Museum zeigt Gemälde aus Modersohns Worpsweder Schaffensjahren 1896-1900

Sich selbst zur innigsten Freude

Rainer Noeres vom Fischerhuder Modersohn-Museum führte die Eröffnungsgäste in die Ausstellung „Worpswede 1896-1900 – ...sich selbst zur innigsten Freude“ ein. - Foto: Keppler

Fischerhude - Worpswede 1896 bis1900 – diese Schaffensjahre waren ein wichtiges, ein besonderes und ein erfolgreiches Kapitel im Gesamtwerk Otto Modersohns. Und diesem Abschnitt widmet das Fischerhuder Otto-Modersohn-Museum jetzt Teil 3 seiner Sonderausstellungen, die chronologisch durch das malerische Lebenswerk des Meisters führen. Am Samstagabend wurde die große Präsentation „Worpswede 1896-1900 – ...sich selbst zur innigsten Freude“ festlich eröffnet. Die Ausstellung mit zahlreichen Leihgaben ist bis zum 2. Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Eine Einführung gab den Eröffnungsgästen Rainer Noeres aus der Museumsleitung.

1895 bekamen die Worpsweder Maler die erste Gelegenheit zu einer gemeinsamen Ausstellung in der Bremer Kunsthalle. Zwar erwarben Bremer Kunstfreunde ein Modersohn-Bild für die Kunsthalle. „Ansonsten war die Reaktion des Kunstpublikums eher verhalten bis kritisch“, so Noeres, „zu ungeschönt, ungewohnt – vielleicht zu wahrhaftig – war ihnen die Natursicht dieser jungen Maler aus dem Teufelsmoor, deren Anliegen nicht die romantische Verklärung einer verloren gegangenen unberührten Natur war. Was sie malten, war die durch Menschenhand gestaltete Kulturlandschaft des entwässerten Moores, des Torfabbaus und der in dieser Landschaft tätigen Menschen.“ Und „was heute als Idylle gilt, wurde vor 112 Jahren als verstörende Wüstenei empfunden, die man nicht auch noch malen musste“, führte Noeres vor einem gespannt lauschenden Publikum aus.

Dabei war es genau diese Einfachheit, die Suche nach Stille, die die Maler nach Worpswede gelockt hatte. Otto Modersohn wollte sich ganz der Natur zuwenden, sie mit seiner Seele erfassen und in seiner Kunst ganz darin aufgehen. Die Landschaft des Teufelsmoores, die Weite, die Kargheit entsprachen seiner Intention, mit wenigem viel zu sagen. „Bilder, die zur Stille führen, sind mir die liebsten. Sie haben für mich den größten ethischen Gewinn“, zitierte Noeres aus einem Tagebucheintrag Modersohns.

Auf Einladung der Münchener Künstlergenossenschaft, dessen Präsident die Bremer Ausstellung gesehen hatte, durften die Worpsweder im Münchener Glaspalast ausstellen und konnten einen sensationellen Erfolg verbuchen. Über Nacht wurden sie zu weitgerühmten Künstlern, wobei Modersohn eindeutig die Nase vorn hatte. Es folgten vielbeachtete Ausstellungen im ganzen Land.

Derweil malte Modersohn immer öfter direkt in der Natur. Detailliert und mit vielen Zitaten aus Modersohns Tagebüchern zeichnete Rainer Noeres den Fortgang des Malerlebens nach. „Man muss ein ganz besonderes, geheimes Gefühl haben, wenn man ein Bild malt, ganz persönlich, sich selbst zur innigsten Freude“, notierte der Landschaftsmaler 1897.

Die zahlreichen Bildverkäufe ermöglichten Otto Modersohn zwar den Kauf eines eigenen Hauses in Worpswede, aber die vielen Ausstellungen und das Malen der dafür erwarteten repräsentativen Bilder wurden ihm zu viel. Zudem wuchsen die Spannungen in der Worpsweder Künstlervereinigung, aus der Modersohn im Juli 1899 seinen Austritt erklärte: „Sie fängt ernstlich an, durch alle mit ihr verbundenen Pflichten uns über den Kopf zu wachsen. Sie bedroht unsere Ruhe, die man zum künstlerischen Schaffen in erster Linie braucht...“

Inzwischen hatte Modersohn Fischerhude entdeckt, wohin er 1907 umsiedelte und bis zu seinem Lebensende 1943 lebte und arbeitete.

Ein erster Rundgang durch die Ausstellung begeisterte die Besucher. „Abendlandschaft“, gemalt 1898 und im Besitz der Kunsthalle zu Kiel, „Dämmerung“ von 1898 oder „Sommer am Moorkanal“, beide aus Privatbesitz, sind nur einige der großformatigen Schätze in Öl, an denen sich Kunstfreunde bis 2. Oktober in Fischerhude erfreuen können. J kr

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