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Ottersberger Flüchtlingssammelunterkunft bezugsfertig

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Von: Petra Holthusen

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Bis zu 80 Notfallbetten haben in der Ottersberger Tennishalle neben den 20 Familienschlafkabinen Platz.
Bis zu 80 Notfallbetten haben in der Ottersberger Tennishalle neben den 20 Familienschlafkabinen Platz. Die fertig eingerichtete Sammelunterkunft für Geflüchtete aus der Ukraine stellten am Donnerstag (v.r.) Landrat Peter Bohlmann, Bürgermeister Tim Willy Weber, Umbau-Koordinator Hartmut Janke, Hausmeisterin Raphaela Rode und die Erste Kreisrätin Regina Tryta, Leiterin des Katastrophenschutzstabs, vor. © Holthusen

Ottersberg – Als kreisweit vierte und größte Sammelunterkunft für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine hat der Landkreis Verden mit Unterstützung des Technischen Hilfswerks die Tennishalle in Ottersberg bezugsfertig umgebaut und eingerichtet. Statt Bauzäunen und Planen wurden hier erstmals mithilfe von Messebauelementen Schlafkabinen mit festen Wänden konstruiert. Bis zu 120 Menschen können in den 20 Zimmerboxen à maximal sechs Betten Platz finden. Jede Familie soll ein abgeschlossenes Abteil für sich haben – „für mehr Intimsphäre und Menschenwürdigkeit“, erklärt Umbau-Koordinator Hartmut Janke das neue, rund 80 .000 Euro teure Unterbringungskonzept.

Janke arbeitet beim Landkreis in der Gebäudewirtschaft und plant die Sammelunterkünfte mit geballter Erfahrung aus der Flüchtlingskrise 2015/16. Diesmal muss alles noch schneller gehen; seit Beginn des Krieges in der Ukraine arbeiten Janke, seine Handwerker und die ehrenamtlichen Unterstützer die Wochenenden durch. Innerhalb von zehn Tagen wurden in der von der Gemeinde Ottersberg zur Verfügung gestellten Sporthalle die Zimmerboxen von Messebauern installiert und vom THW möbliert. Zuvor musste der Hallenboden mit 1700 Quadratmeter PVC ausgelegt werden. In einem der angrenzenden Umkleideräume stehen jetzt Waschmaschinen und Trockner: Hier sollen die Bewohner der Sammelunterkunft ihre Kleidung selbst waschen können – „und das wollen sie auch“, sagt Landrat Peter Bohlmann. Das sei auch eine Erfahrung aus der Flüchtlingskrise vor sechs Jahren: „Hilfe zur Selbsthilfe“ statt Entmündigung gehöre zur Menschenwürde.

Neben den sanitären Anlagen der Sportstätte steht den Geflüchteten die Großküche des angrenzenden „Wümmekiekers“ zur Verfügung. Dass die Familien für sich selbst kochen, gehört ebenso zum neuen Unterbringungskonzept. Den „Wümmekieker“, die ehemalige Gaststätte zwischen Tennishalle und Otterbad, haben Gemeindebeschäftigte und Helfer vom Sportverein in Windeseile renoviert und als Speise- und Aufenthaltsraum hergerichtet. „Sie haben in kürzester Zeit ganz viel auf die Beine gestellt“, so Ottersbergs Bürgermeister Tim Willy Weber, der die große Solidarität in der Gemeinde hervorhebt.

Neben den bis zu 120 Betten in den Familienzimmern bietet die große Halle in einer abgetrennten Zone noch Raum für 50 bis 80 Feldbetten – laut Landrat Bohlmann eine Notunterkunft, gedacht für den Fall, „dass spätabends plötzlich ein Bus voll mit Menschen aus einer Erstaufnahmeeinrichtung am Kreishaus vor der Tür steht“.

Stand heute hat der Landkreis Verden seit Kriegsbeginn 867 Ukraine-Flüchtlinge registriert. 75 Prozent der Menschen sind Bohlmann zufolge privat bei Verwandten, Freunden und hilfswilligen Bürgern untergekommen. 209 Geflüchtete erreichten den Landkreis bisher im Zuge offizieller Zuweisungen durch Land und Bund. Sie sind im Containerdorf am Kreishaus, in der Dauelser Berufsschulsporthalle, in der Turnhalle in Kirchlinteln sowie in zwei Verdener Hotels untergebracht. Mit der Belegung der Ottersberger Halle rechnet die Erste Kreisrätin Regina Tryta, die beim Landkreis den Katastrophenschutzstab leitet, „in zwei bis drei Wochen“. Das Deutsche Rote Kreuz wird diese vierte Sammelunterkunft betreuen.

So gut wie bezugsfertig ist als fünfte Unterkunft bereits das alte Feuerwehrhaus in Oyten-Bassen. Der Landkreis stellt sich laut Bohlmann darauf ein, wöchentlich 30 bis 35 vom Land zugewiesene Ukraine-Flüchtlinge unterzubringen – außerdem „zunehmend auch Geflüchtete, die nicht mehr in ihren bislang privaten Unterkunftsmöglichkeiten bleiben können“. Zwei Familien mit neun Personen seien schon umquartiert worden, für weitere sechs Menschen stehe der Umzug kurz bevor.

Bis zu sechs Betten für eine Familie stehen pro Zimmerbox in der Sammelunterkunft bereit.
Bis zu sechs Betten für eine Familie stehen pro Zimmerbox in der Sammelunterkunft bereit. © Holthusen

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