Sprachlich nach Hause kommen

Heike Hiestermann und Frauke Lange-Lork geben Sprachkurs 

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Heike Hiestermann (li.) und Frauke Lange-Lork (re.) geben ab Januar in Fischerhude einen Plattdeutsch-Kurs für Anfänger. Den Anstoß dazu gab der Vorstand des Heimatbundes mit (hinten von links) Johann Meyer, Michael Kallhardt und Harjo Bohling an der Spitze.

Fischerhude - Heike Hiestermann (57) und Frauke Lange-Lork (44) gehören zu der Generation, der die plattdeutsche Muttersprache in früher Kindheit abgewöhnt wurde – auf Anraten von Lehrern und aus Sorge der Eltern, ihre nur plattdeutsch sprechenden Kinder könnten im hochdeutschen Schulunterricht scheitern.

Weil im Elternhaus Platt gesprochen wurde und wird, konnten sie die Sprache immer verstehen („Wir sind sozusagen Mutterhörer“) – sie selbst zu sprechen, haben sie erst in den vergangenen Jahren in Seminaren und Kursen gelernt. Jetzt sind beide muttersprachlich wieder zu Hause angekommen – und voller Tatendrang, anderen Plattdeutsch beizubringen. Unter dem Dach des Heimatbundes Fischerhude-Quelkhorn geben Heike Hiestermann und Frauke Lange-Lork ab Januar einen Plattdeutsch-Kurs.

„Der Anstoß kam aus den Reihen unserer Mitglieder“, sagt Michael Kallhardt, Vorsitzender des Heimatbundes Fischerhude-Quelkhorn. Der Wunsch, die ursprüngliche Heimatsprache lebendig zu erhalten, wird größer, je kleiner in einer globalisierten Welt die regionalen Identifikationsmöglichkeiten werden. „Macht doch mal, versucht doch mal“, trieben die Mitglieder den Heimatbund-Vorstand um Michael Kallhardt, Johann Meyer und Harjo Bohling, alle selbst plattdeutsche Muttersprachler, zu mehr Einsatz für die Regionalsprache an. Und sie machten: Ruckzuck waren Heike Hiestermann und Frauke Lange-Lork als Plattdeutsch-Lehrerinnen gewonnen.

Die sind beide von Beruf Lehrerin, wohnen sich an der Molkereistraße in Fischerhude schon lange gegenüber, kannten sich aber kaum. Bis sie sich zufällig in einem Plattdeutsch-Kurs begegneten, dem ersten in einer langen Reihe von Fortbildungen für den privaten und für den beruflichen Gebrauch. Heute sind beide „zertifizierte Plattschnacker“, wie Frauke Lange-Lork augenzwinkernd sagt. „Vom Land gefördert“, ergänzt sie. Die 44-Jährige unterrichtet an der Fischerhuder Grundschule und hat hier unter anderem eine Plattdeutsch-AG für Kinder etabliert. Heike Hiestermann unterrichtet an der KGS Tarmstedt zum Beispiel Religion auf Plattdeutsch und ist für die Landesschulbehörde als Beraterin tätig: für die Region und ihre Sprachen mit der Fachaufgabe Niederdeutsch im Mittelstufenbereich.

Ganz selbstverständlich reden die Frauen mit den Heimatbund-Vorständlern platt, und auch beim Schnack über den Gartenzaun oder beim Einkaufen im Ort sprechen sie am liebsten plattdeutsch.

„Wenn Platt ausstirbt, viel Identität verloren“

Der Wohlfühlfaktor ihrer wiedergewonnenen Muttersprache ist spürbar. Sie werben dafür, die ursprüngliche, ganz eigene Regionalsprache nicht als das Alte, längst Überholte zu sehen, sondern als Kulturgut, das es sich zu bewahren lohnt, das nicht verloren gehen soll. Nicht ohne Grund assoziieren die meisten Menschen mit dem Plattdeutschen als erstes die Begriffe Heimat, Wärme und Vertrauen, wie Heike Hiestermann erzählt. Was sie selbst an der Sprache so liebt: „Es ist eine ehrliche Sprache: Da wird nicht geschwafelt, sondern auf den Punkt gebracht.“ Wenn Platt aussterbe, gehe viel Individualität und Identität verloren.

Ein bisschen neidisch blicken Heike Hiestermann und Frauke Lange-Lork nach Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern: „Da ist Plattdeutsch schon Abiturfach.“ Sie würden sich fürs Erste damit zufrieden geben, wenn Plattdeutsch in Niedersachsen als Pflichtfach an Schulen eingeführt würde: „Das wäre ein Traum...“

Es gebe ganz viele Menschen, die Platt verstehen, aber es sich nicht zu sprechen trauen, wissen die beiden Fischerhuder Lehrerinnen. Für diese und für alle anderen, die als Erwachsene eine alte Sprache neu lernen wollen, bietet der Heimatbund den Plattdeutsch-Kurs an. Heike Hiestermann und Frauke Lange-Lork vermitteln an zehn Abenden nordniedersächsisches Platt nach einschlägigen Standardwerken, sind aber offen für die verschiedenen Dialekte wie das Fischerhuder und das direkt benachbarte Rautendorfer Platt: „Das sehen wir überhaupt nicht eng.“ Unterrichtet wird anhand des Erwachsenen-Sprachkurs-Lehrbuchs „Platt, dat Lehrbook“ vom Bremer Institut für Niederdeutsche Sprache. J pee

Infos

Der Plattdeutsch-Kurs des Heimatbundes für Anfänger startet am 9. Januar und läuft über zehn Dienstagabende bis Mitte März jeweils von 19.30 bis 21 Uhr in Buthmanns Hof in Fischerhude. Die Teilnehmerzahl ist auf 14 begrenzt. Es sind noch Plätze frei. Die Teilnahme kostet 25 Euro für Mitglieder und 35 Euro für Nicht-Mitglieder – zuzüglich 19,80 Euro für das Lehrbuch. Anmeldungen nimmt Michael Kallhardt unter Telefon 04293-7399 oder per E-Mail an michael@kallhardt.de entgegen. Eine Fortsetzung im Herbst 2018 ist angedacht.

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