Otterstedter Kumpanei mit Oberuferer Christgeburtsspiel auf Platt in Posthausen

„In de Kripp liggt dat Kind“

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Die Otterstedter Kumpanei erwartet zu ihrem Oberuferer Christgeburtsspiel am 20. Dezember eine volle Kirche in Posthausen.

Posthausen - Der 4. Advent beschert der Posthausener Lukas-Kirche ein ganz besonderes Ereignis: Um 20 Uhr ist das kleine Gotteshaus am Sonntag Schauplatz des Oberuferer Christgeburtsspiels, für das derzeit noch eifrig geprobt wird. Die überlieferten alten Oberuferer Weihnachtsspiele in ihrer besonderen Mundart sind schon an sich etwas Besonderes. Das i-Tüpfelchen ist allerdings, dass die Otterstedter Kumpanei unter der Regie von Manfred Seeger die plattdeutsche Sprache als Stilmittel verwendet.

In aufwendiger Arbeit wurde die Heanzen-Mundart des westlichen Ungarns, ein spezieller Dialekt ausgewanderter Donau-Schwaben, ins Plattdeutsche übersetzt. „As der goothartige Gott to Eend brin’n wull sien Woort, send he een Engel schnell mit Namen Gabriel in’t galliläische Land, in de Stadt Nazareth, wo he een Jungfroo weet, de Maria heet“, lautet die Einleitung, die die Zuschauer in die Zeit von Kaiser Augustus versetzt. Den Josef spielt Manfred Seeger selbst und die Rolle der Maria ist mit Trientke Feldmann besetzt. Sie vermitteln dem Publikum, in welcher Not sich das Paar seinerzeit befunden hat, als es von Herbergen abgewiesen wurde und schließlich in einem Stall bei Bethlehem unterkam.

Als sich die Geburt ankündigte, verlangte Maria: „O Josef, bring nu Heu, ik bitt. För us Kind, legg dat in de Kripp.“ So greift die Kumpanei die überlieferten Geschehnisse auf, die bei der Oberuferer Bevölkerung in einem tiefen Glauben verwurzelt waren. Die Haidbauern, wie die Donau-Schwaben genannt wurden, im 16. Jahrhundert nach Ungarn eingewandert, brachten Sitten, Gebräuche, und eben auch ihren Dialekt mit in die neue Heimat. Sie etablierten die Oberuferer Weihnachtsspiele mit einem tiefen Ernst und banden darin auch kleine Nebenschauplätze ein, die ihr Alltagsleben spiegelten. Sie spielten nur an Sonn- und Feiertagen von Advent bis zum Dreikönigstag, verbanden eine gewisse Weihe mit ihren Aufführungen und feierten Weihnachten auf eben diese Weise.

In anthroposophischen Einrichtungen wie Waldorfschulen haben die Oberuferer Weihnachtsspiele eine lange Tradition. Der österreichische Sprachforscher Karl Julius Schröer brachte die Mundart zu Papier und erstellte sogar ein Wörterbuch dafür. Allerdings war ihm nicht der textliche Inhalt der Spiele wichtig, sondern der sprachliche Klang – und die Musik in den Wörtern des Dialekts, der an die Darsteller stets große Anforderungen stellte und bis heute stellt.

Inge Bibelhausen aus Otterstedt hatte schon in den 70er Jahren einen ersten Versuch gemacht, eine plattdeutsche Version der Spiele auf die Bühne zu bringen. 2012 entstand die erste Kumpanei in Otterstedt, die das Christgeburtsspiel mit großem Erfolg in der St.-Martins-Kirche aufführte. Das Ensemble heimste viel Applaus ein, denn auch im Plattdeutschen wirkt der Zauber der Vokalklänge der Heanzen-Mundart. Dazu kommen die anrührenden naiven Bilder und die Gesänge der schreitenden Kumpanei. Es werden Hirten dargestellt, und Sternsinger sind dabei. Und die musikalische Begleitung liegt auch diesmal in den bewährten Händen von Lotti Appel.

kr

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