Projekttage zum Schuljubiläum geben Einblick in Schule früher / Heute Festtag

Sütterlin und Gummitwist

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Maskenbau für die Theateraufführung stand im Werkraum im Mittelpunkt der Projektwoche.

Ottersberg - Um Sütterlinschrift lesen oder gar schreiben zu können, muss man heutzutage Experte sein. Wie Walter Schlöffel-Pitschke, Oberschulrektor an der Ottersberger Wümmeschule. Er lieferte zur 100-Jahr-Feier des ältesten Schulgebäudeteils am heutigen Samstag einen Beitrag zum Programmablauf in gestochen scharfem Sütterlin.

Auch in den einzelnen Klassen der Wümmeschule ging es in der vergangenen Projektwoche aus Anlass des Schuljubiläums um das Thema „Kindheit und Jugend, Schule und Alltag – Leben im Wandel der Zeit“. Unter dem Motto „Freizeit und Spiele von früher“ erarbeiteten die Schüler der 5a zum Beispiel selbstgefertigtes Spielzeug und Spiele zum Mitmachen. Um eine Ahnung davon zu bekommen, womit Oma und Opa gespielt haben, wurde das Schulmuseum bemüht. Dort fanden sich antiquierte Spielzeugschätze, von denen die heutige Jugend noch nie etwas gehört hatte und mit denen sie in vielen Fällen nichts anzufangen wusste. „Gummitwist – ich wusste gar nicht, was das ist. Aber meine Mutter kannte sich aus. Die hat mit ihren Freundinnen sowas gespielt. Wir haben es hier ausprobiert und es macht wirklich Spaß“, berichtete die 12-jährige Vanessa. Stelzen, Kreisel, Murmeln, Hinkepinke – auch diese einfachen Spiele wurden von den Kids neu entdeckt.

Auch alte Brettspiele, von einem Ottersberger Sammler im Original zur Verfügung gestellt, brachten kuriose Dinge zu Tage. Bei einem alten Zahlenspiel geht es etwa um Tugenden, die Kinder haben sollten und die benotet wurden. Neugierde wurde negativ bewertet, Ungehorsam und Widerspruch waren ganz schlechte Eigenschaften. Bescheidenheit und Fleiß, Sauberkeit und Frömmigkeit dagegen wurden gelobt.

Die 7b befasste sich mit der Herstellung von alten Schreibgeräten. Auf Holzbrettchen in der Größe von Schiefertafeln, wie sie noch bis in die frühen 60er Jahre von Schulanfängern benutzt wurden, trugen die Siebtklässler Tafelfarbe auf, weil es Schiefertafeln, wie sie damals üblich waren, heute kaum noch gibt. Auch mit Federhalter zu schreiben, stellte sich als ein richtiges Abenteuer dar, für das viele Tintenkleckse von den Fingern geschrubbt werden mussten.

Eine große Rolle in der Projektwoche spielte das 100 Jahre alte Schulgebäude, das nach und nach durch Anbauten erweitert wurde. Lehrerin und Hobbyhistorikerin Marie Renken widmete zusammen mit den Schülern Markus Bartels, Alexander Kück, Lena Kuhlmann und Miriam Rosenbrock dem Bau eine umfassende Broschüre, die mit vielen Bildern von damals und heute illustriert wurde. Die Broschüre ist während der Jubiläumsfeier heute für 2,70 Euro käuflich zu erwerben. Sie stellt eine interessante Dokumentation des Wandels dar, zeigt die baulichen Veränderungen in Wort und Bild. Entstanden ist das Werk im Rahmen einer AG „Schulgeschichte“.

Alle Objekte und Ergebnisse der Projektwoche werden heute zur Jubiläumsfeier gezeigt. Der Festakt beginnt um 11 Uhr in der Aula der Wümmeschule. Danach haben alle Interessierten bis 16 Uhr die Möglichkeit, die Schule zu besuchen und die Schülerarbeiten zu besichtigen. Die Bewirtung der Gäste übernehmen der Schulelternrat und der Schulverein „Starke Schulen“ mit Getränken, Kuchen und auch herzhaften Leckereien.

kr

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