Rektorhaus feiert 100. Geburtstag / Vor 15 Jahren die Abrissbirne verhindert

„Der Obrigkeit abgetrotzt“

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Matthias Flau, Vorsitzender des Kulturvereins im Rektorhaus (links), stößt mit teils historisch gekleideten Gästen auf den Geburtstag des Gebäudes an. Fünfter von rechts, mit Bart: Der zweite Kulturvereinsvorsitzende Friedrich Bartels. Das Ständchen zum 100. Geburtstag sang der Ottersberger Frauenchor mit seiner ehemaligen Leiterin Dorothee Knickmann-Heß.

Ottersberg - „Stellt euch vor, hier wären jetzt sechs Parkplätze, ein oder zwei Platanen und sonst nichts. Versetzt euch in die Zeit um 2000 zurück, als dieses Szenario Wirklichkeit werden sollte und jetzt – dieses Haus hier“.

Matthias Flau, Vorsitzender des Ottersberger Kulturvereins im Rektorhaus, brachte es in seiner Festansprache zum 100. Geburtstages des Rektorhauses vor zahlreichen Gästen auf den Punkt.

Entstanden sei ein kleines, aber feines Kulturforum, „das der Gemeinde gut zu Gesicht steht“. Vor 15 Jahren war der Abriss des Lehrerhauses neben der heutigen Bücherei schon vom Rat beschlossen.

Es regte sich aber Unmut in der Bevölkerung. Eine Initiative gründete sich, sechs Ratsmitglieder konnten von der Notwendigkeit des Erhalts überzeugt werden, und schließlich gaben Rat, Parteien und Verwaltung dem Druck der Öffentlichkeit nach: Das Rektorhaus wurde saniert.

„Die Initiatoren mit ihren Unterstützern haben das Haus der Obrigkeit quasi abgetrotzt. Heute ist es eine Augenweide und Treffpunkt für Gruppen vielschichtiger Art“, fasste Flau zusammen. Das markante Häuschen wirkt ein wenig zwergenhaft neben dem dominanten Schulgebäude.

Ein Rosenspalier nach

altem Vorbild gegönnt

Es wurde nach einem aufwendigen Umbau für eine öffentliche Neunutzung gestaltet. Allerdings, so erinnerte Flau, nicht überwiegend mit Mitteln aus dem Gemeindesäckel, sondern mit ehrenamtlichem Engagement. Ottersberger Privatpersonen und Firmen spendeten mehr als 20 000 Euro. Rund 20 aktive Ehrenamtliche griffen zu Werkzeugen, opferten viele Stunden Freizeit und machten aus dem sanierungsbedürftigen Haus ein Schmuckstück, das nicht mehr wegzudenken ist.

„Unser Fazit ist: Es lohnt, sich für etwas einzusetzen“, betonte der Kulturvereinsvorsitzende. Er ließ nicht unerwähnt, dass es während des Umbaus viele dienstbare Geister gab, die die Handwerker ungefragt mit Essen zur Mittagszeit und Kaffee und Kuchen am Nachmittag versorgten.

Friedrich Bartels, 2. Vorsitzender des Kulturvereins, unterhielt am Sonntag die Geburtstagsfeiergäste mit dem erweiterten Rückblick.

1788 wurde ein erstes Schulhaus mit zwei Klassenräumen auf dem Gelände des heutigen Busbahnhofs gebaut. 1882 kam ein Anbau aus massiven Steinen mit Ausrichtung nach Osten hinzu. 1914 erging die Baugenehmigung für die neue Schule und das Rektorhaus, die einstige Wohnung für den Hauptlehrer.

1915 bezog der damalige Hauptlehrer namens Bartels das Haus. Ihm folgten die Schulleiter Wrede und Scheibe. Ab 1987 war das Haus Unterkunft für Asylsuchende. Ab 1999 stand es leer und befand sich in einem desolaten Zustand, so dass die Gemeinde den Abriss beschloss, um Platz zur Erweiterung der Haupt- und Realschule zu schaffen.

Bekannte Persönlichkeiten wie der Fischerhuder Maler Christian Modersohn und der ehemalige Schulleiter Wolfgang Ramke unterstützten den Einsatz für den Erhalt.

Inzwischen, so Friedrich Bartels, sei der Kulturverein auf 81 Mitglieder angewachsen und eine Institution im Ort. Über Nutzungsgebühren zur Bereitstellung der Räume werde der Erhalt des Hauses finanziert. Hier und da seien sogar Anschaffungen getätigt worden.

„Wir haben uns zum Geburtstag des Hauses ein Rosenspalier im Jugendstil gegönnt, das nach Vorbildern von 1915 rekonstruiert wurde und nun die Fassade wieder so schmückt wie damals“, freut sich Bartels.

Der Frauenchor mit seiner früheren langjährigen Leiterin Dorothee Knickmann-Heß gestaltete musikalisch das Geburtstagsfest. Das Ottersberg-Lied und andere Gesänge wurden ausgiebig beklatscht.

kr

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