Team „WümmeRaum“ eröffnet Ausstellung mit großer Publikumsresonanz

Schaurig war’s im Moor

Ein Jahr lang ist die Moor-Ausstellung im Obergeschoss des Butmannschen Hofes zu sehen, die an diesem Wochenende eröffnet wurde. - Foto: Keppler

Fischerhude - In früheren Zeiten war es eine gefährliche Sache, durch das Moor zu gehen. Befestigte Straßen gab es nicht. Knüppeldämme waren die einzige Möglichkeit halbwegs trockenen Fußes voranzukommen. Wer unachtsam war, konnte auf Nimmerwiedersehen in einem der dunklen Kolke verschwinden.

Düstere Gerüchte von Moorleichen machten die Runde. Manche tauchten per Zufall mumifiziert wieder auf, andere blieben für immer verschwunden. Mit einem Zitat aus dem berühmten Gedicht von Anette von Droste Hülshoff, das 1842 erschien, stimmte Dr. Jochen Bertzbach eine Vielzahl von Besuchern am Sonnabend auf die Moor-Ausstellung ein, die bis Mai nächsten Jahres im Obergeschoß des Buthmannschen Hofes zu sehen ist.

Mit sichtlichem Vergnügen an unheimlichen Geschichten erzählte er von Irrlichtern und Geistern, von trunkenen Bauern und vom Torfstich, der als Broterwerb in allen Mooren, auch in Quelkhorn üblich war. Er ging an die Anfänge der Kolonialisierung zurück, als sich Menschen in den Sumpfgebieten niederließen.

Von Dias auf einer Großleinwand unterstützt zeichnete er dem gespannt lauschenden Publikum ein Bild vom Wandel des Moores, das in manchen Gegenden wie im Emsland schnell industriell abgebaut wurde. Nach und nach verschwand eine einzigartige Landschaft.

Niedersachsen, das moorreichste Bundesland, ist bis heute führend im Torfabbau, so Bertzbach. Hier habe man es geschafft 95 Prozent der Moore zu entwässern und für die Landwirtschaft nutzbar zu machen. Naturnahe Moore als Lebensraum für Flora und Fauna seien auf fünf Prozent zusammengeschrumpft. Im Jahr 2012 wurden immer noch jährlich 6,5 Millionen Kubikmeter Torf produziert. Dennoch gab es in den 70-er und 80-er Jahren ein Umdenken in Politik und Gesellschaft. Das ökologische Bewusstsein für Natur und Landschaft griff und die ökologische Bedeutung der Moore rückte mehr und mehr in den Vordergrund.

Ausführlich ging Bertzbach dann auf die Vorgehensweise des großflächigen Abbaus in Ländern wie Indonesien und Malaysia ein, in denen noch heute riesige Flächen brandgerodet werden, um die Agrarindustrie zu bedienen.

Bei uns dagegen sei ein sanfter Ausstieg aus dem Torfabbau angesagt, obwohl die bereits genehmigten Flächen, und das seien 11.500 Hektar, mit Abbaurechten bis 2060 gesichert seien.

Im Landkreis Verden würde kein Abbau mehr stattfinden, freute sich Betzbach. Das Quelkhorner und Ottersberger Moor, das Verdener, Waller und Hühner Moor seien im Focus von aktiven Naturschützern, denen es wichtig sei, alljährlich die wiedervernässten Flächen per Hand zu entkusseln.

In der Ausstellung gibt es historische Kartenausschnitte zu sehen, herrliche schwarz-weiß Fotos des Fischerhuder Fotografen Klaus Rohmeyer und Nahaufnahmen von Pflanzen und Tieren, denen im Quelkhorner Moor wieder Lebensraum gegeben wird. Illustrierte Schautafeln verdeutlichen die biologischen Zusammenhänge und erklären anschaulich, wie Moor entsteht und warum es für das Ökosystem und den Klimaschutz und somit für Mensch und Tier so wichtig ist. Bilder vom seltenen Lungenenzian, von Wollgras im Früchtestand, vom Braunkehlchen und Kreuzottern lenken die Aufmerksamkeit auf eine beeindruckende Artenvielfalt.

Das ganze Ausstellungsjahr über gibt es vielfältige Veranstaltungen, die das Moor thematisieren. Die musikalische Umrahmung lag bei Tobias und Lennart Bertzbach, die für ihre Beträge begeisterten Applaus bekamen. 

kr

Mehr zum Thema:

G7-Gipfel: Scheitern in letzter Minute verhindert

G7-Gipfel: Scheitern in letzter Minute verhindert

Räikkönen düpiert Vettel mit Fahrt auf die Pole

Räikkönen düpiert Vettel mit Fahrt auf die Pole

Sommerwetter in Deutschland: Ansturm auf Freibäder und Seen

Sommerwetter in Deutschland: Ansturm auf Freibäder und Seen

Wie Jäger mit Drohnen Rehkitze vor dem sicheren Tod retten

Wie Jäger mit Drohnen Rehkitze vor dem sicheren Tod retten

Meistgelesene Artikel

Achimer Bürger sieht in Amazon Gefahr für Landschaft und Arbeitsplatzniveau

Achimer Bürger sieht in Amazon Gefahr für Landschaft und Arbeitsplatzniveau

Tim Köhler siegt in der 10,5-Tonnen-Klasse beim Trecker-Treck Nindorf

Tim Köhler siegt in der 10,5-Tonnen-Klasse beim Trecker-Treck Nindorf

Schlägereien überschatten Vatertags-Feiern im Landkreis 

Schlägereien überschatten Vatertags-Feiern im Landkreis 

Autotransporter verliert Fixiervorrichtung: Fahrstreifen nach Unfall gesperrt

Autotransporter verliert Fixiervorrichtung: Fahrstreifen nach Unfall gesperrt

Kommentare