Streit um Kreisel-Kunst

Störfeuer hier, Entsetzen da

So sähe das Kunstwerk von Ariane Holz und Susanne Hermes auf dem Ottersberger Kreisel aus. Die Verwirklichung ist umstritten.

Ottersberg - Vertagt, verschoben – geplatzt? Die politische Diskussion um die Kunst im Kreisel in Ottersberg ist kurz vor der Ziellinie neu entflammt – ausgelöst durch einen Querschuss des SPD-Ratsherrn Reiner Schnäpp. In der gemeinsamen Sitzung von Ortsrat Ottersberg und Kulturausschuss des Gemeinderates am Montagabend im Rathaussaal beantragte Schnäpp, die Beratung und Entscheidung über das von einer Jury (gemäß dem beschlossenen Verfahren) für den Kreisel ausgewählte Kunstwerk auszusetzen.

Die beiden Gremien lehnten Schnäpps Antrag mehrheitlich ab. Ansonsten hätten sie auch gleich wieder nach Hause gehen können, denn auf ihrer Tagesordnung stand nur dieser eine Punkt: Kunst im Kreisel, mittlerweile sowieso schon eine unendliche Geschichte in Ottersberg. Allerdings folgten die Ratskollegen Schnäpp ein Stück weit, indem sie eine Entscheidung über das ausgewählte Kunstwerk auf August vertagten. Welches Gremium nun endgültig entscheidet, steht allerdings noch nicht fest.

Grün präsentiert sich der Kreisel Große Straße/Grüne Straße dieser Tage.

An dem Abend entbrannte eine heftige Diskussion darüber, ob das nach einem Ideenwettbewerb örtlicher Hochschulstudenten auserkorene Kunstwerk von Ariane Holz und Susanne Hermes in der Mitte des Kreisverkehrsplatzes installiert werden soll oder nicht und ob die von Heinz Kahrs seit vielen Jahren gepflegten Rosen und Osterglocken dafür weichen sollen oder nicht. Das von der Jury ausgewählte Kunstwerk besteht aus mehreren pyramidenähnlichen, flachen Figuren aus Aluminium mit farbig bedrucktem Steinmuster und Lacküberzug.

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Ortsbürgermeister Klaus Rebentisch (CDU) erklärte: „Wir haben mit der Hochschule für Künste im Sozialen einen Wettbewerb ausgelobt. Studenten haben ihre Entwürfe eingereicht und eine Jury hat nun einen Entwurf ausgewählt. Den Wettbewerb haben wir auch deshalb gestartet, damit die Hochschule sich präsentieren kann.“ Aber, so fügte Rebentisch hinzu, „das Kunstobjekt hat emotionale Diskussionen ausgelöst in der Bevölkerung und das Störgefühl der Ottersberger kann man nicht vom Tisch wischen.“ Rebentisch schlug deshalb als Kompromiss vor, für die Kunst im öffentlichen Raum einen anderen Standort zu suchen.

Kulturausschussvorsitzende Ute Witgen (CDU) war erbost: „Ich bin entsetzt über die Diskussion. Wir haben der Hochschule für Künste im Sozialen eine klare Aufgabe gestellt. Seit zwei Jahren beschäftigen wir uns mit dem Thema.“ Witgen plädierte für die Umsetzung: „Die Osterglocken können auch woanders gepflanzt werden. Aber wenn Ottersberg die Kunst nicht haben will, nimmt sie Fischerhude.“

Bürgerbefragung abgelehnt

Prof. Michael Dörner von der Ottersberger Hochschule, der im Auftrag der Gemeinde den Wettbewerb mit seinen Studenten realisiert hatte, klang irritiert: „Jedes Kunstwerk im öffentlichen Raum löst Diskussionen und zunächst Widerstand aus. Die Entscheidungsfindung war ein seriöser Prozess. Ich bin davon ausgegangen, dass die Arbeit gewollt ist. Wenn man es woanders aufstellen will, müsste man es neu ausschreiben, weil sich die Studenten gerade mit der Kreiselproblematik auseinandergesetzt haben.“

Reiner Schnäpp (SPD) blieb bei seiner Meinung: „Egal, welches Kunstwerk wir auf den Kreisel stellen, es stört“, sagte Schnäpp, der schließlich noch eine Bürgerbefragung beantragte, aber keine Mehrheit fand, sondern als einziger für seinen Antrag votierte. Tim Weber (FGBO) erinnerte: „In mehreren Sitzungen hat sich die Jury mit großer Mehrheit für das ausgewählte Kunstwerk entschieden. Das wollten wir so. Es gibt Bürger, die finden den Entwurf schön. Ich finde ihn ästhetisch ansprechend.“ Annegret Reysen (SPD) lehnte den Entwurf ab: „Wir machen damit auf dem Kreisel etwas kaputt. Vielleicht kann man im Bereich einer künftigen Neuplanung des Busbahnhofs und Schulhofs die Kunst dort hinstellen.“ Thomas Sprengel (Grüne) sagte: „Wir müssen uns an Neuerungen gewöhnen. Osterglocken und Rosen kann man überall pflanzen.“

woe

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