„FairVerkehr“ auf der Großen Straße ist ein Kooperationsprojekt von drei Hochschulen

Hingucker gegen Bleifüße

Projektbeteiligte an Großer Straße
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Kunst im Straßenraum als Verkehrsentschleuniger: Am „Sternchen“, Hingucker und Kontaktpunkt an der Großen Straße, stellten die Projektbeteiligten der Ottersberger Hochschule für Künste im Sozialen mit ihren Kooperationspartnern von Leuphana Universität Lüneburg und TU Hamburg die Installationen für „FairVerkehr“ vor.

Ottersberg – Wie beeinflusst farbenfrohe Kunst im Seitenraum das Fahrverhalten auf einer sehr stark und viel zu schnell befahrenen Ortsdurchgangsstraße? Gehen Auto- und Lkw-Fahrer entspannt vom Gas, wenn rechts und links große bunte Installationen ihre Aufmerksamkeit erregen? Das finden Kunststudierende der Ottersberger Hochschule für Künste im Sozialen zusammen mit Verkehrspsychologen und -wissenschaftlern der Leuphana Universität Lüneburg und der Technischen Universität Hamburg gerade auf der Großen Straße im Ottersberger Ortskern heraus.

„FairVerkehr“ heißt das Projekt. Mit künstlerischen Mitteln sollen die gefahrenen Geschwindigkeiten gedrosselt werden, Radler und Fußgänger so mehr Sicherheit erfahren und Anwohner ein Plus an Lebensqualität. Das Projekt wurde unter enger Einbindung der Anwohner von langer Hand vorbereitet, von der Landesstraßenverkehrsbehörde genehmigt und vom Bauhof der Gemeinde tiefbautechnisch unterstützt. Geldgeber ist das Land Niedersachsen. Das Kostenvolumen liege bei 115 000 Euro, sagte Hochschulleiter Prof. Dr. Ralf Rummel-Suhrcke am Freitag, als die Projektbeteiligten die an der Großen Straßen installierten Hingucker und die begleitende Verhaltensforschung vorstellten. Die Auswirkungen auf das Verkehrsgeschehen werden unter anderem mit Radarmesstechnik untersucht.

Fünf Objekte, teils als Serie angelegt, haben Kuntstudierende mit ihrem Dozenten Prof. Michael Dörner auf dem Abschnitt zwischen Ortseinfahrt aus Richtung Stuckenborstel und dem Kreisel in der Ortsmitte ins Straßenbild integriert: metallene palmenartige Sonnenschirme, leuchtende Airbags an Bäumen, Klapptafeln mit wechselnden Texten, eine mit Farbstreifen aufgepeppte Bushaltestelle – und das „Sternchen“. So heißt, wegen der erhofften Strahlkraft, der schwarze Container mit Schaufenster zur Großen Straße, der direkt am Hochschulcampus offener Kontakt- und Treffpunkt für alle sein soll. Nach Worten von Erfinderin Kira Keune „ein studentisch verwalteter Raum für verschiedene Formate wie Ausstellung, Lesung, Performance und Austausch“. Im und am „Sternchen“ beleben Menschen bewusst das Straßenbild und signalisieren: „Wir sind hier! Und lassen uns nicht zurückdrängen vom Verkehr.“

Die Kunst für eine atmosphärische Verbesserung und Entschleunigung des Verkehrs ist also installiert – jetzt läuft Phase II des Projekts: Geschwindigkeitsmessungen und Fahrerverhaltensanalysen, um im Anschluss Vorher-Nachher-Vergleiche anstellen und den erzielten Effekt benennen zu können. Vier Radarmesspunkte und drei Verkehrskameras hat Christiane Waßmann-Krohn, Projektverantwortliche von der TU Hamburg, für die Datenerhebung im Einsatz. Zusätzlich misst sie Geschwindigkeiten einzelner ausgewählter Fahrzeuge über die ganze Strecke bei „Verfolgungsfahrten“.

„Auf der Großen Straße wird sehr, sehr schnell gefahren“, weiß Waßmann-Krohn von den Erstmessungen: 85 Prozent der langsamsten (!) Fahrzeuge seien dabei zwischen 70 und 82 km/h gefahren – bei erlaubten 50 km/h. „Highlight waren 130 km/h in einer Nacht“, erzählt die Verkehrsexpertin. Auch sie ist gespannt auf die Ergebnisse ihrer Vergleichsmessungen im atmosphärisch veränderten Straßenbild. Zeitgleich analysiert Rainer Höger, Professor für Verkehrspsychologie an der Leuphana Universität Lüneburg, mit seinen Studentinnen das Fahrerverhalten anhand von Blickbewegungsmessungen.

Das Besondere an dem Projekt sei die Kunst in Verbindung mit empirischen Untersuchungen, betonte Hochschulleiter Rummel-Suhrcke.

Ottersbergs Bürgermeister Tim Willy Weber ist begeistert von dem Ansatz und unterstützt das Verbesserungsvorhaben in einer Problemzone des Ortskerns: „Wir geben diese Straße nicht auf, wir beschäftigen uns mit dieser Straße, das ist ein tolles Signal – und für mich erst der Anfang aller Maßnahmen.“

Von Petra Holthusen

Parasol an der Großen Straße

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