Auszählung in Aula geplant

Stimmzettel druckreif – 10.500 Briefe gehen für Bürgermeisterwahl in Ottersberg auf den Weg

Luftig verteilt über den Rathaussaal entschieden die Mitglieder des Gemeindewahlausschusses über die Zulassung der eingereichten Wahlvorschläge für die Ottersberger Bürgermeisterwahl im April. Durch die Sitzung führten die Verwaltungsvertreter Christian Heinrich und Eckhard Bruns (v.li.). Fotos: Holthusen
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Luftig verteilt über den Rathaussaal entschieden die Mitglieder des Gemeindewahlausschusses über die Zulassung der eingereichten Wahlvorschläge für die Ottersberger Bürgermeisterwahl im April. Durch die Sitzung führten die Verwaltungsvertreter Christian Heinrich und Eckhard Bruns (v.li.). 

Ottersberg - In der Corona-Krise wird die Ausnahme zur Regel. Das gilt auch und besonders für die Direktwahl des neuen hauptamtlichen Bürgermeisters der Gemeinde Ottersberg am 26. April. Denn wer am 1. Juli auf dem Chefsessel im Rathaus die Nachfolge von Horst Hofmann antritt, entscheiden die rund 10 .500 wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger nicht wie gewöhnlich am Wahlsonntag an der Urne im Wahllokal, sondern allesamt und ausschließlich per Briefwahl (wir berichteten).

Das ist politischer Beschluss, weil sich die Wahl als unaufschiebbar darstellt, aber der Infektionsschutz trotzdem gewährleistet werden muss. Eine reine Briefwahl, das ist nach Kenntnis von Eckhard Bruns ein bislang einmaliger Vorgang im Land. Der stellvertretende Fachbereichsleiter Ordnung und Soziales in der Ottersberger Gemeindeverwaltung hat bei der Organisation der Wahl die Federführung – und mächtig Druck. Allein etwa 10. 500 Wählern die Unterlagen rechtzeitig zukommen zu lassen, sei eine logistische Herausforderung – stark verbunden mit der Hoffnung, „dass die Post weiter normal arbeiten kann“.

Aber Bangemachen gilt nicht: „Wir müssen auf irgendeine Art und Weise diese Wahl durchführen“, so Bruns. Als „wichtigen Meilenstein“ auf dem Weg zu einer trotz aller Widrigkeiten ordnungsgemäßen Bürgermeisterwahl wertete er am Dienstagabend im Rathaussaal den Beschluss des Gemeindewahlausschusses. Der besiegelte offiziell und einstimmig die Zulassung der beiden bis zum Stichtag 23. März bei der Wahlleitung eingereichten Wahlvorschläge: Die CDU schickt Reiner Sterna ins Rennen und die Freie Grüne Bürgerliste Ottersberg (FGBO) Tim Willy Weber. Beiden führen bekanntlich seit Wochen Wahlkampf, inzwischen natürlich unter extrem erschwerten Bedingungen.

Beide Bewerber entsprechen den Anforderungen der Wahlgesetzgebung

Im Gemeindewahlausschuss haben fünf für dieses Ehrenamt verpflichtete Bürger Sitz und Stimme. Von den Bewerbern benannte Vertrauenspersonen überwachten das Prozedere. Eckhard Bruns lieferte das Know-how, und Vize-Verwaltungschef Christian Heinrich führte als stellvertretender Gemeindewahlleiter den Vorsitz. Eine überschaubare Runde, die im weiten Ratssaal gebührende Abstände einhielt.

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Beide Bewerber hatten alle erforderlichen Unterlagen samt Aufstellungsversammlungsprotokollen, Wählbarkeitsbescheinigungen und eidesstattlichen Versicherungen im Rathaus vorgelegt. In der Vorprüfung hatte Bruns bereits Häkchen an sämtliche Papiere gemacht, und auch die Mitglieder des Gemeindewahlausschusses hatten nach eingehender Durchsicht der Mappen nichts zu beanstanden. Bruns fasste also zusammen: „Beide Bewerber entsprechen den Anforderungen der Wahlgesetzgebung – jetzt kann das Wahlverfahren fortgesetzt werden.“

Intensiv prüfte der Wahlausschuss die Unterlagen der beiden Bürgermeisterbewerber Reiner Sterna und Tim Willy Weber. Beide wurden einstimmig zur Wahl zugelassen.

Und zwar dergestalt, dass Bruns gleich am Mittwoch den Druck der 10. 500 Stimmzettel in Auftrag gab. Die sollen nach nächtlicher Fertigung umgehend weiter in die Hände des Dienstleisters gehen, der die Verschickung übernimmt. Spätestens bis zum 5. April müssen die Wahlunterlagen Bruns zufolge bei den Wahlberechtigten im Briefkasten gelandet sein.

Keine ehrenamtlichen Wahlhelfer werden angefordert

Bis zum 26. April um Punkt 18 Uhr können die Ottersberger ihre Wahlumschläge mit dem auf dem Stimmzettel für einen der beiden Bewerber gesetzten Kreuz ans Rathaus zurückgeben – auf dem Postweg oder per Einwurf in den Briefkasten am Haus. Ob die zurückkommenden Wahlbriefe alle in den Tresor passen, wagt Vize-Verwaltungschef Heinrich zu bezweifeln, „aber sie werden auf jeden Fall an einem sicheren Ort gelagert“. Bis am 26. April um 18.01 Uhr die Auszählung beginnt. Die ebenfalls eine Herausforderung darstellt: Ehrenamtliche Wahlhelfer will Bruns nicht anfordern, um jedes Corona-Ansteckungsrisiko zu umgehen. Stattdessen wird sich, so der Plan, etwa ein Dutzend Verwaltungskollegen an Tischen in der Schulaula versammeln und in kleinen Grüppchen Briefe aufschlitzen, Stimmzettel sortieren und Kreuze zählen. Gleichzeitig muss aber zwingend Öffentlichkeit ermöglicht werden: Interessierte Wahlbeobachter sollen sich in gebotenen Abständen auf der Bühne versammeln und auf das Zählgeschehen hinuntersehen dürfen.

Voraussichtlich kein Ergebnis am Wahlabend

Das kann übrigens dauern: Bei einer erwartbaren Beteiligung von 6.000 bis 7.000 Wählerinnen und Wählern rechnet Eckhard Bruns nicht damit, dass am Abend des Wahlsonntags noch ein fertig ausgezähltes Ergebnis verkündet werden kann.

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