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Solidarische Landwirtschaften in Quelkhorn

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Von: Petra Holthusen

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Die Quelkhorner Gemüse- und Milchbauern Bastian Hebert sowie Laura und Tobias Bertzbach
Die Quelkhorner Gemüse- und Milchbauern Bastian Hebert sowie Laura und Tobias Bertzbach, hier mit Kuh Paulette, starten in ihre erste Saison als Solidarische Landwirtschaften – Anteilszeichner sind willkommen. © Holthusen

Quelkhorn – Eine Solidarische Landwirtschaft, kurz Solawi, ruht auf den Schultern ihrer Mitglieder, die sich Kosten und Ertrag teilen. Die Anteilsnehmer finanzieren zusammen den Gemüseanbau und die Viehhaltung eines Hofs – und bekommen dafür die Ernte. Bauern und Verbraucher bilden so eine kleine regionale Wirtschaftsgemeinschaft, von der alle profitieren. Gleich zwei Solidarische Landwirtschaften gründen sich gerade in Quelkhorn: der Brümmanns Hof von Laura und Tobias Bertzbach und die Bohnenbande von Bastian Hebert samt Mitstreitern. Beide Solawis haben für das erste Wirtschaftsjahr noch Anteile an Privatleute zu vergeben. Anfang April sind Interessierte zu Informationsveranstaltungen und Betriebsbesichtigungen eingeladen.

Laura Bertzbach (37), die ökologische Agrarwissenschaften studiert hat, und ihr Mann Tobias (57), ebenfalls gelernter Landwirt, halten auf Brümmanns Hof „Angler Rotvieh“, eine alte norddeutsche Rasse, die vom Aussterben bedroht ist. Die Milch der fünf Kühe wird künftig direkt auf dem Hof am Quelkhorner Mühlenberg pasteurisiert und abgefüllt. „Die Molkerei ist gerade im Bau, und später wollen wir neben der Trinkmilch auch Joghurt, Quark und Frischkäse herstellen“, erzählt Laura Bertzbach.

Die Mitglieder der künftigen Solawi können sich die Milch(produkte) dann zweimal wöchentlich auf dem Hof abholen – ebenso das frisch geerntete Gemüse, das Bertzbachs ab diesem Sommer auf 1000 Quadratmetern nach streng ökologischen Demeter-Richtlinien anbauen: Salat, Tomaten, Gurken, Erbsen, Zucchini, Kürbisse, Möhren, Zwiebeln, Kartoffeln und noch einiges mehr. Die Pflanzen aus eigener Anzucht sind bereits vorgezogen.

Würde der kleine, umweltgerecht wirtschaftende Betrieb seine gesunden Lebensmittel unter den Zwängen des freien Markts produzieren und vertreiben müssen, könnte der Hof die Familie Bertzbach nicht ernähren. Hier greift das Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft: Mit einem festen monatlichen Beitrag finanzieren die Mitglieder die kalkulierten Jahreskosten für die Erzeugung der landwirtschaftlichen Produkte, inklusive der bäuerlichen Arbeit. Im Gegenzug erhalten sie die gesamte Ernte. Erzeuger und Abnehmer „tragen gemeinsam die Risiken des Anbaus und teilen die Produkte des Hofs“, sagt Laura Bertzbach. Damit werden Solawi-Mitglieder „Teil einer regionalen, kleinbäuerlichen und ökologischen Landwirtschaft“.

Anteilsnehmer verpflichten sich jeweils für eine Anbausaison, für ein Wirtschaftsjahr. Im ersten Jahr kann das Freilandgemüse der Solawi Brümmanns Hof voraussichtlich 24 Erwachsene ernähren, hat Laura Bertzbach ausgerechnet. Deshalb sind 24 Anteile à 95 Euro pro Monat zu vergeben. Später sollen es je nach Wachstum des Betriebs mehr werden. „Wir fangen ja erst an. Und diese ersten 24 Mitglieder sind mit uns die Pioniere“, sagt die Landwirtin mit Vorfreude und Begeisterung. Die Solawi-Pioniere werden einen direkten Bezug und eine enge Verbindung zu dem Hof haben, an dem sie dann einen Anteil haben und der ihr Gemüse und ihre Milch hervorbringt: „Man sieht, wo was wächst, wie die Kälber aufwachsen, und man kennt die Leute dahinter.“

Ab Mai will auch die Bohnenbande die ersten Radieschen und Salatköpfe an die Mitglieder verteilen. Dass am Quelkhorner Mühlenberg zeitgleich zwei Solawis an den Start gehen, ist für Laura Bertzbach „total der schöne Zufall“. Konkurrenzdenken gebe es nicht, stattdessen freundschaftliche Verbundenheit und gegenseitige Unterstützung, betont Tobias Bertzbach.

Der studierte Landwirt Bastian Hebert (32) ist Gemüsegärtner aus Leidenschaft. Mit zwei weiteren Bandenmitgliedern, die allesamt eine Vorliebe für Bohnen aller Geschmacksrichtungen haben, bewirtschaftet er drei Hektar Fläche – „zur Hälfte Grünland, zur Hälfte Acker“. Der Betrieb ist bio-zertifiziert und will mehr als 40 verschiedene Gemüse- und Kräuterkulturen anbauen – „für eine große Produktpalette das ganze Jahr hindurch“, sagt Hebert.

Rund 40 Anteile vergibt die Bohnenbande im ersten Jahr: 120 Euro Monatsbeitrag kostet ein großer Anteil und 75 Euro ein kleiner – beispielsweise für Single-Haushalte, die nicht so viel Gemüseernte verwerten können. Die Solawi arbeitet übrigens mit dem Quelkhorner Demeter-Landwirt Christian Wiencke zusammen, der der Bohnenbande Kartoffeln liefert und im Austausch Gemüse erhält.

„Besonders wichtig ist uns die kleinbäuerliche und ökologische Wirtschaftsweise, mit der wir regional möglichst viele Menschen versorgen und glücklich machen wollen“, unterstreicht Hebert. Am Herzen liegt ihm ein weiterer Aspekt: Die Mitglieder der Solawi finanzieren nicht, wie etwa im Supermarkt, die Ware, sondern honorieren mit ihrem Beitrag die wertvolle Tätigkeit der Landwirte und ermöglichen ihnen, „unter fairen Rahmenbedingungen zu wirtschaften und die Erde zu pflegen“.

Solawis kennenlernen

Die in Gründung befindlichen Solidarischen Landwirtschaften laden zum Kennenlernen ein. Der Infonachmittag von Brümmanns Hof, Am Mühlenberg 3a in Quelkhorn, findet am Samstag, 2. April, statt. Ab 15 Uhr können Interessierte bei einem Hofrundgang den Betrieb und die Kühe kennenlernen; sehen, wo in Zukunft das Gemüse wächst und die Käserei gebaut wird. Laura und Tobias Bertzbach beantworten an dem Nachmittag alle Fragen – und stehen darüber hinaus unter Telefon 04293/1638 oder per E-Mail an bruemmannshof@gmail.de für Auskünfte zur Verfügung. Infos im Netz finden sich unter www.bruemmannshof.de. Die Infoveranstaltung der Bohnenbande beginnt am Samstag, 9. April, um 14 Uhr im Gemeinschaftsgarten am Wilstedter Kirchweg unterhalb des Mühlenbergs in Quelkhorn. Parkplätze finden sich vor dem Parzival-Hof, Am Mühlenberg 24. Für Fragen sind die Gemüsegärtner per E-Mail an bohnenbande@riseup.net erreichbar.

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