Woanders was bewegen

Pastorin Constanze Ulbrich wechselt von Posthausen nach Sottrum

Die Zukunft im Blick: Pastorin Constanze Ulbrich verabschiedet sich nach fast 20 Jahren von der Lukaskirche in Posthausen und geht an die Sottrumer St.-Georgs-Kirchengemeinde.
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Die Zukunft im Blick: Pastorin Constanze Ulbrich verabschiedet sich nach fast 20 Jahren von der Lukaskirche in Posthausen und geht an die Sottrumer St.-Georgs-Kirchengemeinde.

Posthausen – Als die 30-jährige Constanze Ulbrich vor fast 20 Jahren ihre Pfarrstelle in Posthausen antrat, trat sie in große Fußstapfen. Ihr Amtsvorgänger Pastor i.R. Peter Voigt hatte die Gemeinde über Jahrzehnte geprägt. Zwei Jahre später heirateten die beiden. Ihr erstes Zusammentreffen bei der 150-Jahr-Feier Posthausens 2002 habe aber noch nichts dergleichen vermuten lassen, sagt Ulbrich. Am Samstag, 11. September, um 17 Uhr ist in und an der Lukaskirche Abschiedsgottesdienst für Constanze Ulbrich, die zum 1. Oktober eine Pfarrstelle in Sottrum antritt.

Die Entscheidung damals, den alten Hasen durch eine Novizin zu ersetzen, sei vonseiten des Kirchenvorstands auch „ein herbeigesehnter Bruch“ gewesen, sagt die Pastorin. Für Constanze Ulbrich, die gerade ihr Vikariat in Hildesheim beendet hatte, war es die erste Pfarrstelle. Als Anfängerin sei ihr die Spannung, die dies mit sich bringt, nicht verborgen geblieben und ihr sei klar gewesen, dass sie Klinken putzen muss. „Schließlich muss die Gemeinde mit der Entscheidung des Kirchenvorstands rocken – oder eben nicht.“

Die junge Frau besann sich auf die Grundpfeiler der Gemeindearbeit: Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen und natürlich seelsorgerische Aufgaben. Sie machte sich mit Ortsratsmitgliedern und Vereinsvorsitzenden bekannt, ließ sich, so oft es ging, auf Festen blicken. Auch Veranstaltungen wie das Volksradfahren des TSV Ottersberg gehörten dazu. „Relativ bald bekam ich das Feedback von den Dorfbewohnern: Wir können uns das mit dir vorstellen.“

Schnell lernte die Pastorin der Lukaskirche die beiden Seiten von Posthausen kennen, das nicht nur ein Ottersberger Ortsteil, sondern ein eigenständiges Dorf ist: „Einerseits setzt es sich zusammen aus zwölf Findorff’schen Dörfern, andererseits ist es geprägt vom Kaufhaus Dodenhof. Dadurch ist der Ort in der Region bekannt, für das Dorfleben spielt es aber nicht so eine Rolle, höchstens als Arbeitgeber.“

Den Berufswunsch Pastorin entwickelte Constanze Ulbrich unter anderem, weil es „kaum einen Beruf gibt, der so ein breites Portfolio bietet“. Sie empfinde es als großes Geschenk, sich mit Menschen jeglichen Alters, von den ganz Kleinen bis zu den Alten, auseinandersetzen zu dürfen. Dabei habe sie immer gehofft, zu vermitteln, dass „Menschen die Kirche als nahbar erleben und dass sie eine Botschaft zu bieten hat“.

In Zeiten der Digitalisierung sei die Kommunikation auf die Kurznachricht beschränkt und dem könne Kirche mit offenen, ausführlichen Gesprächen in der Regel etwas entgegensetzen. Auf eine harte Probe gestellt wurde diese Fähigkeit durch die Corona-Pandemie: „Von da an konnten wir nicht mehr ins Analoge fliehen“, so Ulbrichs Worte. So öffnete sich auch die Lukaskirche Posthausen für digitale Kommunikationswege, etwa durch Zoom-Konferenzen und Gottesdienste zum Streamen. Constanze Ulbrich besann sich aber noch auf ein weiteres Angebot, das sie bereits jahrzehntelang in Posthausen praktiziert: Sich draußen mit den Gemeindegliedern zu treffen. Aktuell bietet sie Gespräche auf den Friedhöfen in Posthausen, Grasdorf und Steinberg an, die zur Lukas-Kirchengemeinde gehören.

Mit Ortsteilgottesdiensten begonnen hatte Ulbrich 2003/2004 – und lud etwa zu Andachten bei der Tischlerei Böschen, auf dem Angelhof Wrede, Stegmanns Hof in Allerdorf und der Gärtnerei Delorme ein. „Und wir haben Tauffeste draußen veranstaltet.“ Ulbrich leistete dafür die Überzeugungsarbeit im Kirchenvorstand. Im zweiten Schritt war und ist sie auf die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter angewiesen, die mit ihrem Einsatz den reibungslosen Ablauf gewährleisten. Dazu kamen Weihnachtsgottesdienste in Friedhofskapellen. Natürlich sei es in der Kirche schöner. Aber die Gottesdienste aus dem ehrwürdigen Gebäude auszulagern, habe auch aktivierend gewirkt. Weil sich die Leute vor Ort wertgeschätzt fühlten, kamen sie etwa, um die Kapelle zu schmücken. Und für die 80- bis 90-Jährigen sei es leichter gewesen, über die Straße zu gehen als nach Posthausen in die Kirche zu fahren. „Man kann nicht warten, bis die Leute in die Kirche kommen, man muss sie selbst aufsuchen. Kirche muss sich bewegen – nicht nur im Kopf.“ So hat Ulbrich „aufsuchende Gemeindearbeit“ im Wortsinn betrieben. Mit Erfolg: Das Ergebnis habe sie an den Gottesdienstbesuchen messen können.

Neben einer gerahmten Aufnahme von der Kirche und vom Pfarrgarten nimmt Constanze Ulbrich zum Schluss ihrer Amtszeit in Posthausen vor allem schöne Erinnerungen mit. Die Familienfreizeiten auf Langeoog oder die Konfirmandenfreizeiten mit anderen Kirchengemeinden und rund 120 bis 130 Teilnehmern, habe sie stets als bereichernd empfunden. Darüber hinaus gewinne die Kirche aus solchen Aktionen Jugendmitarbeiter. „Umso dramatischer, dass es 2020 wegen der Pandemie ausfallen musste.“ Mit der 3G-Regel sei nun endlich eine Planbarkeit da.

Die Pfarrstelle in Posthausen wird nach Ulbrichs Weggang eine Weile vakant bleiben. Das Amt neu zu besetzen, brauche Zeit und biete der Gemeinde die Chance, sich auch ohne Pastorin oder Pastor auf ihre Stärken zu besinnen. Ihrer Nachfolgerin oder ihrem Nachfolger wünscht Ulbrich: „Mut, Freude und Offenheit für die Gemeinde. Wer sich darauf einlassen kann, wird sicher mit offenen Armen empfangen.“

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