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Christophorus-Apotheke schließt

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Von: Petra Holthusen

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2014 war Paul Biermanns mit seiner Christophorus-Apotheke in die sanierte Müllersche Villa umgezogen.
2014 war Paul Biermanns mit seiner Christophorus-Apotheke in die sanierte Müllersche Villa umgezogen. Am Samstag ist die Apotheke letztmalig geöffnet. © Woelki

Ottersberg – Auch wenn für ihn und den Ort eine Ära zu Ende geht – „sentimentales Geplänkel“, wie Paul Biermanns es nennt, ist nicht seine Art. Bis zum letzten Tag wird der Apotheker Salben anrühren, Rezepte einlösen, Abrechnungen machen. Alles wie immer: „Seriös, nach bestem Wissen und Gewissen. So habe ich das mein ganzes Leben lang gehandhabt.“ Und Schluss ist erst dann, wenn der 68-Jährige zum letzten Mal den Schlüssel hinter sich umdreht. Das wird am kommenden Samstagmittag sein. Dann schließt Biermanns seine Christophorus-Apotheke an der Grünen Straße in Ottersberg, die 41 Jahre in Familienhand war, für immer.

„Ich habe eine ausgesprochen liebe und treue Kundschaft gehabt.“ Dafür ist der Apotheker dankbar. Am Samstag will er mit Sekt und Saft seinen „Ausstand geben“. Danach zieht er sich aus dem Berufsleben zurück. Jedenfalls fast: „Ich bleibe Mitglied der Apothekerkammer und werde bei Bedarf mal Kollegen vertreten.“

Die herrschaftliche weiße Villa, die seit 1870 Apotheke im Ort war und in die Biermanns erst 2014 mit seinem pharmazeutischen Fachgeschäft von der gegenüberliegenden Straßenseite umgezogen war, hat er verkauft – an einen privaten Investor aus Bremen, der dort eine andere gewerbliche Nutzung plane, wie er erzählt.

Langeweile wird der Apotheker im Ruhestand nicht haben. Ausschweifende „Reiserei ist aber nicht mein Lebensziel“, stellt Biermanns klar. Er will die neu gewonnene Zeit lieber seinen Ehrenämtern widmen: Zum einen arbeitet er im Pastoralrat der katholischen St.-Matthias-Gemeinde in Achim mit, zum anderen ist er Schatzmeister im Orden der Sankt-Georgs-Ritter, Bruderschaft zu Kärnten. Die Ordensmitglieder haben sich auf die Fahne geschrieben, Kulturgut im Gebiet der früheren österreichisch-ungarischen Monarchie zu bewahren und „nach dem ritterlichen Ehrenkodex zu leben“, erklärt Biermanns.

Sein Vater eröffnete 1981 die Christophorus-Apotheke im damaligen Comet-Markt an der Grünen Straße. Die Familie war aus dem Ruhrgebiet zugezogen, wo sie eine Apotheke in Marl betrieben hatte. Paul Biermanns junior, geprägt durch seinen Vater, studierte zu dem Zeitpunkt Pharmazie. Während der Wartezeit auf diesen Studienplatz hatte der passionierte Klarinettist zunächst Musik studiert. Am 1. April 1988 übernahm er das väterliche Geschäft im Ortskern.

2014 kaufte Biermanns die denkmalgeschützte Villa auf der anderen Straßenseite, eines der ältesten Gebäude im Ort. Das herrschaftliche Haus hatte 1870 der Apotheker Franz Heinrich Müller gebaut. Über Generationen war die Apotheke, die zweitälteste im Landkreis, in Händen der Familie Müller. Nach dem überraschenden Tod einer Tochter, die das Geschäft hatte weiterführen sollen, wurde es an auswärtige Apotheker verpachtet. Bis Paul Biermanns das ortsbildprägende Gebäude erwarb, umfassend sanierte und in der unteren Etage seine Christophorus-Apotheke etablierte. In den oberen Stockwerken richtete er Mietwohnungen ein.

Jetzt wechselt die Villa mit der markanten Freitreppe in neue Hände. „Eine Apotheke wird es dort nicht mehr geben“, so Biermanns. Einen Nachfolger für sein Geschäft hätte er ohnehin nicht gehabt: „Meine drei Söhne machen beruflich alle etwas anderes.“ Biermanns schließt am Samstag mit einem guten Gefühl hinter sich ab: „Ich freue mich, dass ich diese Arbeit hatte und dass ich damit Anerkennung gefunden habe in der Bevölkerung.“ Der Umgang mit Menschen habe ihm immer Freude gemacht und werde ihm sicher erstmal fehlen, sagt Biermanns. „Beraten und bedienen habe ich am liebsten gemacht. Die Leute sind so dankbar, wenn man ihnen helfen kann“, erzählt der 68-Jährige. Nach seinen Erfahrungen hilft übrigens „ein liebes Wort oft mehr als Medizin“.

Betonen möchte er, dass weder Corona noch die Konkurrenz durch Online-Apotheken bei seiner Entscheidung zur Geschäftsaufgabe eine Rolle gespielt hätten. Ausschlaggebend sei die Möglichkeit gewesen, die Villa jetzt gut verkaufen zu können. Und auch der Wunsch nach mehr freier Zeit, denn seit Beginn der Pandemie und dem Abschied von zwei Mitarbeiterinnen hat Biermanns die Apotheke zwei Jahre lang allein gemanagt.

Die Zeit fehlte dem passionierten Koch übrigens auch in der Küche. Als erstes steht im Ruhestand deshalb mal ein rheinischer Sauerbraten auf Biermanns’ Speisezettel – denn „der braucht mit Einlegen und allem schon so seine gute Woche“.

Beraten und bedienen hat Apotheker Paul Biermanns „immer am liebsten gemacht“.
Beraten und bedienen hat Apotheker Paul Biermanns „immer am liebsten gemacht“. 1988 hatte er die Christophorus-Apotheke von seinem Vater übernommen. © Holthusen

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