1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Verden
  4. Ottersberg

Klappbett auf dem Autodach: Start-up entwickelt innovatives Zelt

Erstellt:

Von: Petra Holthusen

Kommentare

Das Roof Space One ist marktreif
Das Roof Space One ist marktreif: Die Studenten und Start-up-Unternehmer Immanuel Schneider (l.) und Jakob Heider, beide 24 Jahre jung, gehen in die Serienfertigung ihres innovativen Autodachzelts – hier im Panorama-Modus. Zum Schlafen werden natürlich alle Planen hochgezogen. Eingeklappt passt das Hartschalen-Faltzelt samt Matratze in einen flachen Aluminumkoffer, der wie eine Dachbox auf dem Auto befestigt ist. © Holthusen

Wem klassisches Campen zu aufwendig ist oder wer beim Aufbauen eines Zelts in echte Verlegenheit gerät, für den gibt es nun eine Alternative: das Roof Space One.

Quelkhorn – In weniger als einer Minute ist das überdachte Bett auf dem Auto liegefertig ausgeklappt. „Wenn die Leute das einmal gesehen haben, wollen sie nie wieder ein normales Zelt haben.“ Davon sind Immanuel Schneider und Jakob Heider überzeugt, vor allem nach den begeisterten Reaktionen von Tausenden Besuchern auf der Regensburger Camping-Caravan-Messe. Dort haben die beiden 24-jährigen Start-up-Unternehmer ihr selbst entwickeltes Hartschalen-Faltzelt in der Aluminium-Dachbox erstmals öffentlich präsentiert. Zwei Jahre nach der ersten Idee ist das Roof Space One marktreif. Für den Start der Serienproduktion sammeln die Technologiestudenten gerade Kapital über eine Crowdfunding-Kampagne.

Dass sie Entwicklungsstätte für jungen Erfinder- und Unternehmergeist ist, sieht man der in die Jahre gekommenen Werkhalle an der Quelkhorner Landstraße 89 von außen nicht an. Hier hat sich die Roof Space GmbH von Immanuel Schneider und Jakob Heider eingemietet. Die beiden Freunde kennen sich schon ihr ganzes Leben, erzählen sie. Sie sind in Fischerhude und Ottersberg aufgewachsen, zusammen zur Waldorfschule gegangen und haben nach dem Abitur sehr ähnliche Studiengänge gewählt: Schneider studiert nachhaltige Energie- und Umwelttechnologien sowie nachhaltiges Unternehmensmanagement in der Nähe von Berlin und Heider Management and Technology an der TU München. In den beiden ziemlich studienreduzierten Coronajahren lebten die Freunde mehr oder weniger in der Werkhalle in Quelkhorn, entwickelten das Roof Space („Dachraum“) bis zur Serienreife und gehen nun mit ihrem gleichnamigen Geschäftsmodell an den Markt.

Idee für Roof Space One entsteht bei eigenen Roadtrips

Begonnen hatte alles vor zwei Jahren. „Wir sind viel zusammen gereist“, erzählt Immanuel Schneider. Nach Roadtrips mit dem Auto um die halbe Welt fanden sie es irgendwann „nervig, immer hinten im Auto zu schlafen“. An einem Bergsee in Österreich, so erinnert sich Jakob Heider, unterhielten sie sich das erste Mal über Dachzelte, sondierten den Markt und fanden heraus: „Es gab fünf, sechs Fabrikate aus China. Keines hat unseren Ansprüchen genügt.“ Das brachte die Studenten auf die Idee, die jeweiligen Vorzüge der beiden Alternativen fürs Autodach – Hartschalenzelt und Faltzelt – „zusammenzubringen und in einem neuen Zelt zu vereinen“. Schneider und Heider machten sich an die Entwicklung ihres kreativen Roof Space und fanden Möglichkeiten, einen festen zweischaligen Koffer zu bauen und trotzdem die Liegefläche des Zelts zu verdoppeln. Die flache Box auf dem Dach lässt sich mithilfe von Gasdruckfedern halbautomatisch aufklappen: „Nur so ist das Dachzelt überhaupt auf kleinen Autos nutzbar.“

Die beiden 24-Jährigen konstruierten neun Prototypen in Folge („von einer Neuerung zur nächsten“), experimentierten mit verschiedenen Scharniertechniken, Metallen, Stoffen, Matratzen und Designs. „Nummer 9 war unser Topergebnis und Nummer 10 wird jetzt mit der CNC-Fräse nach Industriestandard hergestellt“, sagt Schneider. Ihr von Grund auf neu konstruiertes Produkt „verfügt über Funktionen, die auf dem Markt sonst nirgends zu finden sind“, ergänzt Heider. Alle Werkstoffe, die von rund 40 Zulieferern aus Deutschland kämen, seien hochwertig – und „so nachhaltig wie möglich“: „Wir nutzen zum Beispiel zertifiziertes Aluminium, das mit Wasserkraft in Norwegen hergestellt wird.“

Roof Space One-Team wirbt um Crowdfunding-Unterstützer

Unterstützung erhalten die jungen Tüftler und Gründer ehrenamtlich von drei Ingenieuren aus dem Bekanntenkreis, die in der Automobil- und Flugzeugbranche tätig waren: „Frisches Denken trifft auf Erfahrung“, so Schneider. Dankbar sind die Start-up-Unternehmer auch für die Begleitung durch Timo Erdelmeier, Wirtschaftsförderer der Gemeinde Ottersberg, der mit seinem Wissen über Kredit- und Förderprogramme und bei der Mittelbeschaffung hilft.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Verden: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Apropos Starthilfe: Um das Material für die Serienproduktion zu ordern, brauchen die Jungunternehmer Kapital. Das sammeln sie aktuell auf einer Crowdfunding-Plattform. Dort nehmen sie auch Vorbestellungen gegen Vorauszahlung entgegen und geben als Anreiz erhebliche Rabatte auf das Roof Space One, das laut Heider komplett um die 3500 Euro kostet. „Wir brauchen 40 Vorbestellungen, um in die Produktion zu starten und die ersten Dachzelte im Juni ausliefern zu können“, erklärt Heider. Etwa 15 Bestellungen seien bereits eingetrudelt.

Erste unternehmerische Erfahrungen haben die beiden Freunde übrigens schon vor vier, fünf Jahren gesammelt: „2017/2018 haben wir T1-VW-Busse aus Brasilien importiert.“ In Südamerika kauften die damaligen Teenager gut erhaltene Exemplare des Kultautos auf, um sie in Deutschland mit Gewinn wieder an den Mann zu bringen. „Da haben wir erlebt, dass man auch mit unkonventionellem Handeln erfolgreich sein kann. Das hat uns Mut gemacht!“

Infos im Netz

www.roofspace.de
www.igg.me/at/roofspace

Auch interessant

Kommentare