Peijun Xu und Paul Rivinius bescheren Publikum hochkarätigen Kammermusikabend

Bratsche singt wie menschliche Stimme

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Peijun Xu und Paul Rivinius spielten in Buthmanns Hof.

Fischerhude - Von Ilse Walther. Zu einem besonderen Kammermusikabend hatten die Freunde der Kammermusik Fischerhude-Quelkhorn eingeladen. Die in Shanghai geborene Bratschistin Peijun Xu, mehrfache Preisträgerin renommierter Wettbewerbe, und der namhafte Pianist Paul Rivinius waren zu Gast in Buthmannshof. Die zahlreichen Zuhörer erlebten ein Konzert von außerordentlicher Güte und künstlerischer Aussagekraft.

Die schlanke Bratschistin war schon eine Augenweide. Auf ihrer wunderbar klingenden Bratsche wusste sie von Beginn an ihr Publikum zu verzaubern. Ihre ausgereifte Tongestaltung mit den unterschiedlichsten Klangfarben von satt, düster, lieblich und kantabel bis hin zu absolut fahlen Klängen bewegt zutiefst und lässt die Musik sich besonders entfalten.

Paul Rivinius ist ihr dabei der kongeniale Partner am Flügel, sie musizieren auf gleichem Atem, auf gleicher Wellenlänge und halten oft sehr intime musikalische Dialoge. Rivinius musiziert mit überaus farbigem Anschlag und kann erzählen, unterstützen und gestaltet solistische Partien ausgereift und klangschön.

Sie begannen mit der Klarinettensonate Es-Dur op. 120, Nr. 2 von Johannes Brahms, hier für Viola und Klavier umgeschrieben. Ist man sonst den warmen und fülligen Klang der Klarinette in diesem Werk gewohnt, so entdeckte man in dieser Fassung viele Parallelen in den beiden Instrumenten, denn Peijun Xu ließ ihre Bratsche singen wie eine Klarinette oder die menschliche Stimme. Die vielen Dialoge hielt sie abwechslungsreich mit Rivinius, der seinen Part ebenso farbig und intensiv bot, ein bewegendes Miteinander schon im ersten Satz.

Die Violasonate op. 147 von Dmitri Schostakowitsch ist sein letztes Werk, eine Woche nach Vollendung starb der Komponist. Und sie war wie eine Vorahnung des Endes, denn sie ist eine große Klage von unvorstellbarer Intensität. Man merkte es an der hohen Konzentration sowohl bei den Künstlern wie auch dem in absoluter Stille folgenden Publikum. Die Spannung war fast greifbar. Und dieses Werk wurde zum bewegenden Höhepunkt des hochkarätigen Duoabends, geboten von den begnadeten Künstlern, die in ebensolcher Konzentration musizierten. Wie eine Uhr tickte zu Beginn des ersten Satzes das Pizzicato in der Bratsche, in das sich das Klavier ruhig und gläsern einfügte, in beiden Stimmen voller Wehmut. Welch eine Klangfärbung hier in der Viola zu hören war, war unbeschreiblich. Diese Trauer, dieses Fahle, dieses „Nie mehr“, es bewegte zutiefst.

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