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Prävention an der Wümmeschule Ottersberg: Auch Mitfahrer tragen Verantwortung

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Von: Lisa Duncan

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„Spinnst du, ich kann noch fahren!“ Beim Rollenspiel mit Polizistin Anika Wrede haben Jamie Henke, Sila Tutar, Alison Springer, Valencio Herter (v.l.) aus der 10c sichtlich Spaß. Die Präventionsbeauftragte der Verdener Polizei besuchte im Rahmen des „FiFaFit“-Programms die Wümmeschule Ottersberg.
„Spinnst du, ich kann noch fahren!“ Beim Rollenspiel mit Polizistin Anika Wrede haben Jamie Henke, Sila Tutar, Alison Springer, Valencio Herter (v.l.) aus der 10c sichtlich Spaß. Die Präventionsbeauftragte der Verdener Polizei besuchte im Rahmen des „FiFaFit“-Programms die Wümmeschule Ottersberg. © Duncan

Ottersberg – Die Abschlussprüfungen sind geschafft – dennoch stand für die Zehntklässler der Wümmeschule Ottersberg kurz vor ihrem Schulabschluss ein neues, wenn auch nicht gänzlich unbekanntes Thema auf dem Stundenplan: verantwortungsvolles Autofahren und der gewissenhafte Umgang mit Alkohol und/oder Drogen. Mit dem Präventionsprogramm „Fit fahren statt Fast and Furious“ (FiFaFit) waren die Polizei Verden, das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sowie die Fachstelle Sucht und Suchtprävention im Kirchenkreis Verden an der Bildungseinrichtung zu Besuch.

Statt des erhobenen Zeigefingers stünden dabei „lebensnahe Schülerthemen“ im Mittelpunkt, sagt Katharina Nikolai-Wilcke, Koordinatorin für Gesundheitsmanagement an der Ottersberger Oberschule und zufällig auch Lehrerin einer zehnten Klasse. „Die Schüler sind in dem Alter, in dem sie entscheiden, wo sie mitfahren. Einige sind schon 18 und fahren selber oder sie sind mit Gleichaltrigen im Auto unterwegs“, schildert Nikolai-Wilcke. Gleichzeitig sei es eine Lebensphase, in der viele ihre Grenzen austesten würden: Der Geschwindigkeitsrausch beim Autofahren spiele hier ebenso eine Rolle wie Alkohol und andere Suchtmittel.

Auf verschiedenen Ebenen klären die Kooperationspartner von Polizei, DRK und Suchtberatung zu möglichen Folgen des übermäßigen Konsums in Verbindung mit der Teilnahme am Straßenverkehr auf. Die Schüler besuchten nacheinander drei Stationen à 90 Minuten.

„Erste Hilfe ist leicht“ lautete die Überschrift beim DRK. „Es geht darum, wie man Hilfe leisten kann, aber auch um rechtliche Fragen. Es gibt ja auch eine Verpflichtung, zu helfen“, betont Nikolai-Wilcke. Die DRK-Ausbildungsbeauftragte Carola Asendorf fragt die Zehntklässler, was alles in den Erste-Hilfe-Kasten im Auto hineingehört. Seit 2020 sind es laut Asendorf nicht nur die klassischen Utensilien wie Dreieckstuch, Schere und Wundschnellverband, sondern auch ein medizinischer Mundschutz.

„Ist jemand schon bei einem Unfall dabei gewesen?“, fragt Anika Wrede, Präventionsbeauftragte der Polizei Verden, die Schüler eingangs gezielt nach ihren Erfahrungen. Anhand von Rollenspielen und Filmen sowie Bildern von Unfallschwerpunkten aus der Region vertieft sie das Thema mit den Jugendlichen. Starken Tobak präsentierte die Polizei in einem Aufklärungsfilm: Er schildert anhand nachgedrehter Szenen die albtraumhafte Rückfahrt eines Paares von einem Abschlussball. Dabei war zu viel Alkohol geflossen, es kommt zum Unfall. Die Freundin wacht im Krankenhaus auf und muss feststellen, dass ihr Freund hirntot ist.

Seit 2016 ist die Polizei Verden mit dem „FiFaFit“-Programm landkreisweit an weiterführenden Schulen unterwegs – sofern Interesse besteht und sich diese gezielt anmelden, so Wrede. Der Aufklärungsgedanke hat einen ernsten Hintergrund: „In der Altersklasse von 18 bis 24 besteht laut Polizeistatistik das höchste Risiko, an einem schweren Verkehrsunfall zu sterben“, erklärt Wrede. Neben überhöhter Geschwindigkeit und Rauschmitteln zähle auch Ablenkung zu den häufigsten Ursachen.

Imponieren, angeben, cool sein – diese unter Jugendlichen verbreiteten Verhaltensmuster seien nicht immer leicht zu durchbrechen. „Da können aber auch Beifahrer viel Einfluss nehmen“, betont die Präventionsbeauftragte. „Wenn der Hinweis, es ruhiger angehen zu lassen, von Gleichaltrigen kommt, ist das viel wirksamer, als wenn die Polizei ihnen das erzählt.“ Der Erfolg von Präventionsprojekten sei grundsätzlich nicht messbar, aber „man merkt an den Reaktionen der Schüler, dass etwas bei ihnen ankommt“, so Wrede. „Man erreicht nicht alle“, fügt Nikolai-Wilcke hinzu. „Aber wenn es nur ein bis zwei Leute aus einer Klasse sind, hilft das schon viel.“

Während die 10c mit Wrede die Folgen von Verkehrsunfällen im Gespräch aufarbeitet, lenkt die Fachstelle Sucht und Suchtprävention den Fokus darauf, welchen Einfluss der Konsum verschiedener Suchtmittel auf die Fahrtüchtigkeit haben kann. „Wie kann ich alternativ nach Hause kommen, wenn mein Fahrer zu viel getrunken hat? Vielleicht können die Eltern zum Abholen kommen?“, erläutert Karin Dittmers, die bei der Fachstelle unter anderem für die Prävention an Schulen zuständig ist. Es sei wichtig, dem Bauchgefühl zu vertrauen und sich vorher genau zu überlegen, wo man mitfährt. Ein weiterer Aspekt sei es, den Schülern das Suchthilfe-System zu vermitteln, damit sie wissen, an wen sie sich wenden können, sofern sie in ihrem Bekanntenkreis einen problematischen Umgang mit Alkohol und Co. feststellen sollten.

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