25 Jahre Theater auf dem Flett 

Plattdeutsch mal gar nicht zum Schenkelklopfen

In historischen Kostümen aus der Zeit des vor 400 Jahren gestorbenen William Shakespeare präsentierten Schauspieler des Theater auf dem Flett einige seiner 154 Sonette auf plattdeutsch und verbunden mit einer dramatischen Handlung. - Fotos: Keppler

Fischerhude - 25 Jahre gibt es das plattdeutsche Theater auf dem Flett. Genauso lange gastiert das Ensemble des Stader Landschaftsverbandes mit seinen Aufführungen regelmäßig im Fischerhuder Heimathaus Irmintraut.

Am Wochenende waren es zur Feier des Jubiläums gleich zwei Auftritte, mit denen das Publikum erfreut und gleichzeitig der 400. Todestag William Shakespeares gewürdigt wurde. In historischen Kostümen boten die Schauspieler, die aus verschiedenen Ortschaften im Weser-Ems-Gebiet stammen, die dramatisierte Fassung lyrischer Texte dar und entwarfen dabei Sprachbilder voller Romantik.

Plattdeutsches Theater zeigte sich dem begeisterten Publikum in dieser Aufführung von einer ganz anderen Seite als in den gewohnten Stücken, die meistens von Humor geprägt sind. „Shakespeare un de Leevde“ entpuppte sich als Verdichtung von Sprache und Musik, als vertonte Schwärmerei bis hin zur übergeschlechtlichen Leidenschaft im fortgeschrittenen Alter.

In plattdeutscher Sprache war dies eine Uraufführung unter der Regie von Thomas Willberger, der damit dem Zeitalter der Renaissance huldigt und die Schauspieler zur Hochform auflaufen ließ. Weniger romantisch ging es im zweiten Teil des Abends zu. Auch das Schauspiel „Dat Versehen – Le Malentendu“ aus der Feder von Albert Camus wurde zum ersten Mal in plattdeutscher Sprache gegeben.

Allerdings geht es hier nicht um Liebe und Glück, sondern um Tod und Verderben. Jan (Andreas Lamp) kehrt nach vielen Jahren als reicher Mann zu seiner Familie zurück. Seine Mutter (Kirsten Papenhausen) und seine Schwester (Isa Steffen), die ein Gasthaus führen, erkennen ihn nicht, und er klärt sie nicht auf.

Seit vielen Jahren beseitigen beide alleinstehende, reiche Gäste indem sie ihnen Schlafmittel in den Tee mischen und die Wehrlosen dann mit Hilfe des Knechtes (Dirk Röver) in die Oste werfen. Niemand kommt ihnen auf die Schliche. Martha träumt von einem besseren Leben in einem anderen Land, und dafür braucht sie Geld. Jan kommt ihnen gerade recht. Er sucht den Zugang zu seiner Mutter, will von ihr erkannt werden – und tatsächlich: Sie scheint etwas zu ahnen. Ihr kommen Skrupel, sie fühlt sich für ein neues Leben ohnehin zu alt und zu ausgebrannt. Aber zu spät.

Ein altes Wirtshaus war Schauplatz einer Mordserie, die sich der französische Autor und Existenzphilosoph Albert Camus erdacht hat. - Fotos: Keppler

Martha verabreicht ihrem unerkannten Bruder den kontaminierten Tee, und den Rest erledigt der alte Knecht. Als Jans Frau in das Gasthaus kommt und ihn sucht, stößt sie auf Martha, die nach einigem Zögern gesteht. Gezeichnet vom Leben und voller Hass auf ihren Bruder, der als Kind von seiner Mutter mehr geliebt wurde als sie und den sie für ihr verpfuschtes Leben verantwortlich macht, sagt sie ihrer Schwägerin die Wahrheit. Mehr noch, sie gibt zu, dass sie es auch getan hätte, wenn sie gewusst hätte, wer er ist. Vielleicht war es ein Mord aus Versehen, vielleicht aber auch nicht. Die Düsternis und die menschlichen Abgründe, die dieses Stück widerspiegelte, ließ dem Publikum das Blut in den Adern gefrieren. Tief betroffen klatschten die Zuschauer zögerlich – nicht weil es ihnen nicht gefallen hätte, sondern weil das Stück so unheimlich war.

Sechs weitere Spielorte zwischen Elbe und Weser stehen noch auf dem Spielplan des Theaters auf dem Flett. 

kr

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