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„Sehr guter Windstandort“

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Von: Petra Holthusen

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Turmbau in einem Windpark
Bis die beiden genehmigten Windenergieanlagen in Quelkhorn mithilfe von Spezialkränen aufgebaut werden, wird mindestens noch ein Jahr vergehen. Unser Bild zeigt den Turmbau in einem Windpark nahe Wismar. © Jens Büttner / dpa

Quelkhorn – Mit der Anlieferung der Anlagenteile auf dem Acker in Quelkhorn rechnet Nils Niescken, Geschäftsführer der NWind GmbH aus Hannover, frühestens in einem Jahr: „Die sind erst in der Vorproduktion und werden ab dem Spätsommer gebaut.“ Fürs erste Quartal 2023 peilt das Unternehmen, das seit 20 Jahren deutschlandweit Windparks konzipiert, baut und betreibt, den Baubeginn für seine beiden neuen Windkraftanlagen nahe der Buchholzer Straße an. Zwölf Millionen Euro investiere die NWind hier in die Produktion von Strom aus Windenergie, sagt Niescken und betont: „Es ist ein sehr guter Windstandort.“

Erfahrungen mit diesem Standort sammelt das Unternehmen seit 2017, als es hier im Außenbereich von Quelkhorn nahe der Grenze zum Kreis Rotenburg das erste Windrad errichtete. Das sorgte als damals größtes und leistungsstärkstes seiner Art im Landkreis für Aufsehen. Inzwischen werden die Anlagen überall größer und effizienter, das Größtmögliche will NWind in Quelkhorn aber nicht bauen: „Die größten Rotoren haben heute einen Durchmesser von 160 Metern – unsere haben 127 Meter“, erklärt Niescken.

Die immissionsschutzrechtliche Genehmigung für Bau und Betrieb von zwei weiteren Windenergieanlagen, die zusammen mit der von 2017 an der Buchholzer Straße den Windpark Quelkhorn bilden werden, hatte der Landkreis Verden dem Investor im Dezember erteilt (wir berichteten). Das Zulassungsverfahren inklusive Umweltverträglichkeitsprüfung dauerte insgesamt dreieinhalb Jahre. „Das ist noch im Rahmen“, meint Niescken. Die Verwaltung habe eben ordentlich gearbeitet. Und das müsse sie auch, schließlich gehe es um einen bedeutsamen Eingriff in die Landschaft. Geplant und genehmigt sind an der Stelle zwei neue Anlagen des Typs Enercon E-126 EP3 mit je vier Megawatt Nennleistung, 135 Metern Nabenhöhe, 127 Metern Rotordurchmesser und 198,5 Metern Gesamthöhe.

Jedes der beiden neuen Windräder kann Niescken zufolge mit der Produktion von rund elf Millionen Kilowattstunden Strom theoretisch den Jahresbedarf von etwa 2500 Haushalten decken. Die Stromeinspeisung ist zunächst auf 20 Jahre ausgelegt. Durch den erwarteten Windertrag sollen sich die Anlagen laut Niescken nach 15 Jahren Laufzeit amortisiert haben.

Durchgehend laufen dürfen sie nicht: Um das Kollisions- und Tötungsrisiko für die in dem Gebiet nachgewiesenen Fledermaus- und Greifvogelarten zu mindern, müssen die Rotorblätter der Windräder zu bestimmten Zeiten still stehen. Wann genau Abschaltpflicht zum Schutz von Vögeln und Fledermäusen gilt, ist im Genehmigungsbescheid festgelegt.

Die Zufahrt zum Windpark von der Buchholzer Straße aus erlaubt der Landkreis erst ab der Betriebsphase. Für die Bauzeit müssen die Anlagenstandorte einen Abzweig von der Quelkhorner Landstraße erhalten. Querfeldein sollen die Schwer- und Sondertransporte die Flächen ansteuern, auf denen die schwergewichtigen Einzelteile der Windräder fertig montiert werden.

Der Weg dorthin wird mühsam genug. Die von Niescken zitierte Streckenstudie führt die Schwerlasttransporte von der A 1 in Posthausen kommend durch den Ottersberger Ortsteil Bahnhof, weiter durch den Ortskern mit seinen beiden Kreiseln und über die Lange Straße bis zum Ortseingang von Quelkhorn. Im Vorfeld der Anlagenlieferung im ersten Quartal 2023 muss NWind die Transportwege für die Schwerlastzüge vorbereiten und befahrbar machen.

Außerdem muss das Unternehmen vor Baubeginn Archäologen in Marsch setzen, die den Baugrund auf mögliche historische Relikte untersuchen. Funde sind nicht unwahrscheinlich: Ein Windrad soll an der Stelle errichtet werden, an der die Kreisarchäologie mal einen Grabhügel abgetragen und kartiert hat. „Es muss damit gerechnet werden, dass neben dem Grabhügel ursprünglich weitere Gräber angelegt wurden“, heißt es in dem Zulassungsbescheid für die neuen Windenergieanlagen. Sämtliche Erdarbeiten müssten demzufolge von Archäologen beobachtet werden.

Als guten Windstandort für drei Anlagen hat Niesckens Unternehmen auch Benkel im nördlichen Zipfel des Fleckens Ottersberg ausgemacht: „Die Antragsvorbereitungen laufen.“

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