Paula Bischoff (28) arbeitet in ihrem Traumberuf Pferdeosteopathin

Heilende Hände für Pferde

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Als Sechsjährige begann sie zu reiten, mit zehn bekam sie Pony „Ronn“ (links) – und als 28-Jährige arbeitet Paula Bischoff jetzt in ihrem Traumberuf: Pferdeosteopathin. Lipizzaner-Jährling „Fino“ holte Paula Bischoff dieses Jahr aus Südfrankreich, um ihn selbst auszubilden.

Fischerhude - Von Petra Holthusen. Pferdebesitzer, die den XXL-Ostfriesen und „Knochenbrecher“ Tamme Hanken im Fernsehen mit Pferden hantieren sehen, wundern sich manchmal, wenn Paula Bischoff bei ihnen auf dem Hof in Aktion tritt: „Ach, ziehen Sie das Hinterbein gar nicht so raus wie der Herr Hanken?“ Nein, tut sie nicht. Einrenken gehört nicht zu den Methoden der Pferdeosteopathin, die mit ihren feinfühligen Händen auf Gelenke und Muskeln des Tiers einwirkt, dessen Bewegungsapparat aus dem Gleichgewicht geraten ist und das seine Beschwerden durch Lahmen, Widerspenstigkeit, Schiefhaltungen oder andere Funktionsstörungen zeigt. Dieses Jahr hat sich Paula Bischoff als Pferdeosteopathin selbstständig gemacht – es ist ihr Traumberuf, seit sie 15 war.

Damals hatte die heute 28-jährige Fischerhuderin „ein faszinierendes Erlebnis“: Ihr Pony „Ronn“, inzwischen seit 18 Jahren ihr treuer Begleiter, lahmte, und „mehrere Tierärzte hatten sich ohne Erfolg daran versucht. Bis jemand sagte: Lass doch mal eine Pferdeosteopathin ran...“ Die ertastete und löste eine Blockade in „Ronns“ Lendenwirbelbereich; das Pony war geheilt und Paula Bischoffs Berufswunsch geboren.

Nach dem Abitur machte sie zuerst eine Ausbildung zur Physiotherapeutin, studierte dann Physiotherapie mit Bachelor-Abschluss und erwarb im Anschluss den Master of Arts in Sportwissenschaften. Seitdem arbeitet sie halbtags als Physiotherapeutin in einer Wilstedter Praxis. Und hat Gefallen gefunden an der Arbeit mit Menschen – obwohl ihre umfangreiche Ausbildung eigentlich als „Sprungbrett zur Pferdeosteopathie“ gedacht war, wie sie erzählt. Ihr ursprünglicher Berufswunsch ließ sie auch nicht los, bis ihre Mutter sagte: „Nun mach es doch endlich!“. Also ging Paula Bischoff wieder zur Schule – zur Fachschule für Osteopathische Pferdetherapie nach Welter-Böller in Schneverdingen; eine von vier Fachschulen, deren Abschlüsse von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung anerkannt werden.

Seitdem widmet sie die zweite Hälfte ihrer physiotherapeutischen Arbeitswoche als freiberufliche Osteopathin den Vierbeinern. „Der ist so steif, der bewegt sich nicht mehr so locker“ – so beginnen die meisten Anrufe von Pferdebesitzern, die Paula Bischoff zu Hilfe rufen, weil ihre Tiere Störungen im Bewegungsablauf und Leistungsabfall zeigen. „Die Pferde beobachten – und ganz viel fühlen“ ist Job der Osteopathin zu Beginn ihrer manuellen ganzheitlichen Behandlungsform. Meistens sind Blockaden in Rücken oder Becken die Ursache von Einschränkungen und Schmerzen, deren Symptome sich oft an ganz anderer Stelle im Bewegungsapparat zeigen. Und „oft entstehen die Probleme beim Pferd durch den Reiter“, sagt Paula Bischoff, „deshalb muss man meistens beide angucken.“

Ob der Reiter die eigene schiefe Haltung aufs Pferd überträgt, die Zügel zu straff zieht oder das Tier anderweitig falsch belastet – auf jeden Fall gibt die Osteopathin auch immer Trainingsempfehlungen mit, um den Therapieerfolg zu stabilisieren und die Situation für das Pferd dauerhaft zu verbessern.

Paula Bischoff fährt zu den Pferden in deren vertraute Umgebung und lässt sich von den Besitzern erstmal ausführlich Vorgeschichte, Charakter und Gewohnheiten des Tiers schildern. Dann guckt sie das Pferd an, „so wie es mir hingestellt wird“, registriert Haltung und Reaktionen, bevor sie es vom Schritt bis zum Galopp in Bewegung beobachtet. Danach tastet sie Knochen, Muskeln, Sehnen, Bänder ab – von Kiefer und Gebiss bis zu Becken und Hinterbeinen. Sie fühlt Muskelspannungen, vergleicht Gelenke, betastet jeden einzelnen Wirbel. „Ja, und dann... sind anderthalb Stunden rum“, lächelt sie.

Nach Besprechung der Diagnose mit dem Besitzer geht’s an die Behandlung: Mit speziellen manuellen Techniken lockert oder aktiviert die Pferdeosteopathin Muskeln, löst verklebte Faszien und mobilisiert Gelenke. Dabei kommt auch bei den Vier- das bei Zweibeinern so beliebte Kinesiotape zum Einsatz. Und dann gibt’s für die Pferde einen gelben Schein: „Ich verordne zwei Tage Urlaub, weil die Tiere Muskelkater haben von der Behandlung.“

Nicht immer lassen die Pferde alles vertrauensvoll mit sich machen: „Ich kann ihnen ja nicht sagen, dass es gleich besser wird.“ Weil sich Paula Bischoff „schon als Kind viel mit der Körpersprache des Pferdes beschäftigt hat, um Signale wahrzunehmen und so mit dem Pferd zu kommunizieren“, kann sie zuckenden Beinen meist vorausahnend ausweichen. Aber nicht immer, wie aktuell ihr blaues Schienenbein beweist. Pferdeosteopathen werden nach Erfahrung von Paula Bischoff immer öfter in Anspruch genommen: „Es spricht sich einfach unter den Reitern rum, dass das den Pferden hilft und ihnen gut tut.“

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