Männer hinaus komplimentiert

60 Frauen aus verschiedenen Kulturen – aber mit einer Stimme

Christine Marquardt (li.) leitete das gemeinsame Singen in der Ottersberger Wümmeschule. - Fotos: Sommerfeld

Ottersberg - Auf den ersten Blick könnte man meinen, die Ottersberger Landfrauen hätten zum Weihnachtssingen geladen: Es duftete nach Kaffee und Tee, und man erahnte das Aroma von selbst gebackenen Keksen und Kuchen. Die Aula der Ottersberger Wümmeschule war hübsch geschmückt: mit Unmengen von Kerzen, dazwischen Tannenzweige und Ilex. Besucherinnen wurden freudig willkommen geheißen, und schnell entspannen sich angeregte Gespräche.

Zwischen den Frauen tummelten sich Mädchen, und fröhliches Lachen erfüllte den Raum. Das Organisationsteam Marita Klee, Antje Müller, Heide Sanders, Heike von Bargen, Hannelore Reitz und Gisela Lemmermann mit Sylvia Einemann an der Spitze hatte ganze Arbeit geleistet.

Der weihnachtliche Rahmen ließ erst auf den zweiten Blick erkennen, dass am Freitagabend Frauen unterschiedlicher Kulturen zusammenkamen. Ja, zum gemeinsamen Singen. Nein, keine Weihnachtslieder. Sondern Friedenslieder. Die Ottersberger Atem-, Sprech- und Stimmtherapeutin Christine Marquardt, die den Abend musikalisch leitete, hat mit ihrer Liederauswahl bewiesen, dass es auch ohne Advents- und Weihnachtslieder besinnlich zugehen kann.

Sylvia Einemann vom Vorstand der Ottersberger Landfrauen hatte die Idee, Frauen unterschiedlicher Kulturen und Religionen zum gemeinsamen Singen einzuladen. Dazu hatte sie die kommunalen Integrationsbeauftragten Jana Czichos vom Flecken Ottersberg und Christa Junge von der Gemeinde Oyten mit ins Boot geholt. Die beiden brachten geflüchtete Frauen und Mädchen mit, außerdem kamen weitere Frauen aus Tarmstedt. Desweiteren nahmen zahlreiche Landfrauen teil.

Hanna sang spontan ein Lied eines türkischen Sängers.

Mitten in die besinnlich-beschauliche Stimmung platzten zwei ältere Männer. Sie wollten mitsingen. Mitorganisatorin Antje Müller lud die beiden zwar zu Kaffee und Keksen ein, doch als es langsam in die Aula ging, komplimentierte sie sie hinaus. Drinnen ließ Christiane Marquardt ihre wohltönende tiefe Stimme ertönen. „Huhuu, wir fangen an, kommt alle rein“, sang sie.

Einemann begrüßte die rund 60 Frauen: „Wir freuen uns, dass so viele gekommen sind. Lasst uns gemeinsam einen schönen Abend gestalten.“ Marquardt ergänzte: „Die Idee ist, aus unterschiedlichen Kulturen und unterschiedlichen Erfahrungen einen kurzen Moment in gemeinsamen Rhythmus, gemeinsamen Atem und gemeinsames Singen zu kommen.“ Dann die Willkommensgeste: Hand aufs Herz legen und in die Runde blicken. Dazu sangen die Frauen in verschiedenen Sprachen „Guten Tag, willkommen“.

Es folgte der Friedenskanon. Den kurzen Text hatte Marquardt auf einen großen Bogen geschrieben und oben auf der Bühne aufgehängt. „Halleluja, as-Salam, Om Shanti Om“ intonierten die Frauen, sangen mal leise, mal laut, mal zum Himmel, mal zum Boden.

„Singt einfach drauflos.“

Marquardt gelang es im Handumdrehen, aus den 60 Sängerinnen „eine Stimme“ zu formen. Die 60 verschmolzen zu einer Stimme, und schon beim ersten Lied war klar: Marquardts Projekt „One Voice“ hat auch in Ottersberg Einzug gehalten.

Marquardt animierte die Frauen: „Singt einfach drauflos. Und laut.“

Es klappte. Amüsiert schmetterte die Runde das Lied, die kleinen Mädchen tanzten dazu.

Anschließend überraschte Hanna die Gruppe. Die mutige 15-Jährige intonierte mit kraftvoller Stimme ein Lied eines türkischen Sängers. Eine Stimme, von der auch Marquardt begeistert ist.

Die Frauen applaudierten. „Noch eins“, forderten einige. Dazu holte Hanna ihre Schwester Nour nach vorn und gemeinsam sangen sie ein deutsch-arabisches Lied.

„Alle waren begeistert und haben sich riesig gefreut“, resümierte Sylvia Einemann. Sie selbst war überrascht darüber, wie aufgeschlossen die Flüchtlingsfrauen waren. Auch Marquardt war vom Abend angetan und schlug vor: „Das müssen wir auf jeden Fall wiederholen. Beim folgenden gemeinsamen Singen bringt bitte alle eine Freundin mit.“ 

is

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