Theatergruppe „Wildwux“ übt in Quelkhorn Gesellschaftskritik

Spielerische Abkehr von der Dunkelheit

Eindrücke aus dem Publikum bei der Uraufführung im Gemeinschaftsgarten Quelkhorn am Sonnabend.

Quelkhorn - Von Bernd Hägermann. Immer, wenn man Hippies braucht, sind keine da. Oder die 68er? Ergraut und verbraucht in den Institutionen. Wenn dann auch noch der Hohe Priester des Kapitals in buntem Gewand unter seiner Tarnkappe, die in Wirklichkeit eine Badekappe ist, über die Segnungen des Konsums fabuliert, kann einem schon bang ums Herz und um die Zukunft werden. Gegenmittel für nostalgisch bedingte Stimmungstiefs? „Hotel California“ von den Eagles hören oder „Wildwux“ gucken. Die freie Theatergruppe gastierte am Samstagabend im Quelkorner Gemeinschaftsgarten.

Vorab war dort ein Sirren und Summen. Einige von etlichen Zuschauern hatten Insektenspray dabei. Aber Mücken spielten diesmal keine Rolle.

Zur Aufführung kam das Stück „Friede, Freude, Pustekuchen“ – eine szenische Collage aus Sprechtheater, Tanz, Slapstick und Artistik. Sowie eine Themenmixtur aus Innenansichten und Aussenwirkungen. Zudem eine erfrischend unverkrampfte Gesellschaftskritik, in der die Tricks von Hütchenspielern das rationale Denken torpedieren und ein schleichend wirkendes Gift den Glauben an Veränderung lähmt. Was tun? „Wildwux“ ersetzt den Begriff „Flüchtlingskrisen“ durch „Globale Chancen“.

„Friede, Freude, Pustekuchen“? In dem Stück der freien Theatergruppe „Wildwux“ lähmt ein schleichendes Gift den Glauben an Veränderung. Das löst Konflikte aus. - Fotos: Hägermann

Schon wirken Einlassungen von Merkel, Seehofer und anderen Polit-Promis nicht mehr gestanzt, dafür inhaltlich überzeugend. „Wildwux“ spricht aus, was gesagt werden muss, auch wenn Zweifel plagen: „Ich kann laut und leise, aber nicht schlagfertig“, sagt jemand. Na und? Zeit ist flüchtig. Haben Überzeugungen eigentlich ein Verfallsdatum? Kaum da, schon wieder weg.

Auf der Bühne mit schwarzem Hintergrund und Tauen als Rand geht es, didaktisch beschwert, um einen „Populismus mit lebensbejahender Richtung“. Spielerisch gewollt ist keine Welt voller Streit und Krieg, sondern die Abkehr von der Dunkelheit und für alle der Weg in eine verheißende Farbigkeit.

Dabei bedienen die Akteure sich bunter Gymnastikbänder, philosophischer Ansätze und deutscher Redensarten, die von Ibrahim vorgetragen werden.

Vor ihrer Aufführung hatten sich die Mitglieder von „Wildwux“ mit ihren zehn Bühnenakteuren nebenan auf einer Wiese eingeschworen. Nach dem Stück gab es für sie Applaus, Blumen und Geldspenden. Dazwischen lagen achtzig unterhaltsame Minuten.

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