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Selbstbestimmung kontra Solidarität

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Von: Petra Holthusen

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Demonstration
Impfbefürworter postieren sich vorm Rathaus. © Holthusen

Ottersberg – „2G-Boykott“ vor der Sparkasse – „Impfen statt Schimpfen“ vorm Rathaus: Ihre unterschiedliche Haltung zu staatlichen Corona-Schutzmaßnahmen demonstrierten Gegner und Befürworter am Montagabend zeitgleich in zwei Versammlungen an der Grünen Straße in Ottersberg.

Erstmals hatten Impfgegner in Ottersberg regelkonform eine Demonstration angemeldet, in der sich nach Beobachtung von Polizeikräften Teile der bisherigen montäglichen „Spaziergänger“ wiederfanden. Begleitet und geschützt von der Polizei, setzte sich der Protestzug auf der Straße durch den Ortskern in Bewegung. Die etwa 80 Teilnehmenden machten mit Trillerpfeifen auf sich aufmerksam und skandierten „Frieden, Freiheit, Selbstbestimmung“. Unter anderem zeigten sie ein Banner mit der Aufschrift „Demokratie“, welche sie dem Kontext zufolge offenbar mit persönlichem Selbstbestimmungsrecht gleichsetzen.

Bei der abschließenden Kundgebung vor der Sparkasse kündigte Sprecher Dario LoCastro weitere montägliche Protestzüge der Impfgegner an und verteilte Liedzettel, um gemeinsam „Die Gedanken sind frei“ zu singen, allerdings umgedichtet in „Die Körper sind frei“.

Gegen sechs Teilnehmende dieser Gruppe leitete die Polizei nach eigenen Angaben Ordnungswidrigkeitenverfahren ein, weil sie gegen die FFP2-Maskenpflicht verstießen. Weitere Vorkommnisse wurden nicht vermeldet.

Auch gab es kein nennenswertes Aufeinandertreffen von Impfgegnern und den rund 50 Impfbefürwortern, die sich in Sichtweite vor dem Rathaus postiert hatten. Sie bekundeten erneut ihre „Solidarität mit Alten, Kranken und Kindern“ in der Pandemie. Als Redner begrüßte Versammlungsleiterin Marlies Meyer an diesem Montag den Ottersberger Hausarzt Torsten Kuper, der nach seinen Worten bisher 500 Covid-Patienten behandelt hat, von denen eine zweistellige Anzahl gestorben sei und etwa 75 unter dem Long-Covid-Syndrom litten.

Alle Hausärzte in Ottersberg würden impfen, sagte Kuper, und hätten sich dafür wiederholt von Corona-Leugnern und Maßnahmen-Gegnern beschimpfen lassen müssen. Die Ärzte und ihre medizinischen Mitarbeiterinnen hätten in den zwei Jahren der Pandemie über ihr Soll hinaus „extrem viel geleistet“. Es mache ihn traurig, montags die „Spaziergänger“ zu sehen, so Kuper, und es sei wichtig, dagegen „ein Zeichen für Demokratie und Solidarität zu setzen“. Die Demokratie sei aktuell gefährdeter denn je, betonte der Mediziner und Sozialdemokrat. Als große gesellschaftliche Aufgabe bezeichnete es Kuper, „wieder zueinander zu finden und die Kluft zu schließen“.

Meyer und Kuper brachten ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass sich den Versammlungen vor dem Rathaus weitere Menschen aus der großen schweigenden Mehrheit anschließen: „Wir wollen von Montag zu Montag mehr werden.“

Demonstration
Gegner der Corona-Maßnahmen ziehen durch den Ortskern. © Holthusen

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