Ruheforst Surheide in Quelkhorn

„Es bleibt ein Ort des Lebens“

Andachtsplatz im Wald
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Trauerfeiern können im Ruheforst auf einem schlichten Andachtsplatz stattfinden.

Quelkhorn – „Das hat schon ein bisschen weh getan.“ Die hölzernen Kreuze an Privatgrundstücken, mit denen protestierende Nachbarn des künftigen Ruheforsts Surheide den Wald vor ihrer Haustür symbolisch zu Grabe tragen, haben Annekatrin Mensching beim Vorbeifahren nicht kalt gelassen. Die Biologin ist Fachreferentin für Waldbestattung bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und begleitet die Planung und Einrichtung des Waldfriedhofs in Quelkhorn. Schade findet sie, dass einige falsche Vorstellungen von dem Ruheforst kursieren. „Es bleibt ein Ort des Lebens!“, betont Mensching.

Für die Menschen in den umliegenden Wohngebieten werde es keine Einschränkungen und schon gar keine Auflagen geben, was Aktivitäten oder Lautstärke auf ihren Grundstücken betrifft. Und auch der Wald selbst „darf ganz normal weiter benutzt werden“, erklärt die Fachreferentin. Kinder dürften dort wie immer spielen, Erholungssuchende spazieren gehen, Pilze sammeln oder was auch immer. „Sie können auf den Gräbern picknicken“, so Mensching bildhaft. „Alles, worum wir bitten“, sagt sie, „ist ein würdevolles Verhalten im Umfeld von erkennbar frischen Grabstellen.“

Vor drei Wochen hatte der Rat der Gemeinde Ottersberg der Einrichtung des Ruheforsts im Privatwaldstück Surheide in Quelkhorn zugestimmt. Nicht alle Fraktionen befürworteten das Vorhaben, und auch Anwohner äußerten nochmals ihren Protest, vor allem wegen der befürchteten Verkehrsbelastung.

Der mehrheitliche Beschluss beinhaltete auch den Vertrag, mit dem der Flecken Ottersberg als kommunaler Friedhofsträger die Betriebsführung des Ruheforsts auf die im Realverband Surheide organisierten Waldeigentümer überträgt. Auch die Friedhofssatzung wurde verabschiedet. Der Realverband Surheide wiederum schließt einen Dienstleistungsvertrag mit der Landwirtschaftskammer und Kooperationspartner Ruheforst GmbH. Die Waldbesitzer, die eine insgesamt 5,6 Hektar große Fläche für 99 Jahre aus der herkömmlichen Forstwirtschaft nehmen, sind für Herstellung und Instandhaltung der Infrastruktur im Begräbniswald zuständig – für Wege, Parkflächen, Andachtsplatz und Ausschilderung. Die Landwirtschaftskammer berät die Kunden, bereitet die Beisetzungen vor und begleitet sie. Und sie übernimmt die Friedhofsverwaltung samt Führung des Sterberegisters.

Die Gemeinde Ottersberg hat mit der Verabschiedung der erforderlichen Vertragswerke und Satzungen ihren Part erledigt. Nach diesem Schritt können die Waldbesitzer mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer nun die bauordnungsrechtliche Genehmigung beim zuständigen Landkreis Verden beantragen. „Grundsätzlich ist das Vorhaben genehmigungsfähig“ – so weit hat Annekatrin Mensching, die bereits mehrere Ruheforste projektiert hat, natürlich vorgearbeitet.

Im Genehmigungsverfahren werden Details geklärt, unter anderem aus naturschutzfachlicher Sicht. Liegt die Genehmigung vor, „folgt die Einrichtung der Fläche“, erklärt Mensching. Einzelne Bäume und Totholz würden entfernt: „Dafür brauchen wir einen Winter.“ Erst danach würden die Bäume für die Ruhebiotope ausgewählt und eingemessen: „Wir werden uns Zeit nehmen, alles gut abzuarbeiten.“ Die zwölf Autostellplätze und der Andachtsplatz würden gut ausgewiesen. Mit der ersten Urnenbeisetzung im Ruheforst rechnet Mensching eher 2023 als 2022.

Etwa 400 Bäume mit bis zu zwölf ringsum angeordneten Grabstellen werden als sogenannte Ruhebiotope ausgewählt. Daraus ergeben sich rechnerisch 4800 mögliche Urnengrabstellen für die kommenden 99 Jahre. Anders als auf Flächenfriedhöfen werden die Gräber im Ruheforst während der Betriebslaufzeit nur je einmal belegt. Aufgrund ihrer Erfahrungswerte von den umliegenden Ruheforsten in Lauenbrück und Kirchlinteln rechnet Mensching mit durchschnittlich 50 Beisetzungen im Jahr.

Die zweimal im Monat geplanten öffentlichen Führungen sowie Beratungs- und Verkaufsgespräche eingerechnet, geht die Projektbetreuerin von insgesamt 200 Ruheforst-Besuchen im Jahr aus, im Schnitt also vier pro Woche, plus private Grabbesuche von Angehörigen.

Von Petra Holthusen

Kerzen werden nur beim Begräbnis entzündet – nach der Urnenbeisetzung ist der Wald einfach wieder Wald.

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