Ortsverband Ottersberg gründet sich Samstag – und will bei Kommunalwahl antreten

Satirepartei am Start

Christian Ertmer und Waldemar Krahl von der PARTEI
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Die PARTEI will in der Politik vor Ort neue Akzente setzen. Christian Ertmer (links) und Waldemar Krahl laden zur Gründung des PARTEI-Ortsverbandes Flecken Ottersberg ein – und erwägen die Kandidatur bei der Kommunalwahl im September.

Fischerhude – Interessiert ja, aktiv eher nicht. So lässt sich das bisherige politische Engagement von Waldemar Krahl beschreiben. Das ändert sich gerade. Politik sei eine ernste, seriöse Sache, betont der Fischerhuder (66) – aber Spaß machen solle sie trotzdem. Deshalb fühlt er sich in der PARTEI, die mit der Kunstform Satire arbeitet, zu Hause. Und als Neu-Rentner hat er jetzt Zeit, aktiv mitzumischen. Zusammen mit Christian Ertmer (37) und weiteren Mitgliedern der PARTEI – der Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative – lädt Krahl für Samstag, 19. Juni, zur Gründung des Ortsverbandes Flecken Ottersberg der politisch-satirischen Partei ein. Los geht"s um 16 Uhr im Gasthaus Berkelmann in Fischerhude.

Es sei Zeit, die Parteienlandschaft im Flecken noch ein bisschen bunter zu machen, finden Krahl und Ertmer. „Wir möchten noch rechtzeitig vor den Kommunalwahlen aktiv werden und schauen, wie in der Gemeindepolitik alternative Akzente durch die PARTEI gesetzt werden können“, so Krahl. Es gehe „um die kreative Neuerfindung der Politik: raus aus der Sackgasse der Konventionen, hinein in das bunte Leben“. Dazu eingeladen seien alle, „die nicht nur dabei- und neben sich selbst stehen möchten, sondern mittendrin mitwirken wollen in der großen Lokalpolitik“. Anliegen gebe es genug...

Neben den bereits mit einem Mitgliedsausweis ausgestatteten PARTEI-Anhängern sind auch Neueinsteiger aus dem Ottersberger Gemeindegebiet willkommen – Aufnahmeanträge hat Krahl am Samstag im Gepäck. Als Gründungspaten werden zu der Versammlung Sarah Ellen Herfort und Torsten Kobelt vom Landesvorstand erwartet. Der Ortsverband will sich einen Vorstand und eine Satzung geben – und im besten Fall schon die ersten Kandidatinnen und Kandidaten für die Gemeinderatswahl am 12. September finden.

Krahl und Ertmer selbst wollen voraussichtlich antreten. „Ich möchte mich engagieren – und wenn schon, dann richtig“, sagt Ertmer, der in Fischerhude groß geworden ist und heute wieder mit Frau und zwei kleinen Töchtern hier lebt. Sitz und Stimme im Gemeinderat wahrzunehmen, wäre für ihn „absolutes Neuland“. Aber einer damit verbundenen Unsicherheit steht der Wunsch gegenüber, „neue Akzente und Fragezeichen zu setzen und zu gucken, wo hakt was?“, schildert der 37-jährige Heilpädagoge.

Christian Ertmer kam zur PARTEI, nachdem er im Internet auf eines dieser Plakate gestoßen war, die Gesellschaftskritik satirisch überspitzen. Die den Populismus anderer Parteien persiflieren, mit wortwitzigen Doppeldeutigkeiten und Absurditäten provozieren, polarisieren – und so Menschen ansprechen, die hohler Phrasen müde sind. Das Plakat verstörte Ertmer, machte ihn aber auch neugierig: „Ich musste den Sarkasmus erst begreifen.“ Seitdem sieht er Satire als „Chance, wirkungsvoll auf Missstände aufmerksam zu machen“. Damit erreiche man „ein anderes Publikum“.

„Alles toll“ finden Ertmer und Krahl deswegen aber nicht – Satire habe für sie auch Grenzen: Das doppeldeutige Laternenplakat „Hier könnte ein Nazi hängen“ würden sie so „nicht unterschreiben“, sagen sie.

Waldemar Krahl trat 2015 solidarisch in die PARTEI ein, nachdem diese in einem Interview als „nicht ernst zu nehmende Spaßpartei“ lächerlich gemacht worden war: „Das hat mich aufgeregt.“ Es gehe hier um Satire, die – im Gegensatz zu Spaß und Comedy – immer ein kritisches Anliegen habe, auf das sie pointiert hinweise. „Da will ich mitwirken“, beschloss der Kunsttherapeut, der seit 1977 in Fischerhude lebt und drei erwachsene Kinder hat. Jetzt macht er Ernst mit dem Mitwirken.

Kommunalpolitisch würden sich Krahl und Ertmer als Erstes für einen Naturspielplatz am Appelhoff in Fischerhude sowie für die Attraktivierung und den Ausbau des Radwegenetzes in der Gemeinde einsetzen. Krahl interessiert sich außerdem für das Großunternehmen Buss, speziell „für die Erweiterungspläne und die Arbeitsbedingungen – da würde ich gerne mal nachfragen“.

Kontakt

Wer sich für die PARTEI im Flecken Ottersberg interessiert, erreicht Waldemar Krahl unter Telefon 0171/4465158 und per E-Mail an partei.fishtown@web.de

Von Petra Holthusen

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