Demenz-Gesprächskreis startet in Ottersberg

Sich aussprechen, Fragen stellen und Antworten kriegen

Monika Meyer, Erika Hilbert, Almut Rattey, Jutta Hagenah und Ilse von Spreckelsen (v.li.) initiieren in Ottersberg einen Demenz-Gesprächskreis für Betroffene und Angehörige. - Foto: Holthusen

Ottersberg - Von Petra Holthusen. „Damals hätte ich mir schon mal Entlastung gewünscht“, sagt Erika Hilbert und meint die Zeit, als sie ihre Mutter und danach ihre Schwiegermutter, beide an Demenz erkrankt, bis zum Tod pflegte.

„Das Leben mit Demenzkranken ist eine hohe körperliche und seelische Belastung für Angehörige“, weiß auch Ilse von Spreckelsen, die ihren von der Krankheit betroffenen, inzwischen verstorbenen Mann gepflegt hat. Gemeinsam mit vier anderen haben die beiden Frauen einen Demenz-Gesprächskreis für Betroffene und deren Angehörige initiiert, der am 16. August startet. Am 14. Juli gibt es dazu eine Informationsveranstaltung.

Monika Meyer, Almut Rattey, Jutta Hagenah, Ingrid Dreyer, Erika Hilbert und Ilse von Spreckelsen bilden das Team, das sich seit Januar mit regelmäßigen Arbeitstreffen und Fortbildungen intensiv auf die Gründung und Leitung des Demenz-Gesprächskreises vorbereitet. Entwickelt wurde die Idee in der Ottersberger DRK-Senioren-Besuchsdienstgruppe, in der die sechs Frauen engagiert sind.

„Angehörigen und Betroffenen helfen, gemeinsam Lösungen für schwierige Situationen zu entwickeln und eine Möglichkeit zum Austausch mit anderen zu finden, die in ähnlichen Lebenssituationen stecken“, beschreibt Ilse von Spreckelsen das Anliegen des neuen Demenz-Gesprächskreises.

Die Koordination übernimmt Monika Meyer, die zusammen mit Jutta Hagenah und Erika Hilbert ein Seminar zur Qualifizierung als „Laienhelferin für Demenzkranke“ absolviert hat. Mit und für Menschen etwas zu tun, darauf hat Monika Meyer „richtig Bock“, wie es salopp aus ihr heraussprudelt. Sie betrachtet das Engagement für Menschen in besonderen Lebenssituationen nicht als Opfer, sondern als persönliche Bereicherung. Das war in ihrem Berufsleben als Arzthelferin so, und das ist jetzt beim Roten Roten Kreuz so.

Sich und ihr Angebot stellen die Demenz-Gesprächskreis-Initiatorinnen allen Interessierten aus Ottersberg und Umgebung in einer öffentlichen Informationsveranstaltung vor: am Donnerstag, 14. Juli. Beginn ist um 15.30 Uhr im DRK-Haus an der Grünen Straße (hinter dem Ottersberger Rathaus). Als Gastreferent wird der Gerontologe und Kunsttherapeut Michael Ganß von seiner Arbeit und seinen Erfahrungen berichten.

Das Gesprächskreis-Treffen findet erstmals am 16. August und danach weiter an jedem 3. Dienstag im Monat von 15 bis 17 Uhr im DRK-Haus in Ottersberg statt. Die Gruppe ist offen für alle von Demenz Betroffenen und ihre Angehörigen; eine Mitgliedschaft im DRK ist ebenso wenig erforderlich wie eine Anmeldung.

„Wir wollen für die Betroffenen und ihre Angehörigen einen Raum schaffen, in dem sie sich aussprechen, Fragen stellen und auf eine Antwort hoffen können“, so Ilse von Spreckelsen. „Alles vertraulich natürlich“, betont Monika Meyer, „Verschwiegenheit ist für uns oberstes Gebot.“

Mal rauskommen und soziale Kontakte pflegen

Die Gruppentreffen sollen immer mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken und lockeren Gesprächen starten. Danach kümmern sich einige der Betreuerinnen um die Demenzkranken und bieten Singen, Spielen und Erzählen an. Während dieser Zeit wechseln die Angehörigen den Raum und haben Zeit und Gelegenheit zu einem vertrauensvollen Austausch.

Angehörige können auch allein kommen, aber das Besondere an der Gruppe ist, dass sie auch für die Erkrankten eine verständnisvolle Anlaufstelle ist. Denn ein Ziel zu haben, etwas vorzuhaben, mal rauszukommen und soziale Kontakte zu pflegen, das ist für die von Demenz Betroffenen, die unter zunehmendem Verlust ihrer kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten leiden, im Alltag nicht mehr selbstverständlich – aber ein wertvolles Stück Lebensqualität.

Für weitere Auskünfte steht Ilse von Spreckelsen unter Telefon 04205/7580 gerne zur Verfügung.

Mehr zum Thema:

Gestörte Feier nach Wolfsburger Rettung in Braunschweig

Gestörte Feier nach Wolfsburger Rettung in Braunschweig

Von wegen untendrunter: Unterwäsche trägt man nun sichtbar

Von wegen untendrunter: Unterwäsche trägt man nun sichtbar

Jubel, Trauer und Ausschreitungen: Bilder vom Relegations-Derby

Jubel, Trauer und Ausschreitungen: Bilder vom Relegations-Derby

Wolfsburger Kraftakt: VW-Club bleibt in der Bundesliga

Wolfsburger Kraftakt: VW-Club bleibt in der Bundesliga

Meistgelesene Artikel

Tim Köhler siegt in der 10,5-Tonnen-Klasse beim Trecker-Treck Nindorf

Tim Köhler siegt in der 10,5-Tonnen-Klasse beim Trecker-Treck Nindorf

Unfall mit vier Lkw: A1 bei Oyten in Richtung Hamburg gesperrt

Unfall mit vier Lkw: A1 bei Oyten in Richtung Hamburg gesperrt

Wo Wildbienen nisten, müssen Spielplätze ruhen

Wo Wildbienen nisten, müssen Spielplätze ruhen

Rettungshundeführer trainieren mit ihren Supernasen im Kletterpark Verden

Rettungshundeführer trainieren mit ihren Supernasen im Kletterpark Verden

Kommentare