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Medikamente für Kliniken und die Front

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Von: Petra Holthusen

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Professor Dr. Michael Pustovoyt von der Universitätsklinik Ivano-Frankivsk
Professor Dr. Michael Pustovoyt von der Universitätsklinik Ivano-Frankivsk (Mitte) nahm die Lieferung von Medikamenten und medizinischen Hilfsmitteln aus Ottersberg entgegen. Ein Teil ging gleich weiter nach Odessa und an die Front. © privat

Ottersberg – Medikamente und medizinische Hilfsmittel im Wert von 119.000 Euro hat das Ottersberger Unterstützungsnetzwerk „We Care Otter“ kürzlich zur Universitätsklinik Ivano-Frankivsk in die Westukraine gebracht. Finanziert aus Spendengeldern, bestand der Hilfstransport vor allem aus Medikamenten für die Notfallmedizin sowie Antibiotika, Psychopharmaka und Material zur Wundversorgung. „Zusätzlich wurden ein Ultraschallgerät, Powerbanks und Schlafsäcke von den Spendengeldern beschafft“, schildert Mitorganisator Torsten Kuper. „Es ist alles gut angekommen und an die Klinik in Ivano-Frankivsk sowie nach Odessa und an die Front verteilt worden.“

Der Ottersberger Arzt Torsten Kuper, seine Tochter Marie und das Ehepaar Nadja und Christoph Heitmann haben kurz nach Beginn des Krieges das Netzwerk „We Care Otter“ für notleidende Menschen in und aus der Ukraine ins Leben gerufen. Die Initiative koordiniert und kanalisiert über ihre Internetplattform die Unterstützung und Unterbringung von Schutzsuchenden in Ottersberg und Umgebung, organisiert Sachspenden und Dolmetscher, sorgt für medizinische Betreuung und stellt Kontakt mit Behörden her.

Neben dem Einsatz für Geflüchtete hier vor Ort sammelt „We Care Otter“ Geldspenden für ganz gezielte Hilfstransporte in die Ukraine – wie zuletzt die Lieferung von dringend benötigten Medikamenten und Verbandsmaterial zur Versorgung von kranken, verletzten und traumatisierten Menschen im Kriegsgebiet. Was genau gebraucht wurde, hatte Kuper in direktem Kontakt mit Professor Dr. Michael Pustovoyt von der Universitätsklinik Ivano-Frankivsk abgestimmt: „So konnten wir genau das liefern, was dort vor Ort, in anderen Krankenhäusern und an der Front gebraucht wird“, erklärt Kuper. Ein Teil der Medikamente sei umgehend an die Klinik nach Odessa weitergeleitet worden.

„Wir haben das eine oder andere emotionale Gespräch geführt, und trotz aller Umstände, die uns in ihrer Dramatik unvorstellbar sind, haben wir viel Dankbarkeit und Hoffnung durch solche Spendenaktionen gespürt“, sagt Kuper. „Als uns die Fotos aus der Klinik und von der Front erreicht haben, wussten wir, dass jeder Euro der Menschen aus dem Flecken Ottersberg und den umliegenden Gemeinden direkt dort angekommen ist, wo er am dringendsten benötigt wird“, ergänzt der Mediziner.

In den ersten sechs Wochen des Krieges habe die Initiative bereits zwei Hilfskonvois mit insgesamt sechs Lastzügen und rund 120 Tonnen Hilfsgütern auf den Weg in die Ukraine gebracht. „Ein unendlicher Dank“ gebührt laut Kuper der Familie Heitmann und ihrem Unternehmen Benas, das die Transporte organisiert und mit eigenen Lkw in die Tat umsetzt. Logistik, Verladung und Zollabfertigung, alles werde von Nadja und Christoph Heitmann erledigt: „Dieses kleine Team hat schon extrem viel auf die Beine gestellt.“

Dankbar ist Kuper auch Pastor Andreas Hambruch von der evangelischen Gemeinde St. Magnus in Bremen, der den Kontakt zu Prof. Dr. Michael Pustovoyt in Ivano-Frankivsk vermittelt und dessen Gemeinde sehr viel Geld für die Medikamentenlieferung gespendet habe. Großzügige Spenden habe „We Care Otter“ auch von der Brüning Family Holding, dem Rotary-Club, der Feuerbestattung Verden, der Meyer & Partner Bauconsulting sowie der Dodenhof-Apotheke und der Wümmeapotheke aus Fischerhude erhalten.

„Ich persönlich habe mich am meisten über die tollen Aktionen der Schülerinnen und Schüler von Ottersberger Schulen, das Benefizkonzert in der Fischerhuder Kirche und die vielen Einzelspenden gefreut. Ottersberg hat hier wirklich viel bewegt und erreicht – und gezeigt, was möglich ist, wenn alle zusammenarbeiten“, so Kuper. Beispielhaft nennt er auch die Kleiderkammer, die Thorsten Meyer und Tom Killus in Fischerhude auf die Beine gestellt haben. „Aktuell sind wir wieder in Kontakt mit der Universitätsklinik in Ivano-Frankivsk und versuchen, ganz gezielt mit Notfallequipment zu helfen“, berichtet Kuper. „We Care Otter“ sammelt weiter Spenden – um Geflüchtete vor Ort zu unterstützen und möglicherweise weitere Medikamente in die Ukraine liefern zu können. Infos gibt‘s online unter www.wecareotter.de

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