Erstmalig wieder zu Gast

Salino in Ottersberg: „Solange es Kinder gibt, wird es Zirkus geben“

Appaloosa-Hengst „Arthos“, der kauend neben Jessie Urban steht, erinnert ein wenig an Pippi Langstrumpfs Pferd „Kleiner Onkel“.

Ottersberg - Von Lisa Duncan. Nur eine Stunde, dann beginnt die Premiere auf dem Sportplatz am Fährwisch in Ottersberg. Jessie Urban ist noch ungeschminkt, statt seines übergroßen Clownskostüms trägt er eine rote Zirkusdirektorenjacke mit üppigen Goldapplikationen.

Während er ein letztes Mal nach den Pferden schaut, duscht sich ein Kollege lässig auf dem Platz zwischen Tiergehege, Zirkuszelt und Wohnwagen. Zirkus Salino, ein Familienzirkus aus Aurich in fünfter Generation, geführt von Carola und Frantisek Urban, ist seit sechs Jahren erstmals wieder im Wümmeort zu Gast. Für zwei weitere Vorstellungen, am Samstag und Sonntag ab 15.30 Uhr, öffnen sich die Zeltplanen noch einmal für die Zuschauer.

13 Leute gehören insgesamt zur Zirkustruppe, dazu die Tiere: Kamele, Lamas, Ziegen, Pferde, Hunde und ein Königspython. Der 29-jährige Jessie Urban ist, genau wie Luftakrobatin Josy Köllner, ein „Zirkuskind“. Er war schon immer Clown, er spielt den „Dummen August“ solange er zurückdenken kann. „Ich stand schon als Zweijähriger in der Manege und bin neben Mama und Papa auf Händen gelaufen.“ Nun arbeitet er im Zirkus seiner Tante Carola, seine Eltern, Ludwig Tränkler und Astrid Urban, betreiben derweil mit Zirkus „Antoni“ ihr eigenes Showgeschäft. Jessie Urban zufolge hat seine Existenz mit Lohnarbeit allerdings herzlich wenig gemein: „Zirkus ist kein Beruf, sondern ein Leben.“

„Allez, hop!“: Dompteur Dustin Urban präsentiert in der Zirkusmanege eine beeindruckende Pferdedressur-Nummer.

Zirkusleben – das heißt unter anderem, jede Woche an einem anderen Ort das Zelt aufzuschlagen. Gerade kommen die Urbans aus Salzhausen bei Hamburg, in der nächsten Woche steht Gnarrenburg (Landkreis Rotenburg) auf dem Tourkalender. Ein Umstand, den die Mitglieder des reisenden Familienunternehmens gewöhnt sind – und nicht anders wollen: „Wir könnten uns nicht vorstellen, jeden Tag denselben Baum vorm Haus zu haben“, sagt Jessie Urban. Ein festes Schulgebäude hätten sie als Jugendliche auch nicht vermisst: In Nordrhein-Westfalen kommt die Zirkusschule zum Unterricht in den Wohnwagen, im Norden behelfen sich die Zirkuskids mit Fernlernkursen.

Luftakrobatin Josy Köllner mit Hoola-Hoop-Reifen.

„The Show must go on“ lautet die andere Seite der Medaille. Was in der Zirkusarena so leichtfüßig daherkommt, ist das Ergebnis „langen und harten Trainings“, sagt Josy Köllner. Der „Genickhang“ zähle zu den besonders spektakulären Tricks. Und der gelang ihr mit 15 Jahren auf Anhieb, erzählt die heute 22-Jährige. Dafür zieht sie sich über den Köpfen der Zuschauer mit den Händen am Trapez hoch, legt ihren Kopf in den Nacken und schwebt einen Moment lang freihändig weiter. Auch beim Messerwerfen lässt sie sich auf das Brett schnallen. Ein Trick, der zunächst mit Luftballons geprobt wird und bisher stets unfallfrei geklappt hat, sagt Köllner.

Wenn sich Jessie Urban mit Theaterschminke in Clown Peppino verwandelt, darf die rote Nase nicht fehlen.

„Um ein guter Clown zu sein, muss man es auch im wahren Leben sein“, lautet Jessie Urbans Credo, der Pannen in der Vorstellung schon mal mit Witzen oder spontanen Gesangseinlagen überbrückt. Die Show muss ja weiter gehen. Salino wirbt damit, ein „Zirkus zum Anfassen“ zu sein: Clown Peppino bittet Zuschauer für Gags zum Mitmachen in die Manege, in der Pause können Kinder auf dem Kamel reiten oder sich mit der Pythonschlange fotografieren lassen. Auch das Hand gemachte, nicht hundertprozentig glatt Gebügelte, mache den Zirkus aus. Darum seien moderne Unterhaltungsmedien, wie sie Youtube und Co. bieten, auch keine Konkurrenz für seinen Berufsstand, so Urban: „Solange es Kinder gibt, wird es Zirkus geben. Denn nur der Zirkus vermittelt dieses Gefühl der Romantik.“

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