Wehr 5 umgestaltet

Sohlgleite in Ottersberg ermöglicht freies Geleit zu Laichgewässern

Nach dem Umbau des Wehrs 5 zur Sohlgleite begutachten Thomas Arkenau (ganz links) von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Verden und weitere Beteiligte das Ergebnis, v.l.: Philipp Mundil, Emanuel Brechtel (beide Landkreis Verden), Lena Koslowski (Untere Naturschutzbehörde), Christian Meyer (Mittelweser-Tiefbau), Carsten Puvogel (Unterhaltungsverband Untere Wümme, Wümme-Wasserverband), Jenny Hoffmann (IDN-Ingenieure) und Helmrich Busch (Unterhaltungsverband Untere Wümme). Nicht im Bild: Ralf Schack, Bauamtsleiter des Fleckens Ottersberg.
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Nach dem Umbau des Wehrs 5 zur Sohlgleite begutachten Thomas Arkenau (ganz links) von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Verden und weitere Beteiligte das Ergebnis, v.l.: Philipp Mundil, Emanuel Brechtel (beide Landkreis Verden), Lena Koslowski (Untere Naturschutzbehörde), Christian Meyer (Mittelweser-Tiefbau), Carsten Puvogel (Unterhaltungsverband Untere Wümme, Wümme-Wasserverband), Jenny Hoffmann (IDN-Ingenieure) und Helmrich Busch (Unterhaltungsverband Untere Wümme). Nicht im Bild: Ralf Schack, Bauamtsleiter des Fleckens Ottersberg.

Ottersberg – Nun haben die Fische wieder freies Geleit: Das Wehr 5 am Wümme-Südarm ist erfolgreich zu einer Sohlgleite umgestaltet worden (wir berichteten). Über den Abschluss des Umbaus informierten die Beteiligten, und zwar die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Verden, die Unternehmensgruppe Mittelweser-Tiefbau, der Unterhaltungsverband Untere Wümme und das Ingenieurbüro IDN Consult, am Donnerstag bei einem Pressetermin nahe der Zufahrtsstraße Vor dem Tütenbrook.

Ziel der Maßnahme war es, die Durchgängigkeit für die Gewässerfauna wiederherzustellen. Dies diene der Renaturierung des Flusses und damit der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie und der Fauna-Flora-Habitat-(FFH)-Richtlinie, erläuterte Thomas Arkenau von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Verden. „Ein Wehr senkt sich hoch und runter. Das verhindert häufig, dass Fische in ihre Laichgewässer gelangen. Sie stehen quasi davor und können nicht weiter“, ergänzte Arkenau. Die Sohlgleite mache das Gewässer durchgängig für Fische und Kleinstlebewesen, wie etwa bestimmte Fliegenlarvenarten.

Die Kosten belaufen sich insgesamt auf rund 650 000 Euro. 10 Prozent der Kosten trägt der Landkreis Verden, die restlichen 90 Prozent das Land Niedersachsen und die Europäische Union. Damit war der Flecken Ottersberg nur indirekt beteiligt. Bauamtsleiter Ralf Schack lobte den reibungslosen Ablauf des Sohlgleitenumbaus. „Viele Anwohner haben interessiert beobachtet, was hier passiert“, so Schack.

Die Sohlgleite, über die ein Sohlhöhenunterschied von 1,18 Meter abgebaut wird, teilt sich in einer Drosselstrecke, einen Übergangsbereich und ein Raugerinne mit Störsteinen auf, erklärt Jenny Hoffmann vom Ingenieurbüro IDN. Die Gesamtlänge der Sohlgleite beträgt rund 330 Meter. Das Angleichen der Sohlhöhe erfolgte durch eine Rampe im Oberwasser.

Die wasserrechtliche Genehmigung für die ausgeschriebene Maßnahme wurde im Dezember 2020 vom Landkreis Verden erteilt. Die Bauzeit verlängerte sich laut Hoffmann aufgrund von Witterungsbedingungen bis in den November hinein und betrug insgesamt 16 Wochen. In dieser Zeit galt es, eine riesige Menge Material zu bewegen: Hoffmann zufolge wurden rund 150 Störsteine, rund 3000 Kubikmeter Kies- und Steinschüttung und rund 8000 Kubikmeter Boden eingebaut.

Zudem musste eine Ausbuchtung auf der nördlichen Seite der Wümme unterhalb der Sohlgleite geschaffen werden, „die die natürliche Vielfalt des Gewässers verbessert und als Lebensraum für Flora und Fauna dienen wird“, so Hoffmann weiter.

Blick auf die Sohlgleite von der Brücke an der Straße Vor dem Tütenbrook.

Die Ingenieure von IDN mussten bei der Planung einiges berücksichtigen: Die bestehende Abflussverteilung zwischen Wümme-Nordarm und -Südarm sollte nach Umbau unverändert erhalten bleiben. Für die Oberwasserstände waren jeweils nur sehr geringfügige Änderungen zulässig. Ob diese Randbedingungen eingehalten wurden, prüft der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) nun mithilfe einer Beweissicherung. Monatliche Messungen sollen sicherstellen, dass nach wie vor dieselbe Wassermenge fließt. Anderenfalls muss der Landkreis Verden nachbessern. Sprich: Es müssten im nächsten Frühjahr gegebenenfalls mehr Steine nachgelegt werden.

Analog soll im Laufe des nächsten Jahres das etwas kleinere Wehr 3 an der Wümme zwischen Fischerhude und Ottersberg umgebaut werden, informiert Thomas Arkenau. Alle, die angesichts des nun etwas nackt erscheinenden Kiesufers erschrecken, kann Arkenau beruhigen: „Stauanlagen wachsen schnell wieder zu.“ Nachpflanzungen seien hier nicht erforderlich, vielmehr regle die Natur dies innerhalb von zwei Jahren selbst „mit Arten, die hier sowieso vorkommen“.

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