Ottersberger Neuntklässler befragen Senioren

Zeitzeugen erzählen

Schüler und Senioren
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Über ihre Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg erzählten Seniorinnen und Senioren im Rahmen eines Zeitzeugenprojekts der Wümmeschule. Zum Abschluss bedankten sich die Neuntklässlerinnen mit Blumen bei ihren Interviewpartnern im Pflegeheim Larisch. Das Bild zeigt (von links) Zilan Thyyar, Horst Homann, Gisela Weilhammer, Martha Labrenz, Jasmin Vetter, Anita Hopp, Lousia Wesner, Helin Kadah und Erna Gieschen.

Ottersberg – Geschichtsunterricht einmal anders, nämlich im lebendigen Austausch mit Zeitzeugen, erlebten Neuntklässler der Ottersberger Wümmeschule in den Wochen vor den Sommerferien. Kindheit und Jugend in der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs war ihr Thema laut Lehrplan. Dazu gibt es viele gute Texte und Bücher zu lesen – aber darüber hinaus wirkt kaum etwas so eindrucksvoll und nachhaltig wie die Erzählungen von Menschen, die diese Zeit selbst erlebt haben.

Die Kinder von damals, die ihre Erfahrungen weitergeben können, sind mittlerweile um die 90 Jahre alt – und noch besteht die Möglichkeit, sie selbst zu befragen. Von dieser Möglichkeit wollten die Neuntklässler unbedingt Gebrauch machen.

Bereitwillige Gesprächspartner für seine Geschichtsschülerinnen und -schüler fand Wümmeschulrektor Dominik Lerdon unter anderem im Pflegeheim Familie Larisch an der Großen Straße in Ottersberg.

„Bei uns ist die Begegnung zwischen Jung und Alt immer schon ein fester Bestandteil des sozialen Lebens“, sagt Renate Beirle, Leiterin der Sozialen Betreuung im Pflegeheim Larisch, die das Zeitzeugenprojekt im Haus koordiniert und begleitet hat.

Nachdem die Rahmenbedingungen in Zeiten von Corona geklärt worden waren, konnten zwölf Schülerinnen und Schüler insgesamt sechs Seniorinnen und Senioren besuchen und interviewen. „Die Schüler hatten Fragen vorbereitet, die Senioren hatten sich teilweise schriftlich stichpunktartig ihre Erinnerungen zurechtgelegt“, schildert Renate Beirle die Vorbereitungen. Und dann wurde lebendige Geschichte erzählt.

Auch für die Sozialbetreuerin in der Einrichtung war es „sehr spannend, die Begegnung zwischen den Schülern und den Bewohnern zu begleiten“ – und dabei selbst auf berührende Weise die Bewohnerinnen und Bewohner von einer bisher unbekannten Seite kennenzulernen.

Was die alten Menschen aus ihrer Kindheit erzählten, bleibt nicht nur den Jugendlichen in Erinnerung, sondern auch Renate Beirle: „Der Schulweg mit sechs Jahren ganz alleine durch die Wiesen. Das Erleben des Behütetseins und dann die Veränderung: Das, was zu Hause gesagt wird, gilt weniger als das Wort in der Schule. Die Faszination der Uniform der Hitlerjugend – und deren Ablehnung durch die Eltern. Herausgerissen werden aus dem Vertrauten, verschickt zu werden, damit man besser leben kann. Im Radio kommen die ersten Kriegsmeldungen, Väter müssen im Morgengrauen in den Krieg ziehen und die Kinder bleiben mit Mutter zurück. Angst vor Bomben, das Erlebnis verschüttet zu werden. Flucht und Vertreibung, alles zurücklassen müssen, völlig neu anfangen müssen. Hunderte Kilometer zu Fuß unterwegs sein, mit schlechten Schuhen, nicht wissen wohin. Das Erleben vom unterschiedlichen Umgang mit Kriegsgefangenen und mit Menschen, die kein Hitlerbild aufhängen wollen. Und dann die Schokolade der Engländer, die erst angenommen wird, als der Soldat sagt: Ich habe auch Kinder und ich esse erst ein Stück, damit du weißt, dass die Schokolade nicht vergiftet ist.“

„Sechs Senioren, alle um die 90 Jahre und mit sehr unterschiedlichen Lebensläufen, haben zwölf Jugendliche und mich mit den Erzählungen ihrer Erlebnisse beschenkt“, resümiert Renate Beirle dankbar. Voller Staunen hätten die Zuhörer erfahren und verstanden, „wie schwer, vor allem aber wie anders Kindheit und Jugend in der Nazizeit waren“. Staunen auch darüber, wie wenig man diesen Menschen heute die Beschwernisse ihres Lebens und ihrer Schicksale anmerke.

Die Begegnungen im Pflegeheim haben nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Die Stimmung im Geschichtsunterricht, als die Schülerinnen von ihren Interviews berichteten, sei sehr besonders gewesen, erzählte Wümmeschulleiter Dominik Lerdon, als er jetzt mit einigen Schülerinnen nochmal ins Haus Larisch kam, um sich mit Blumen bei den Seniorinnen zu bedanken.

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