Fragen an Geschäftsführer Pelz

Größter Arbeitgeber in der Region: Dodenhof wegen Corona in der Krise

Gespenstische Leere herrscht, wo in normalen Zeiten Autofahrer auf der Suche nach einem Parkplatz kreisen. In Folge behördlicher Anordnungen zur Eindämmung der Corona-Epidemie hat auch Dodenhof die meisten Verkaufsbereiche für den Kundenverkehr geschlossen. Der wirtschaftliche Schaden durch die Umsatzverluste ist hoch. Für rund 900 betroffene Mitarbeiter wurden Kurzarbeitszeitregelungen getroffen. Fotos: Holthusen
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Gespenstische Leere herrscht, wo in normalen Zeiten Autofahrer auf der Suche nach einem Parkplatz kreisen. In Folge behördlicher Anordnungen zur Eindämmung der Corona-Epidemie hat auch Dodenhof die meisten Verkaufsbereiche für den Kundenverkehr geschlossen. Der wirtschaftliche Schaden durch die Umsatzverluste ist hoch. Für rund 900 betroffene Mitarbeiter wurden Kurzarbeitszeitregelungen getroffen.

Posthausen – Corona hat Norddeutschlands größtes Shopping-Center im Vergleich zu normalen Zeiten fast in eine Geisterstadt verwandelt.

Im Zuge der staatlichen Anordnungen zur Eindämmung der Corona-Epidemie hat das Posthausener Handelsunternehmen Dodenhof – 1910 als Dorfladen gegründet, seitdem familiengeführt und heute mit mehr als 120.000 Quadratmetern Verkaufsfläche Anziehungspunkt für mehrere Millionen Besucher im Jahr – vor zwei Wochen die meisten Bereiche der Einkaufsstadt geschlossen. 

Corona-Krise trifft Dodenhof - größter Arbeitgeber der Region

Für wie lange, steht noch nicht fest. Dodenhof ist der größte Gewerbesteuerzahler in der Gemeinde und der größte Arbeitgeber in der Region: Etwa 1200 Beschäftigte sind betroffen. Wie geht das Posthausener Unternehmen mit der Krise und den wirtschaftlichen Folgen um? Antworten gibt Thomas Pelz, der seit November vorigen Jahres neben Ralph Dodenhof Geschäftsführer bei Dodenhof ist. Die Fragen stellte Redakteurin Petra Holthusen.

Welche Bereiche des Centers sind im Moment überhaupt noch geöffnet?

Thomas Pelz: Bei Dodenhof hat die Genießerwelt, also der Supermarkt, von montags bis samstags von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Apotheke, Optiker, Reinigung, Annettes Bauernmarkt und die Drogerie Rossmann haben in der Kernzeit 10 bis 18 Uhr geöffnet. Auf dem Centergelände haben Aldi, das Futterhaus, Hol’Ab!, McDonald’s (nur Drive-in) und die Hoyer Tankstelle geöffnet – OBI ausschließlich für Gewerbetreibende.

In der Genießerwelt arbeiten 130 Mitarbeiter – derzeit werden sie von einigen Mitarbeitern aus anderen Unternehmensbereichen unterstützt. Wir sind sehr dankbar, dass unsere Mitarbeiter mit so viel Engagement und Einsatz ihre Arbeit verrichten und so die Versorgung der vielen Menschen aus der Region sicherstellen. Die Genießerwelt wird weiterhin sehr gut frequentiert. Wir müssen natürlich die Zutritte kontrollieren, um hier die Auflagen bezüglich der erlaubten Besucherzahl einzuhalten. Es ist gut, dass wir über mehr als 5500 Quadratmeter verfügen – so fällt es Besuchern deutlich einfacher, Abstand zu halten. Auch sind bei uns die Artikel, die teilweise woanders nicht zu bekommen sind, in der Regel vorrätig.

Corona-Krise bei Dodenhof: Kurzarbeit eingeführt

Wie viele Beschäftigte sind von den Schließungen der anderen Bereiche betroffen und welche Lösungen wurden für sie gefunden? Urlaub, Stundenabbau, Homeoffice...? Hat Dodenhof Kurzarbeit beantragt?

Thomas Pelz: Nachdem wir in der ersten Zeit seit der Schließung verstärkt auf Überstundenabbau gesetzt haben, wurden für rund 900 betroffene Mitarbeiter großzügige Kurzarbeitszeitregelungen getroffen. Unser Unternehmen stockt das Kurzarbeitergeld freiwillig um 20 Prozent auf. Darüber hinaus gibt es zum Beispiel einige Verwaltungsbereiche, in denen seit längerer Zeit vor Ort in Schichten beziehungsweise im Homeoffice gearbeitet wird. Auch die Mitarbeiter, die für das neue Home-Shopping, den telefonischen Bestellservice, beziehungsweise für den Online-Shop im Einsatz sind, arbeiten weiterhin sehr produktiv.

