie Spenden im Ort, und erste Unterstützer sind an Bord.

Wenn Heu gemacht wird auf den vielen Fischerhuder Wiesen, sind Meyers in regem Kontakt mit Landwirten und Lohnunternehmen. Die Mähzeiten sind wetterabhängig und erfordern Spontaneität – auch von den Rehkitzrettern. „Meistens wird erst am Vortag entschieden, dass gemäht wird“, und dann machen sich Sarah und Thorsten Meyer spontan oder früh am nächsten Morgen auf den Weg und suchen die Wiesen ab.

Das Gras steht dann meist hüfthoch, und um ein zusammengerolltes Kitz zu entdecken, das die Ricke im dichten Grün versteckt hat, „muss man fast drauftreten“, erzählt Thorsten Meyer. Dazu kommt, dass „heute von den großen Lohnunternehmen 70 000 Quadratmeter auf einen Schlag gemäht werden – das kann man zu Fuß gar nicht alles vorher absuchen“. Viel effektiver wäre der Einsatz einer Drohne mit Wärmebildkamera, hat Sarah Meyer in Erfahrung gebracht: „Damit kann man zehn Hektar in einer Stunde absuchen – wir schaffen zu Fuß nicht mal einen...“ Bei Hunderten Hektar Grünland alle Wiesen von Fischerhuder Landwirten vor dem ersten Mähen nach Rehkitzen zu durchforsten, „werden wir wohl leider niemals schaffen können“, bedauert Sarah Meyer, „aber durch die Drohnensuche könnten wir mehr Flächen kontrollieren und unsere Erfolgsquote um ein Vielfaches erhöhen“.

Glücklich ist sie deshalb, mit Bernd Heitmann aus Otterstedt einen naturbegeisterten und erfahrenen Drohnenflieger als Unterstützer gewonnen zu haben, der nächstes Frühjahr bei der Rehkitzrettung helfen will. Sarah Meyers Ziel ist es aber, für Fischerhude eine eigene Drohne anzuschaffen. Kostenpunkt: an die 3000 Euro. Dafür sammelt sie Spendengelder. Erster Sponsor war Lohnunternehmer Dirk Gieschen, und auch Geschäftsmann Arnd Brüning hat finanzielle Hilfe zugesagt. Landwirte und Jäger unterstützen Meyers Engagement.

In ihrem akribisch geführten Spendenbuch listet Sarah Meyer alle Einnahmen und Ausgaben auf: „Jeder zeichnet seine Spende gegen. Das Buch ist für alle Spender einsehbar. Sie sollen sehen, dass alle Einnahmen ausnahmslos in die Rehkitzrettung gehen.“ Für Spender etwas größerer Summen macht Sarah Meyer als Dankeschön Reklame an ihrem Auto und auf ihrer Homepage sowie später mit der Drohnenkamera ein Luftbild vom Haus des Spenders.

Dankbar ist sie für jede einzelne Spende, egal wie groß: „Jeder Euro zählt.“ Dazu tragen übrigens auch ihre Pferde Arès und Alwin, die sie vor dem Schlachthof rettete, bei. Nun sind Arès und Alwin zwar kein Kleinvieh, aber Mist machen sie trotzdem. Und den verkauft Sarah Meyer portionsweise in leeren Mayonnaise-Eimern von Körbers Gasthof an einem Selbstbedienungsstand in der Bredenau beim Modersohn-Museum an Touristen: bester Dünger für Rosen und Balkonblumen, der handliche Eimer zu 1,50. Jeder Euro aus dem Mistverkauf fließt ins Herzensprojekt Rehkitzrettung. Ihre Anstrengungen zu vervielfachen, beschloss die 36-Jährige übrigens vor zwei Jahren nach einem schlimmen Erlebnis: „Wir fanden ein noch lebendiges Kitz, dem alle vier Läufe abgemäht worden waren. Unvorstellbar, welche Qualen das kleine Tier erlitten haben muss.“

In diesem Jahr konnten Meyers zwei kleine Kitze retten, die noch nicht laufen konnten, und wenige Tage später ein älteres Kitz. Ein gutes Gefühl – „aber wir wollen noch mehr System in die Sache bringen, mit einer Drohne effizienter und erfolgreicher werden“. Was sie am liebsten nie wieder hören wollen, sind nach ihren Kitzen schreiende Ricken: „Das geht durch Mark und Bein.“

Wer sich informieren oder das Projekt unterstützen möchte, erreicht Sarah Meyer unter Telefon 0170 / 3311992 und per E-Mail an: sarah_luedemann@web.de sowie über ihre Homepage www.rehkitzrettung-fischerhude.jimdosite.com. Das Spendenkonto für den Drohnenkauf läuft auf den Namen von Sarah Meyer, Verwendungszweck: Rehkitzrettung Fischerhude, bei der Kreissparkasse Verden, IBAN: DE56 2915 2670 0020 3556 24.

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