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Plan B läuft – Teilhaber gesucht

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Dicht vor der eigenen Haustür einkaufen zu können – das schätzen die Otterstedter in Zeiten von Corona ganz besonders. Und ein nettes Gespräch mit Monika Bergstedt gibt's wie immer gratis dazu. Die Dorfladen-Initiative hat für den Infektionsschutz in Form einer Glasscheibe gesorgt. Foto: Plath
Dicht vor der eigenen Haustür einkaufen zu können – das schätzen die Otterstedter in Zeiten von Corona ganz besonders. Und ein nettes Gespräch mit Monika Bergstedt gibt's wie immer gratis dazu. Die Dorfladen-Initiative hat für den Infektionsschutz in Form einer Glasscheibe gesorgt. Foto: Plath

Otterstedt - Von Petra Holthusen. 270 Teilhaber haben Anteile für knapp unter 100 000 Euro gezeichnet und das Land Niedersachsen steuert aus dem Topf für ländliche Entwicklungsförderung 200 000 Euro bei – der finanzielle Grundstein für den Dorfladen Otterstedt ist zementiert, und die Initiatoren haben den 1. Dezember als Eröffnungstermin fest im Visier. Trotz vieler Gesellschafter, breiter Unterstützung, hohem persönlichen Einsatz und guter Wirtschaftlichkeitsprognose ist und bleibt das Vorhaben jedoch ambitioniert: „Die Kalkulation ist am Anschlag“, sagt Dietmar Plath, der für das Dorfladen-Projekt die Öffentlichkeitsarbeit macht. „Um eine bestmögliche wirtschaftliche Basis hinzukriegen“, wurde als Alternative zum benötigten Darlehen jetzt ein Plan B entworfen: die Gründung einer zusätzlichen Immobiliengesellschaft – weitere Teilhaber willkommen.

Rückblende: Um das alteingesessene Kaufhaus der Familie Bergstedt als fußläufige Einkaufsmöglichkeit für die Grundversorgung der Menschen im Dorf zu erhalten, wollen es Einwohner in genossenschaftlicher Form und Eigenregie weiterbetreiben, wenn Heino Bergstedt (85) und seine Frau Monika sich zur Ruhe setzen. Dafür haben die Otterstedter vor einem Jahr eine Unternehmergemeinschaft gegründet. Der harte Kern dieser Bürgergesellschaft steckte seitdem immens viel Arbeit in das Projekt Dorfladen – akquirierte Teilhaber und damit Eigenkapital, beantragte erfolgreich Zuschüsse, plante Umbau und Modernisierung der Verkaufsräume samt Erneuerung von Kühl- und Kassensystemen, machte sich Gedanken über das Sortiment und integrierte Angebote, die den sozialen Aspekt des Treffpunkts Dorfladen betonen.

Viele Hürden haben die Initiatoren schon gemeistert; im nächsten Schritt gehen Plath zufolge der Bauantrag und die Ausschreibung der Umbauarbeiten auf den Weg. Und die Optimierung der Finanzierung: Auf rund 500 000 Euro beläuft sich die Kostenkalkulation für Umbau und Einrichtung des neuen Dorfladens Bergstedt – ohne Kauf der Immobilie. Neben den knapp 300 000 Euro Eigenkapital und Fördergeld sollten bislang 180 000 Euro über Kredite finanziert werden. Aber weil der Dorfladen für Banken „keine Sicherheit darstellt“, so Plath, sei eine öffentliche Bürgschaft erforderlich, die den Zinssatz für Darlehen auf vier bis fünf Prozent hochtreibe. Der Kapitaldienst würde teurer als geplant für die Unternehmergemeinschaft der Bürger, und „deshalb haben wir nach anderen Wegen gesucht“.

Den Plan B für den Dorfladen haben Otterstedts Ortsbürgermeister Rainer Hinrichs, einer der Geschäftsführer der Unternehmergemeinschaft (UG), und Gemeindebürgermeister Horst Hofmann, einer der Hauptinitiatoren des Dorfladens, entworfen. Ziel: „Es findet sich jetzt eine Gruppe, die mindestens 275 000 Euro aufbringt.“ 175 000 Euro davon sollen als weitere Anteile in die Dorfladen-UG eingebracht werden. Mit 100 000 Euro Stammkapital soll eine Immobilien-GbR gegründet werden, die das Geschäftshaus kauft und unterhält. Bergstedts sollen lebenslanges Wohnrecht im Obergeschoss erhalten und die Dorfladen-UG ein langfristiges Nutzungsrecht gegen Mietzahlung in Höhe von zwei Prozent des Umsatzes, aber mindestens 700 Euro im Monat. Eine Kreditfinanzierung könne so für die UG entfallen, und damit sei die Erwirtschaftung positiver Ergebnisse im Dorfladen zu erwarten, schildern Hinrichs und Hofmann ihren Ansatz.

Die beiden Initiatoren von Plan B suchen jetzt Mitstreiter: „Wir denken dabei an eine fünfstellige Summe pro Gesellschafter, und es wäre gut, wenn die Anzahl der Gründer unter 20 Personen bleibt.“ Ansprechpartner ist Ortsbürgermeister Hinrichs. Als er und Hofmann vor zehn Tagen ihren Aufruf für die sogenannte Plan-B-Gruppe formulierten, hatten sie nach eigenen Angaben bereits mündliche Zusagen potenzieller GbR-Mitbegründer für die ersten 80 000 Euro.

Die nächste Herausforderung für die Dorfladen-UG ist laut Plath, die Handwerker zu den kalkulierten Preisen zu finden. „Die Corona-Krise macht das jetzt natürlich nicht leichter“, schwant Plath. Andererseits zeige die Krise mit den ganzen Bewegungseinschränkungen in diesen Tagen, was den Otterstedtern ihr Laden bedeute: „Gerade in solch schwierigen Zeiten schätzen es die Menschen, dicht vor der eigenen Haustür einzukaufen.“ Im Kaufhaus Bergstedt herrscht also reger Betrieb, und für den Infektionsschutz trugen bereits die Dorfladen-Akteure Sorge: Sie installierten eine Glaswand auf dem Tresen.

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