SoVD erhebt Widerspruch gegen Landkreis-Bescheid

Pflege-Mutter steht im Regen

Ottersberg - Waltraud Thomas hat ihr Leben lang Kinder gehabt, geliebt und betreut. Sechs eigene hielten die heute fast 72-jährige, ehemalige Krankenschwester nicht davon ab, ihren Job an den Nagel zu hängen und später Kinder in Pflege zu nehmen.

„Bis zu 35 habe ich gehabt, habe sie betreut und wieder in das Leben zurückgeschickt,“ sagt die immer noch rüstige Seniorin, die aber Angst um ihre Zukunft bekommen hat.

Finanzielle Schwierigkeiten, weil Betreuung nicht „verrentet“ wird

Denn: Sie erhält nur eine Minirente – die Betreuung der Pflegekinder wird eben nicht „verrentet“ und muss hoffen, dass sie nicht auch einmal „zum Amt“ muss, weil es finanziell hinten und vorn nicht mehr passt.

Klaus Müller, Pressesprecher des Sozialverbands (SoVD) Heidekreis und auch freier Journalist, zeichnet jetzt diese Geschichte der Frau genauer nach, die sich ehrenamtlich für andere fast aufreibe, viele vom Landkreis Verden zugewiesene Pflegekinder über Jahre intensiv betreute und noch heute für eine schwerstkranke junge Frau da sei, die sie seit 33 Jahren in ihrer Obhut habe. Irgendwann sei diese fallengelassen worden von der übrigen Familie und bei Frau Thomas bestens aufgehoben.

Weiter erläutert Müller:

„Nun sind die Pflegesätze am 1. Januar dieses Jahres geändert worden. Damit stiegen sie für viele an, aber die zusätzlichen Leistungen, die Frau Thomas für die Betreuung der Schwerstbehinderten bekommen hat, werden ihr vom Landkreis wieder abgezogen.

,Ich erhalte weniger als vorher. Darum habe ich den Antrag gestellt, dass ich nach alten Richtlinien behandelt werde.' Gemeinsam mit dem Sozialverband (SoVD) Verden, mit der Rechtsberaterin Tina Borrmann, legte sie einen Widerspruch ein, der noch nicht beschieden wurde, aber wohl keine Aussicht auf Erfolg hat. Der Landkreis beruft sich auf geltendes Recht, das für alle gilt.

,Natürlich hat der Kreis Recht, aber könnte man in diesem Einzelfall nicht anders reagieren?' fragt Tina Borrmann, die die Ottersbergerin sehr schätzt. ,Was Frau Thomas geleistet hat, ist einfach unglaublich. Und nun sollte die Gesellschaft sie nicht im Regen stehen lassen'“.

Der Landkreis reagierte laut Müller auf eine Anfrage der SoVD-Pressestelle, dass sich die Leistungen der Pflegeversicherung für die schwerstbehinderte Frau ab 1. Januar dieses Jahres erhöht haben. Bernd Dannheisig, Leiter des Fachdienstes Soziales beim Landkreis, führt aus:

,,Die Leistungen der Pflegeversicherung sind auf die ergänzenden Leistungen der Hilfe zur Pflege nach dem SGB XII anzurechnen. Dies ist erfolgt. Im Ergebnis erhält die Frau ab 1. Januar 2017 den gleichen Gesamtbetrag (Pflegeversicherung + Sozialhilfe), wie bis zum 31. Dezember 2016'“.

Mit diesem Ergebnis sei sie, vertreten durch den Sozialverband Deutschland – Beratungszentrum Verden – nicht einverstanden gewesen und habe gegen den Neuberechnungsbescheid Widerspruch erhoben, teilt Klaus Müller mit.

Im Widerspruchsverfahren werde nun geprüft, ob der Erstbescheid an die Ottersbergerin rechtmäßig oder eine Änderung notwendig sei. Das Ergebnis bleibe abzuwarten.

Rubriklistenbild: © dpa

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