Gibt es verstärkten Online-Versandhandel? Was ordern die Leute bevorzugt? Wird das telefonische Beratungsangebot angenommen?

Thomas Pelz: Wie die meisten Online-Pure-Player haben wir zunächst eine Kaufzurückhaltung über unseren Onlineshop festgestellt. Die Menschen haben gerade in der ersten Woche nach Schließung der Verkaufsflächen andere Schwerpunkte in ihrem persönlichen Bedarf gesetzt, als sich Bekleidung zu kaufen. Dies wird sich zunehmend ändern, wenn zum einen deutlich wird, dass es keine Versorgungsengpässe bei Lebensmitteln und Medikamenten gibt, und zum anderen eine Wiedereröffnung der Geschäfte absehbar ist. Wir verkaufen momentan eher Technikartikel über unseren Expert-Dodenhof-Online-Shop sowie Artikel des täglichen Bedarfs – wie T-Shirts, Unterwäsche und Basics. Jedoch werden auch Sportbekleidung, Schuhe und kleine Fitnessgeräte wie Blackrolls gut nachgefragt. Wir arbeiten im Moment mit einer kleinen Mannschaft daran, viele weitere Artikel in unseren Onlineshop zu bringen, um das Angebot für unsere Kunden attraktiver zu gestalten.

Corona-Krise trifft Dodenhof: Beauty und Parfümerie gefragt

Unser telefonisches Beratungsteam, das sich täglich außer sonntags von 10 bis 18 Uhr auf die Anrufe unserer Kunden freut, wird noch unterschiedlich gut angenommen. Die stärkste Nachfrage haben wir hier im Bereich Beauty und Parfümerie. Wir arbeiten gerade daran, ein Tutorial online zu stellen, bei dem unsere Kunden gezeigt bekommen, wie einfach eine Bestellung per Telefon funktioniert. Wir wollen unseren Kunden sogar die Möglichkeit anbieten, mit unserem Mitarbeiter per Videotelefonie über die Verkaufsflächen zu gehen und sich bestimmte Artikel zeigen und erklären zu lassen. Stellen Sie sich vor: Sie gehen per Videotelefonie über 20.000 Quadratmeter, das Geschäft steht Ihnen alleine zur Verfügung und Sie haben eine persönliche Beratung dabei – bislang gab es das nur in Hollywoodfilmen.

Lassen sich die Einbußen beim Umsatz beziffern? Welche wirtschaftlichen Schäden und Folgen sind für das Unternehmen absehbar beziehungsweise gibt es schon Pläne, wie sich Dodenhof für die Zeit nach der Krise aufstellen kann?

Thomas Pelz: Selbstverständlich haben wir verschiedene Szenarien durchgespielt und uns angesehen, mit welchen wirtschaftlichen Einbußen das Unternehmen rechnen muss. Selbst wenn wir unsere Verkaufsflächen wieder Ende April öffnen könnten, werden wir durch den Umsatzverlust seit der Schließung der Flächen einen hohen wirtschaftlichen Schaden haben. Zudem wird eine Wiedereröffnung vermutlich nur unter verschiedenen Auflagen erfolgen können, welche sicherlich Auswirkungen auf die zu erwartende Frequenz haben werden. Auch diese Varianten haben wir durchgespielt. Wir sind in engem Austausch mit unseren Lieferanten und Verbänden und werden im gemeinsamen Schulterschluss diese Krise durchstehen. Wir bauen dabei auch sehr auf die Treue unserer Kunden, mit denen wir seit 110 Jahren in unserer Region eng verbunden sind.

Wie verhalten sich die integrierten Unternehmen wie XXXLutz oder die Markenshops in der Mall? Stichwort Mietzahlungen ...

Thomas Pelz: Diejenigen, die per behördlichem Erlass schließen mussten, halten sich natürlich an die Auflagen. Mit unseren Mietpartnern stehen wir in engem Austausch – zumal einige ja weiterhin geöffnet haben dürfen, vor allem auf dem Centergelände. Wir wünschen uns und hoffen, dass die Krise bei den verschiedenen Stationärhändlern nicht zu allzu großen wirtschaftlichen Schäden führt und alle hoffentlich wieder öffnen können.

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