„Schön-Wedder“-Gruppe stellt im Ottersberger Ortsrat ihre Pläne vor

Wohngemeinschaft unter freiem Himmel

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Laura (mit Caspar, 8 Wochen), Juri, Friedrich, Lisa, Maurice, Julia, Tonia und Nils (v.l.) von Schön-Wedder hoffen, ihre Vision von einem alternativen Wohnprojekt in Ottersberg bald verwirklichen zu können. Jüngst stellten sie ihre Pläne dem Ortsrat vor.

Ottersberg - Den Wunsch nach einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt in Ottersberg mit selbst gestalteten Bauwagen oder Jurten hegen sie schon lange. Indes: Ein geeigneter Ort wird noch gesucht. „Schön Wedder“ heißt die Projektgruppe, die dahinter steckt, bestehend aus jungen Studenten und Berufstätigen, Handwerkern und Künstlern. Nun gingen sie mit ihrer Idee, die sie am liebsten noch 2016 realisieren würden, im Ortsrat an die Öffentlichkeit.

Entstanden ist die Gruppierung aus dem Verein am Bahnhof Ottersberg – Inititative für neues Wohnen. Sechs bis sieben Leute umfasst die Kerngruppe, dazu kommen 15 bis 20 Interessierte. „Es besteht ein großer Bedarf in Ottersberg an zeitgemäßen Erweiterungen von Wohnmöglichkeiten, angesichts der Studierenden, die wenig günstigen Wohnraum finden können“, begründet die Gruppe ihr Anliegen in der Vorlage zur Ortsratssitzung.

Ziel sei es, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, das ökologische, soziale und kulturelle Aspekte verbindet. „Es kann gemeinsam gekocht, gebaut, gegärtnert, musiziert, getanzt, gekünstlert werden“, heißt es. Denkbar seien auch Ateliers, Werkstätten und ein temporäres Café. Der Ort stehe Gästen und Nachbarn offen.

Man kann es sich als Freiluft-Wohngemeinschaft vorstellen, naturnahes Wohnen in Bau- oder Zirkuswagen, kurzum: „Alles, was mobil ist“, bringt es Friedrich von „Schön Wedder“ auf den Punkt. Bauwagenbewohner kommen in Otterstedt bisher nur an temporären Stellplätzen unter, mal am Otterstedter See, mal auf einem Bauernhof in Quelkhorn. Es gelte „einen legalen Weg zu finden, um nicht alle paar Monate umziehen zu müssen“, erklärt Friedrich.

Laut Bauamtsleiter Ralf Schack nahm der Ortsrat die Vorstellung des Projekts wohlwollend zur Kenntnis. Es zeichnete sich aber auch ab, dass bis zur Realisierung noch etwas Zeit ins Land gehen wird. „Das Problem ist die Standortsuche. Wir brauchen eine geeignete Fläche“, sagt der Fachbereichsleiter.

Das angedachte, knapp 13000 Quadratmeter große Gelände, das sich von der alten Tennishalle bis zum Wümme-Nordarm erstreckt, ist als Sondergebiet ausgezeichnet. Konkret: eine landwirtschaftliche Fläche, zudem hat das niedersächsische Landesamt für Küstenschutz einen Teil des Areals als Hochwasserschutzgebiet definiert. Laut Schack betrifft das 80 Prozent der Fläche. „Das erlaubt keine festen Bauten über Normal-Null“, erläutert Ortsbürgermeister Klaus Rebentisch (CDU).

Eigentlich kein Widerspruch, da ausschließlich mobile Wohnunterkünfte geplant sind. Aber auch diese Form der Besiedlung sei im Sondergebiet nicht möglich. Der Flächennutzungsplan müsse erst geändert werden, erklärt Schack, was ungefähr ein Jahr in Anspruch nehmen werde.

Als Alternative denkbar ist auch ein 8000 Quadratmeter umfassendes Gebiet hinter dem Neubau der Hochschule für Künste im Sozialen. Schack zufolge gehört die Fläche dem Flecken, ausgewiesen ist es als Baugebiet. „Das haben wir natürlich gekauft, um dort Wohnbebauung entstehen zu lassen.“ Und dass Einfamilienhäuser sich für den Flecken eher rentieren würden als eine Bauwagensiedlung, ist eine betriebswirtschaftliche Binsenweisheit.

Das Thema soll jetzt in den Fraktionen beraten werden, bevor es in einigen Monaten im Ortsrat erneut auf die Agenda kommt.

Die Projektgruppe sieht diese Verzögerung gelassen: „Wir hätten es am liebsten dieses Jahr realisiert. Nun bleibt uns aber nicht viel anderes übrig als zu warten“, sagt Julia Becker. Im Herbst 2014 habe man bei Fleckensbürgermeister Hofmann erstmals angeklopft.

Eine Verschiebung des Wohnprojekt sieht Rebentisch nicht. „Die Gruppe hat sich im November an mich gewandt.“ Da die Unterbringung von Flüchtlingen die Gemeinde zu dieser Zeit sehr beanspruchte, schlug er gleich die Vorstellung im Ortsrat vor.

Prinzipiell stehe der Realisierung nichts entgegen, sagt Rebentisch, „aber wir müssen noch Detailarbeit leisten“. Etwa die Pläne, wie es gelingen kann, Komposttoiletten auf dem Gelände einzurichten. Als Positiv-Beispiel nennt der Ortsbürgermeister ein alternatives Wohnprojekt, das in Zusammenarbeit mit der Gemeinde in einem Teil der alten Kegelbahn für 50 junge Leute entstanden ist. „Warum soll man nicht Alternativen zulassen?“, so Rebentisch.

ldu

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