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Ottersberger Gesprächskreis für Menschen mit Demenz und deren Angehörige

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Von: Petra Holthusen

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Die Leiterinnen des Gesprächskreises für Menschen mit Demenz und deren Angehörige
Zum Gesprächskreis für Menschen mit Demenz und deren Angehörige laden (v.l.) Ingrid Dreyer, Monika Meyer, Gissy Burgess, Inge Stein, Jutta Hagenah und Astrid Helming einmal im Monat ins Ottersberger DRK-Heim ein. © Holthusen

Ottersberg – Menschen, die zu Hause Eltern oder Ehepartner mit einer Demenzerkrankung betreuen, haben einen 24-Stunden-Job, 365 Tage im Jahr. Die hohe körperliche und seelische Belastung führt pflegende Angehörige an ihre Grenzen und darüber hinaus. Und oft in die Einsamkeit. In den zwei Corona-Jahren hat sich die soziale Isolation für Betroffene noch verschärft. „Sie konnten ja überhaupt nirgends mehr hin und waren noch eingeschränkter als sonst. Auch Tagespflege hat ja nicht stattgefunden“, weiß Monika Meyer, die den Ottersberger Gesprächskreis für Menschen mit Demenz und deren Angehörige leitet.

Auch dieses Angebot musste während der Pandemie die meiste Zeit pausieren. Einigen Betroffenen half Monika Meyer mit engem Telefonkontakt über die Zeit. Im März erfolgte nun der Neustart der monatlichen Treffen, „aber die Gruppe ist sehr klein geworden“, berichtet die Koordinatorin. 13 Teilnehmer aus den Anfangszeiten seien in den vergangenen zwei Jahren gestorben. „Wir können und wollen wieder mehr werden – neue Teilnehmer sind willkommen“, so die Einladung von Monika Meyer und ihren fünf qualifizierten Mitstreiterinnen, die den Gesprächskreis ehrenamtlich leiten und begleiten.

Die Gruppe bietet Angehörigen von Demenzkranken immer am dritten Dienstag im Monat Zeit und Raum, sich auszusprechen, Unterstützung und Zuspruch zu erfahren und auch mal in geselliger Runde zusammen zu lachen. Das Besondere an dem Ottersberger Gesprächskreis ist, dass die erkrankten Angehörigen mitgebracht werden können und ein eigenes Programm haben. Für sie, die unter fortschreitendem Verlust ihrer kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten leiden, ist es im Alltag ansonsten nicht mehr selbstverständlich, etwas vorzuhaben, mal rauszukommen und Kontakte zu pflegen.

„Es dürfen natürlich auch Angehörige allein kommen, deren von Demenz betroffene Partner oder Eltern vielleicht im Heim sind, die aber trotzdem Redebedarf haben“, betont Inge Stein.

Der Nachmittag beginnt stets mit einer gemeinsamen Kaffeetafel, für die die sechs Gruppenbegleiterinnen den Kuchen selber backen. „Sich einfach mal an einen schön gedeckten Tisch setzen und loslassen“, allein das erleben die pflegenden Angehörigen nach Worten von Gissy Burgess als wohltuend. Nach dem Kaffeetrinken trennen sich die Grüppchen. Ingrid Dreyer, Inge Stein, Astrid Helming und Gissy Burgess bieten den Erkrankten anregende und unterhaltsame Beschäftigung an. Im März war das zum Beispiel eine kleine Runde Gymnastik auf dem Stuhl, ein bisschen Ballspielen und zum Schluss Kegeln im Sitzen: „Das war eine fröhliche Runde“, sagt Ingrid Dreyer, die schon seit Gründung des Gesprächskreises 2016 dabei ist. Mit geballter Erfahrung und Kompetenz neu im Team sind Inge Stein, die ihre demenziell erkrankte Mutter gepflegt hat, Astrid Helming, die aus der Palliativpflege kommt und jetzt in der Pflegeberatung tätig ist, sowie Gissy Burgess, die als Kunsttherapeutin im Altenheim gearbeitet hat.

Die Gesprächskreis-Mitbegründerinnen Monika Meyer und Jutta Hagenah widmen sich nach dem Kaffee den pflegenden Angehörigen, die sich aussprechen und austauschen können. „Sie bringen ihren Alltag mit; wie sie das erleben, wie sich die Situation zu Hause entwickelt hat, welche neue Hürden es gibt“, schildert Jutta Hagenah. Sich mit Gleichbetroffenen unterhalten zu können, tue gut, „weil alle wissen, wovon man spricht, weil man nichts erklären muss“ – nicht die Erschöpfung und Müdigkeit; nicht die Scham, wenn der demenziell erkrankte Angehörige in der Öffentlichkeit etwas tut oder sagt, was fremde Menschen peinlich berührt; nicht die Einsamkeit, weil man sich mit dem Kranken immer weiter zurückzieht; nicht die Traurigkeit, weil der geliebte Mensch, wie man ihn gekannt hat, so nicht mehr da ist. Auch die Umkehrung der Rollenverteilung zwischen Kindern und Eltern ist für Betroffene „ein emotionaler Ritt“, schildert Astrid Helming.

Was ihnen gerade auf der Seele brennt, können die pflegenden Angehörigen in dem Kreis loswerden. Monika Meyer ist es wichtig, die Vertraulichkeit zu betonen: „Alles, was in dieser Runde gesprochen wird, bleibt hier in diesem Raum.“

Neben dem vertrauensvollen Austausch sind auch Alltagshilfen wie Entlastungspflege oder rechtliche Aspekte wie Vorsorgevollmachten Gesprächsthemen in der Runde, in der sich die Betroffenen gegenseitig Rat geben und Mut zusprechen.

Termin und Kontakt

Der Gesprächskreis für Menschen mit Demenz und deren Angehörige kommt immer am dritten Dienstag im Monat in der Zeit von 15 bis 17 Uhr im DRK-Heim hinter dem Rathaus an der Grünen Straße in Ottersberg zusammen – das nächste Mal am 19. April. Die Gruppe ist – unabhängig vom Wohnort – offen für alle von Demenz Betroffenen und ihre Angehörigen. Der Gesprächskreis bietet pflegenden Angehörigen und ihren Erkrankten einen geschützten Raum, um sich auszusprechen, auszutauschen, Geselligkeit zu pflegen und Fragen zu stellen. Vertraulichkeit ist oberstes Gebot. Angehörige können auch allein kommen. Eine Anmeldung ist erforderlich bei Monika Meyer unter Telefon 04205/2341.

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