Kommunalwahlen

Sabri Sardas will Ottersberg „etwas zurückgeben“

Sabri Sardas
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Sabri Sardas (42) kandidiert als überzeugter Sozialdemokrat für den Ottersberger Gemeinderat. Das Rektorhaus (im Hintergrund) war 1987 die erste Wohnung der zehnköpfigen Familie Sardas, als sie aus der Türkei nach Ottersberg kam.

Ottersberg – Auf dem Fußballfeld ist Sabri Sardas der klassische Zehner, der Spielmacher: „Ich bin immer der in der Mitte. Ich organisiere gern“, sagt er lebhaft. Auf der Kandidatenliste der SPD für die Gemeinderatswahl in Ottersberg am 12. September ist Sardas die Nummer 7 und würde sich als Neuling im Kommunalparlament erstmal an den alten Hasen orientieren. Als überzeugter Teamplayer hat der 42-Jährige klare Vorstellungen: „Wir Menschen müssen viel mehr zusammenkommen und miteinander reden. Jeder erzählt mal seine Sichtweise und hört dem anderen zu.“ Nur so, findet Sardas, gelinge Gemeinschaft. Das sei sein Grundprinzip, und „deshalb gehe ich auch in die Politik“, sagt der Industriemeister.

Angekommen in Ottersberg ist Sabri Sardas 1987. Mit seinen Eltern und sieben Geschwistern kam er aus der Türkei – „aus dem tiefsten Anatolien“. Die Familie bezog das alte Rektorhaus an der Schule, damals ein Wohnhaus der Gemeinde. „Wir sind so herzlich empfangen worden. Fast jeden Tag hat jemand geklingelt und Spielzeug gebracht.“ Das hat Sardas, damals acht Jahre alt, nicht vergessen. „Für unsere Eltern war das Allerwichtigste, dass die Kinder eine vernünftige Ausbildung machen, dass wir eine Perspektive haben.“ In Anatolien hätte er nur Ziegenhirte werden können, meint Sardas.

Deutsch lernte er als Kind in kürzester Zeit: „Ich hab" in der Grundschule in Fischerhude zwei super Freunde gefunden, die mich mitgezogen haben.“ Nach dem Realschulabschluss und einem kurzen Ausflug zum Fachgymnasium machte Sardas beim Ottersberger Fertiggerichte-Hersteller Buss eine Ausbildung zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik. Später absolvierte er berufsbegleitend zweieinhalb Jahre lang den Meister-Lehrgang. Heute arbeitet der Industriemeister als Warendisponent bei Buss: „Das macht mir Spaß, ich fühle mich wohl dort.“

Sardas und seine Geschwister haben die Chancen, die sich die Eltern für sie erhofften, beim Schopfe gepackt. „Die Bildung in Deutschland ist super. Du musst nur fleißig sein, du darfst nicht faul sein. Dann kannst du alles erreichen.“ Das hat der Ottersberger von klein auf gelernt und für sich genutzt.

Mit seiner Frau hat er ein Haus im neuen Wohngebiet hinter der Großen Straße gebaut. In Sachen Fußball ist Sardas jetzt beim VfR Seebergen-Rautendorf aktiv. Früher spielte er unter anderem für die Vereine in Fischerhude und Ottersberg, wo er auch Jugendtrainer war.

Seit mehr als 30 Jahren denkt und träumt Sardas auf Deutsch: „Meine Eltern sind Kurden, aber ich bin Deutscher, und das ist gut so“, unterstreicht er. Türkisch und Kurdisch spricht er dennoch, und das würde er in der politischen Arbeit gern nutzen als Ansprechpartner für Migranten. Für sie und ihre möglichen Anliegen sei ansonsten die Hemmschwelle allein sprachlich oft hoch.

Ein besonderes Anliegen wäre Sardas die Belebung des Ortskerns. Er findet es schade, „dass so viele kleine Läden kaputt gegangen sind und dass man abends nirgends mehr hingehen kann, um ein Wasser oder Bier zu trinken“. Einen neuen Pächter für den „Wümmekieker“ am Sportzentrum zu finden, vielleicht mit Subvention durch die Gemeinde, das fände der Ottersberger „eine super Sache“. Auch der Zustand der Fahrrad- und Fußwege stört Sardas: „Viele sind kaputt.“ Für ein attraktives Wegenetz müsse etwas getan werden, wenn Fußgänger und Radfahrer den Ort bevölkern sollten.

Die SPD, der sich Sardas in Eigeninitiative für eine Kandidatur bei den Kommunalwahlen angeboten hat, sei seine Partei, sagt er: „Sehr sozial und freiheitlich.“ Jede Form von Ab- und Ausgrenzung lehne er ab: „Das führt nur zu Krieg.“ Der freiheitlich-demokratischen Grundordnung in ihrer Wahlheimat verdankt die Familie Sardas viel: „Hätte Deutschland uns damals nicht erlaubt zu kommen, hätten wir diese Freiheit nie erfahren.“ Das schätzt der 42-Jährige hoch: „Ottersberg war und ist gut zu mir, jetzt will ich was zurückgeben.“ Als politischer Interessensvertreter will er sich für andere einsetzen und gilt für die Wahlen zum Orts- und Gemeinderat wegen seines Bekanntheitsgrades als eine Art Geheimfavorit. „Die Tore werden am Ende gezählt“, sagt Sardas lächelnd, „aber auf jeden Fall habe ich da richtig Lust zu!“

Von Petra Holthusen

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