Stelle der Flüchtlingskoordination 

Neue Aufgabe Familiennachzug

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Die beiden hauptamtlichen Koordinatorinnen der Flüchtlingsarbeit im Flecken Ottersberg, Nele Peek (re.) und Katharina Connellan (li.), hier bei ihrer Vorstellung im Februar 2016, scheiden im Mai bzw. Juni aus dem Amt aus. Die Nachfolge ist noch unklar.

Ottersberg - Von Petra Holthusen. Man kennt das: Weihnachten kommt immer plötzlich und nichts ist vorbereitet. Mutterschutz kommt offenbar ähnlich überraschend. Obwohl die beiden hauptamtlichen Koordinatorinnen der Flüchtlingsarbeit im Flecken Ottersberg, Nele Peek und Katharina Connellan, seit Monaten schwanger sind, jetzt im Mai bzw. Juni in Mutterschutz gehen und danach auf eigenen Wunsch aus ihrem Beschäftigungsverhältnis ausscheiden, haben Politik und Verwaltung die Nachfolge noch nicht geregelt.

Den ersten Pflock schlug der Sozialausschuss des Ottersberger Gemeinderates in seiner Sitzung am Montagabend im Rathaussaal ein. Fraktionsübergreifend einstimmig empfahl der Ausschuss auf Vorschlag der Vorsitzenden Bianca Fischinger (SPD) die Neuausschreibung der Vollzeitstelle, befristet auf zwei Jahre, zum schnellstmöglichen Zeitpunkt. In Ermangelung eines konkreten Beschlussvorschlags der Verwaltung musste die Politik sich selbst einen Weg suchen, denn bislang ist die Stelle, die sich Peek und Connellan seit Februar 2016 teilen, bis Ende 2017 befristet. Für diesen kurzen verbleibenden Zeitraum eine Vertretung zu finden, dürfte allerdings schwierig sein. Den Grundsatzbeschluss, die Stelle über 2017 hinaus fortzuschreiben, schüttelte der Ausschuss nun quasi aus dem Ärmel. Die Details der endgültigen Entscheidung muss der ratsvorbereitende Verwaltungsausschuss festzurren. Der aber tagt erst in drei Wochen. Dass nach einer Stellenausschreibung im Mai ein nahtloser Übergang im Juni, wie von Peek und Connellan gewünscht, noch möglich ist, verlangt schon etwas Glück.

Vor der Wie-geht-es-weiter-Debatte stellten die beiden Koordinatorinnen den Politikern ihren Tätigkeitsbericht 2016 und aktuelle Zahlen vor. Zurzeit leben 293 Geflüchtete im Flecken; die meisten kommen aus dem Irak, aus Syrien, von der Elfenbeinküste und aus Afghanistan. 100 Ehrenamtliche sind regelmäßig in der Flüchtlingshilfe aktiv, weitere 80 Unterstützer gelegentlich. Ihre Tätigkeitsfelder sind Übersetzen, Patenschaften, Sprachcafé und Deutschunterricht, Kleiderkammer, Fahrradwerkstatt, schulische Unterstützung, Fahrdienste, Formularhilfen... Während die Fahrradwerkstatt gerade offiziell in einer Garage hinter dem Peymann-Haus eröffnet hat, wird für die in der abrissreifen alten Schulturnhalle untergebrachte Kleiderkammer ab September dringend ein neuer, 25 bis 30 qm großer Raum gesucht.

„Die Ehrenamtlichen sind eine starke Basis“

Neben Schwimmkursen, künstlerischen Aktivitäten, Ausflügen, einem Nähtreff für Frauen und einer geplanten Männergesprächsrunde ist es den Koordinatorinnen der Flüchtlingsarbeit „wichtig, dass sich die Geflüchteten in bestehende Angebote von Sportvereinen und Jugendhäusern einbinden“, so Connellan, „wir wollen keine Parallelstrukturen schaffen, sondern Integration.“ Angebote machen die Koordinatorinnen auch den ehrenamtlichen Unterstützern – wie Schulungen zu interkultureller Kompetenz und Treffen zum Austausch. „Die Ehrenamtlichen sind eine starke Basis, auf die sich die Gemeinde stützen kann“, betonte Peek, „dafür möchten wir Wertschätzung vermitteln.“

In ihrer Arbeit kooperieren Peek und Connellan mit allen denkbaren gesellschaftlichen Institutionen, Behörden, Vereinen und Unternehmen; als Schnittstelle zwischen den verschiedensten Akteuren sind sie Anlauf- und Vermittlungsstelle, unterstützen sowohl die Geflüchteten beim Einleben als auch die Helfer bei Projekten, Betreuung und Kommunikation.

Heute geht es nicht mehr um Fragen der Unterbringung; Zuzug gibt es kaum noch. „Wir sind in der Phase der Integration angekommen und sollten uns entsprechend ausrichten“, unterstrich Connellan den „Integrationsauftrag der Gemeinde“. Zentrale Aufgaben seien, Alt- und Neubürger durch Angebote und gemeinsame Projekte zusammenzubringen sowie die Geflüchteten gezielter auf ein selbständiges Leben und den Arbeitsmarkt vorzubereiten.

Eine große Chance sieht Peek in dem mit 30 % hohen Anteil von Kindern und Jugendlichen unter den in Ottersberg lebenden Geflüchteten: Hier könne Integration ganz früh ansetzen.

Dass die Stelle der Flüchtlingskoordination schnellstmöglich neu ausgeschrieben und wiederbesetzt werden soll, darin waren sich FGBO-Sprecher Holger Wieters-Froehlich und Reiner Schnäpp (SPD) mit ihren Ausschusskollegen und den Verwaltungsvertretern einig: „Die Notwendigkeit ist auf jeden Fall da.“ Zumal in Sachen Integration noch ein neuer Aspekt hinzukäme, den Eckhard Bruns vom Ordnungsamt nannte: der Familiennachzug der inzwischen 92 anerkannten Asylsuchenden.

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