Im Otterstedter Ortsrat

Ernüchternder Sachstandsbericht: Seesanierung noch Jahre entfernt

Otterstedter See
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Von einem grünen Blaualgenteppich überzogen war der kranke Otterstedter See im Sommer. Bis zu einer gezielten Sanierung des Sees werden noch Jahre ins Land ziehen.

Otterstedt – Otterstedts Ortsbürgermeister Helmut Prossner hat einen Traum: „Wir bräuchten einen Sponsor, der sagt, ich gebe zwei Millionen Euro für den Aushub und die Entsorgung des Sediments. Das wäre schön.“ Das allerdings wird ein Traum bleiben. Tatsächlich ist eine zielführende Sanierung des Otterstedter Sees noch Jahre entfernt. Diesen ernüchternden Ausblick musste am Donnerstagabend der Otterstedter Ortsrat in seiner Sitzung in der Wümmeschulaula zur Kenntnis nehmen.

Das vielfältig genutzte Gewässer befindet sich seit Langem in einem zunehmend bedenklichen ökologischen Zustand und droht langsam, aber sicher zu ersticken an Nährstoffüberfrachtung und Sauerstoffmangel. In der Folge explodierten dieses Jahr wieder die giftigen Blaualgen, sodass ein behördliches Badeverbot verhängt werden musste. Der Erwartung, dass sich am Zustand des krankenden Sees aufgrund des in Auftrag gegebenen Strategiekonzepts zeitnah etwas ändert, verpassten Ralf Schack, Bauamtsleiter der Gemeinde Ottersberg, und Verwaltungschef Tim Willy Weber jedoch einen Dämpfer. Vor 2024 rechnet Schack nicht mit Ergebnissen aus dem Projekt, das Maßnahmen zur Seesanierung entwickeln soll. Bis zur Umsetzung könnte es dann locker bis 2026 dauern. „Wir werden in den nächsten Jahren noch häufiger vor der Situation stehen, dass Badeverbote ausgesprochen werden müssen“, kündigte Bürgermeister Weber an.

Das Hilfsprogramm für den Otterstedter See ist noch nicht mal in Arbeit. „Wir sind leider ein Jahr zurück“, räumte Schack mit Hinweis auf rechtliche Hindernisse ein. Vor zwei Jahren hatte die Gemeinde beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz einen Förderantrag für die Entwicklung einer Sanierungsstrategie gestellt und voriges Jahr dafür mehr als 300 000 Euro genehmigt bekommen. Die Suche nach einem Projektsteuerungsbüro dauerte. Erst vor wenigen Wochen ging der offizielle Auftrag an das auf Naturschutzmaßnahmen spezialisierte Planungsbüro Haneg aus Bremen. Das macht sich Schack zufolge jetzt an die Grundlagenerfassung und das Seemonitoring, um beispielsweise interne und externe Phosphorquellen zu ermitteln. Nach Auswertung aller Arbeitsschritte folgt nach Schacks Worten „die Prüfung und Bewertung weiterer Maßnahmen und Entwicklung einer Sanierungsstrategie zur langfristigen Sicherung des Sees“. Im Anschluss werde das Planungsbüro Haneg auch die für erforderlich befundenen Arbeitsschritte steuern und koordinieren. Was diese Umsetzung die Gemeinde kosten wird, steht logischerweise noch in keinster Weise fest.

Mit vereinzelten Maßnahmen hatte die Gemeinde seit Beginn der 2000er-Jahre immer wieder versucht, den See zu entlasten. Unter anderem wurde das eiszeitliche Gewässer zweimal mit dem Phosphatbindemittel Bentophos, das den Algen die Nahrungsgrundlage entziehen soll, behandelt. Bei der letzten Applikation vor anderthalb Jahren versagte die Methode jedoch.

Zu den Problemen des Otterstedter Sees gehört auch seine Beliebtheit als Party-Hotspot. Im Sinne der Natur und der Anwohner hatte die SPD/Ruers-Gruppe im Gemeinderat vor einigen Monaten den Erlass einer Lärmschutz-Satzung für das Gebiet rund um den See beantragt. Diesen Antrag zog Ratsfrau Petra Ruers in der Sitzung des Otterstedter Ortsrates zurück, nachdem die Verwaltung umfassend recherchiert hatte, dass die gewünschte Satzung rechtlich so nicht möglich ist. Die Gemeinde könne für ihren Teil lediglich eine Art Hausordnung erlassen, informierte Ordnungsamtschef Marco Lorenz. Die Ahndung von Verstößen wäre dann Sache der Polizei.

Ein entsprechendes Regelwerk will Ruers jetzt gemeinsam mit dem Ortsratskollegen Ulf Nienaber und betroffenen Anwohnern an einem Runden Tisch in Angriff nehmen. Regeln gut und schön, aber „wir müssen das Umsetzungsproblem lösen“, ergänzte Bürgermeister Weber. Neben großen Schildern in den Uferbereichen, die unter anderem auf die Nachtruhe hinweisen, wollen Ordnungsamt und Polizei im Mai/Juni mit Aktionen am See offensiv auf nächtliche Partykrachmacher zugehen.

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