Kritiker des Ruheforsts Surheide äußern Sorgen in Einwohnerversammlung

Bestattungstourismus aus Bremen?

Einwohnerinformationsveranstaltung
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Der geplante Begräbniswald in der Quelkhorner Surheide war Thema einer gut besuchten Einwohnerinformationsveranstaltung in der Wümmesporthalle.

Ottersberg/Quelkhorn – Die erwartete hitzig-emotionale Debatte blieb aus. Sachorientiert verliefen am Dienstagabend Information und Diskussion bei der gut besuchten Einwohnerversammlung zum Thema Ruheforst Surheide, zu der die Gemeindeverwaltung in die Ottersberger Wümmesporthalle eingeladen hatte.

Zu Beginn skizzierte Annekatrin Mensching, Biologin und Fachreferentin Waldbestattung bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, nochmal das Vorhaben in Quelkhorn. Der bisherigen Planung zufolge, die der Realverband Surheide seit einigen Jahren zusammen mit der Landwirtschaftskammer vorantreibt, wollen die Waldbesitzer für den Ruheforst fünf Hektar ihrer Flächen für 99 Jahre aus der betrieblichen Forstbewirtschaftung nehmen. Üblicherweise werden pro Hektar 80 Bäume für Bestattungen ausgewählt – auf den Waldgrundstücken in der Surheide also insgesamt rund 400. Jeder dieser Bäume wäre laut Ruheforst-Konzept möglicher Mittelpunkt eines Ruhebiotops, das in kreisförmiger Anordnung Platz für jeweils zwölf Urnengrabstellen bietet. Die Asche der Verstorbenen wird in biologisch abbaubaren Gefäßen im Waldboden beigesetzt.

Auf Basis ihrer Erfahrungswerte geht Mensching von jährlich bis zu 200 Besuchsterminen in dem Ruheforst aus, einschließlich Werbeaktionen für diese alternative Form der Bestattung. Zur geplanten Zuwegung erklärte die Fachfrau: „Als Zugang zu der Anlage nutzen wir vorhandene Wege und werden keine neuen Wege schaffen.“ Für Besucher solle ein kleiner Parkplatz angelegt werden.

„Es gibt Bedarf und Anfragen nach einer alternativen Bestattungsform. Das merken wir in der Verwaltung immer wieder“, betonte Bürgermeister Tim Willy Weber, der wie die politische Mehrheit des Rates das Ruheforst-Projekt befürwortet.

Kritiker aus Teilen der Politik und der Einwohnerschaft sorgen sich jedoch um die Ruhe in dem Waldstück und formulierten in der Versammlung ihre Skepsis und Bedenken. Unter anderem befürchten sie einen „Bestattungstourismus“ aus Bremen. Der Surheide-Anwohner Peter Schröck, der kürzlich im Rathaus 217 gesammelte Unterschriften von Projektgegnern abgegeben hatte, lehnt den Ruheforst wegen des vermuteten starken An- und Abreiseverkehrs ab. Andere Redner sorgten sich um die Natur in dem Gebiet: Sie gehen davon aus, dass durch den Ruheforst Surheide viele Fremde und Schaulustige den Wald bevölkern werden.

Die endgültige Entscheidung über die Anlage eines Ruheforsts in der Surheide und alle dazugehörigen Verträge trifft der Gemeinderat in seiner Sitzung am 15. Juli. Danach würde das Genehmigungsverfahren durch den Landkreis folgen.

Inhaltlich berät am kommenden Montag der zuständige Fachausschuss des Rates die für eine Umsetzung des Begräbniswaldes zu treffenden Regelungen. Die Gemeinde müsste die Friedhofsfläche als solche widmen und würde laut Bestattungsgesetz Trägerin des Friedhofs. Die Betriebsführung jedoch würde sie per Vertrag auf den Eigentümer, den Realverband Surheide als Zusammenschluss der Waldbesitzer, übertragen. Auch wenn der Begräbniswald durch private Dritte betrieben würde, müsste für die dortigen Regelungen eine Friedhofssatzung samt Entgeltverzeichnis erlassen werden. Die Friedhofsgebühren würden Betreiber (Eigentümer) und Dienstleister (Landwirtschaftskammer) festlegen. Von den jährlichen Entgelten erhielte die Gemeinde nach Angaben der Verwaltung einen Anteil in Höhe von vier Prozent: „Anfänglich wird hier mit etwa 4700 Euro kalkuliert.“ Gleichzeitig werde davon ausgegangen, dass durch weniger Bestattungen auf den kommunalen Friedhöfen künftig Friedhofsgebühren entfallen.  woe / pee

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