Otterstedter Theatergruppe brilliert mit „Mien Mann de fohrt to See“

„De ol’n Stücke sind jümmers noch de Besten“

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Kuddel Brammer muss von jetzt auf gleich in den Knast, und seine Frau Mary will das geheim halten.

Otterstedt - Von Elke Keppler. „De ol’n Stücke sind jümmers noch de Besten“, resümierte ein begeisterter Zuschauer in der großen Pause der Premiere von „Mien Mann de fohrt to See“. Wie alljährlich war der Otterstedter Gemeindesaal bis auf den letzten Platz besetzt.

Umsichtige Zuschauer hatten Karten vorbestellt und siehe da, die Otterstedter Theatergruppe landete mit dem Schwank in drei Akten aus der Feder von Wilfried Wroost einen komödiantischen Volltreffer.

Eigentlich soll es im „Blauen Peter“ der Gaststätte von Kuddel Brammer (Frank Hinrichs) und seiner Frau Mary (Heike Heitmann) auf dem Hamburger Kiez ein ruhiger Tag werden. Frau Mary hat Geburtstag, was ihrem unaufmerksam gewordenen Gatten leider entgangen war. Nicht aber den männlichen Gästen der Kneipe. Die scharwenzeln um die attraktive Gastwirtin herum und überbieten sich in ihren Avancen. Schuldbewusst bereitet Kuddel, Koch von Beruf, ein festliches Mittagessen vor, denn die unliebsame Verwandtschaft hat sich angesagt, als die Idylle einen mächtigen Riss bekommt.

Kuddel kriegt Post von der Staatsanwaltschaft. Er wird zum sofortigen Strafantritt nach Fuhlsbüttel geladen, denn er ist wegen Zigarettenschmuggel zu drei Monaten Knast verknackt worden. „Mok dat man forns, rinn müsst du op jeden Fall“, meint die praktisch veranlagte Mary plietsch, nachdem sie sich von dem Schock erholt hat. Um den schönen Schein zu wahren, will sie den Verwandten erzählen, dass Kuddel spontan eine Heuer auf einem holländischen Schiff als Smutje angenommen hat. Die Verwandten, allen voran Kuddels Schwester Malvine (Annegret Rugen), die sich um ihr üppiges Mittagessen gebracht sehen, weinen Krokodilstränen, als Kuddel sich eilig verabschiedet.

Harm Bartels in seiner Rolle als Malvines Ehemann erinnert an den Ausnahme-Schauspieler Henry Vahl, der zwar nur eine Nebenrolle innehatte, diese aber so gekonnt ausfüllte, dass das Publikum sich vor Lachen auf die Schenkel schlug.

Als Adrian Pott (Marc Windler), der Freund von der Kneipen- Dienstdeern Ulli (Theresa Hinrichs) auftaucht und sich als uneheliches Kind von Kuddel Brammer entpuppt, bekommt das Lustspiel verschiedene witzige Nebenschauplätze.

Mary gewinnt mit einem geschenkten Los von Malvine 50.000 Mark und Ulli und Adrian finden zueinander. Als aber die Hiobsbotschaft eintrifft, dass der holländische Frachter vermeintlich mit Kuddel an Bord bei Sturm vor Texel in der Nordsee mit Mann und Maus gesunken ist, überschlagen sich die Ereignisse.

Die Verwandtschaft überbietet sich in Trauerbekundungen, nur Mary bleibt ruhig – und weiß warum. Noch bevor Kuddels Todesnachricht offiziell bestätigt ist, wollen seine Anverwandten das Erbe verteilen, was zu grotesken Szenen führt und das Publikum vor Vergnügen spontan applaudieren ließ.

Dieses Stück, das schon dem Hamburger Ohnsorg Theater zur Ehre gereichte, ist auch der Otterstedter Theatergruppe wie auf den Leib geschneidert. Charakterrollen sind perfekt besetzt, das Bühnenbild, natürlich selbst gemacht und das Zusammenspiel könnte harmonischer nicht sein. Diese plattdeutsche Komödie lebt von Originalen, die mit Herzblut dabei sind.

Noch sechs Aufführungen stehen auf dem Spielplan für die sich das Ensemble ebenso volles Haus wünscht wie bei der Premiere. Dienstag, 26. Januar, Freitag, 29. Januar, Sonnabend, 30. Januar, Sonntag, 31. Januar, Mittwoch, 3. Februar und als Finale, Freitag, 5. Februar, heißt es noch einmal: Vorhang auf für die Geschehnisse im „Blauen Peter“.

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