Kunstschönes und pädagogisch Wertvolles

Ottersberger Kinderspielkunst gestaltet Spiellandschaften

Spiellandschaft mit Symbolcharakter: Sascha Baum-Stolberg auf dem Gelände der Ottersberger Waldorf-Kita. Hier verwirklichte das Unternehmen vor rund 20 Jahren sein erstes Projekt.
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Spiellandschaft mit Symbolcharakter: Sascha Baum-Stolberg auf dem Gelände der Ottersberger Waldorf-Kita. Hier verwirklichte das Unternehmen vor rund 20 Jahren sein erstes Projekt.

Ottersberg – Die Wand in Sascha Baum-Stolbergs Büro ist übersät mit Zeichnungen von abenteuerlichen Gebilden. Was teilweise anmutet wie Schatzkarten, sind tatsächlich Entwürfe für Spielgeräte, oftmals auch ganze Spiellandschaften. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Kevin Weimann entwirft und baut Baum-Stolberg Spielplätze im Innen- und Außenbereich.

Das Ottersberger Unternehmen Kinderspielkunst nutzt dazu fast ausschließlich natürliche Materialien aus regionaler Bezugsquelle und verfolgt einen künstlerischen Anspruch. Der Beruf des 43-Jährigen spiegelt sich auch in der Einrichtung seines Arbeitsraums, der sich in einem Tiny House Am Wiestebruch befindet: Neben dem organisch geformten Vollholzschreibtisch wird ein Regal von einer knorrigen Holzgabel gestützt.

Kinderspielkunst besteht seit mehr als 20 Jahren. Im Jahr 2000 hat Walter Peter das Unternehmen gegründet, später stieß Geschäftspartner Wilfried Bremer dazu. 2016 übernahm Kevin Weimann mit Bremer die Geschäftsführung, seit 2017 ist das Duo Sascha Baum-Stolberg und Kevin Weimann verantwortlich für die Firma. Der Mitarbeiterstab hat sich seitdem vervielfacht: „2017 waren wir zu dritt, jetzt sind wir zu zehnt“, sagt Baum-Stolberg. Kinderspielkunst deckt fast alle Dienstleistungen selbst ab – von der Beratung und Planung über die Fertigung und Montage bis hin zum Service. Zudem kooperiert das Unternehmen mit dem Fachbetrieb „Biotop“, um natürliche Lebensräume in die Spiellandschaften zu integrieren.

Kevin Weimann ist gelernter technischer Zeichner und hat Freiraumplanung studiert. Sascha Baum-Stolberg ist Lehrer für Grund-, Haupt- und Realschule, sagt aber von sich selbst, er habe „viel gelagerte Interessen und Bedürfnisse“. So reiste der geborene Brunsbütteler nach dem Abitur nach Australien, um dort ein Work-&-Travel-Jahr zu absolvieren. Als er 2016 sein Referendariat beendet hatte und begann, als Lehrer zu arbeiten, interessierte er sich sehr für das fächerübergreifende Konzept „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Doch das ging ihm nicht weit genug. Da bereits Kontakt zu Kinderspielkunst bestand, gab der Familienvater seinen Beamtenstatus auf und ließ es drauf ankommen, etwas völlig Neues zu beginnen.

In seinem Tiny-House-Büro entwirft Sascha Baum-Stolberg neue Konzepte, die er in Skizzen festhält.

Die pädagogischen Kenntnisse kann er nach eigener Aussage nun gut einbringen. So werden Kinder als Experten in eigener Sache selbstverständlich in die Planung einbezogen. „Wir fahren zu den Schulen und Kindergärten und fragen: Was wollt ihr eigentlich?“ Die Qualitätskontrolle durch die Spielplatznutzer ende nicht mit dem Abschluss eines Bauprojekts. „Wenn wir fertig gebaut haben, gucke ich, was die Kinder mit den Spielgeräten machen“, erzählt der 43-Jährige. Oft entwickelten sich ganz neue Spielmöglichkeiten, die als Anregung für weitere Projekte dienen können. Für Baum-Stolberg ein Beleg, dass das Konzept von Kinderspielkunst aufgeht: „Wir wollen Kunstschönes und pädagogisch Wertvolles in die Welt lassen“, fasst er zusammen. Die Spiellandschaften sollen die Kinderfantasie anregen, deshalb sind sie keinem Thema zugeordnet, außer auf ausdrücklichen Wunsch des Auftraggebers. Baum-Stolberg zeigt als Beispiel ein Holzgebilde, das entfernt an ein Flugzeug erinnert. Die verschiedenen Auf- und Zugänge ließen noch genügend Spielraum für die Vorstellungskraft, findet er.

Das bisher künstlerischste Projekt hat Kinderspielkunst im Bochumer Oleanderweg verwirklicht, indem das Unternehmen einen überflutungsgefährdeten Grünzug als naturnahe Regenrückhaltung umgebaut hat. „Wir wollten etwas schaffen, das einen Gewinn für den Straßenzug bringt“, so Baum-Stolberg. Entlang eines parkartigen Weges sind Kunst-, Klang- oder bespielbare Elemente entstanden. Das Projekt umfasst ein Stelzenhaus, eine Kokonschaukel und eine Klangbrücke, über die man aus der Entfernung miteinander sprechen kann. Der Grünzug ist laut Baum-Stolberg beim Bundesministerium für Heimat und Kultur gelistet.

Im Gewerbegebiet Barkhof in Sottrum befindet sich der Bauplatz von Kinderspielkunst. Dort werden die skulpturenartigen Bauelemente für die spätere Montage zugeschnitten. Vor allem, weil die Lagerfläche für Holz auf dem 5000 Quadratmeter großen Gelände ausgeschöpft ist, würde das Unternehmen seinen Fertigungsstandort gerne vergrößern. Als Material verbaut Kinderspielkunst größtenteils Eichenholz aus regionalen Wäldern – und kooperiert dafür mit den Rotenburger Landesforsten. „Wir nehmen sowohl Stamm- als auch Baumkronenmaterial, das für Förster oft nur als Brennholz taugt“, erklärt Baum-Stolberg. Kleinere Bauteile werden aus Robinienholz hergestellt, das hier seltener vorkommt und daher meist aus Osteuropa importiert wird.

Aus Eichenholz sägen Mitarbeiterinnen auf dem Bauplatz in Sottrum Teile für einen Wasserlauf zu.

Auf dem Bauplatz schält Tischlerin Jennifer Fromm mit einem Schleifwerkzeug Rinde und Splint von einem dicken Eichenholzstamm. „Das Kernholz wird ausgehöhlt. Daraus bauen wir einen 18 Meter langen Wasserlauf“, erklärt die 35-Jährige, die seit einem Jahr bei Kinderspielkunst ist und zuvor bei einer anderen Spielplatzbaufirma gearbeitet hatte, bevor sie den Arbeitgeber wechselte: „Man kann sonst als Tischlerin kaum noch mit Vollholz arbeiten“, verrät sie.

Als weitere Materialien verwendet Kinderspielkunst Gummimatten, Taue, die aufgrund der höheren Langlebigkeit einen Kunststoffanteil haben, sowie Schrauben und Ketten aus rostfreiem Edelstahl. Größere Edelstahlteile finden keine Verwendung. „Eine Gummibahn hat viel mehr zu bieten als eine Edelstahlrutsche“, findet Sascha Baum-Stolberg. Für die farblich-ästhetische Gestaltung erhalten die Holzteile zum Schluss eine Lasur aus Tungöl-Lack.

Kinderspielkunst hat schon viele Projekte in der Region verwirklicht – etwa an der Wümmeschule Ottersberg, der Grundschule Otterstedt oder dem Ottersberger Waldorfkindergarten. Letzteres hat für Sascha Baum-Stolberg eine fast symbolische Bedeutung, denn auf dem Gelände der Kindertagesstätte entstand seinerzeit das erste Spielgerät von Kinderspielkunst. Nach mehr als 20 Jahren haben die Spielplatzarchitekten das Kita-Gelände jetzt neu gestaltet.

Wo es bekannt ist, da scheint Kinderspielkunst auf der Erfolgswelle zu schwimmen: „Bei neun von zehn Ausschreibungen erhalten wir den Zuschlag“, berichtet Baum-Stolberg. Ein Vorteil gegenüber den Mitbewerbern sei die räumliche Nähe und Erreichbarkeit, vermutet er. Falls Wartung erforderlich sei oder Verschleißteile ersetzt werden müssen, sei Kinderspielkunst schnell zur Stelle. „Uns gibt’s ja hier vor Ort“, so Baum-Stolberg.

Weitere Infos

www.kinderspielkunst.de

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