Grünes Licht vom Umweltausschuss

Der Ottersberger Weg: Landwirte im Flecken beschließen Hilfe für Biene und Co.

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Eine Biene umgeben von Blütenstaub auf einer Margarite in Achim-Baden. Blühstreifen sollen jetzt im Flecken Ottersberg an Wegerändern angelegt werden, um einen insektenfreundlichen Ausgleich für überpflügte Flächen zu schaffen. Landschaftswart Wolfgang Mohr nennt das den „Ottersberger Weg“.

Ottersberg - Von Lisa Duncan. Im Namen der Artenvielfalt sollen bis zu 16 Hektar Blühfläche in den nächsten drei Jahren im Flecken Ottersberg entstehen. Das Pilotprojekt soll helfen, Flächen auszugleichen, die Landwirte an den Rändern ihrer Äcker überpflügt haben – obgleich diese Flurstücke sich genau genommen außerhalb ihres Besitzes befinden.

Diesem Lösungsansatz, den der Flecken „Ottersberger Weg“ nennt, stimmte der Umweltausschuss des Gemeinderats am Mittwoch geschlossen zu. Zuvor hatte der ehrenamtliche Landschaftswart Wolfgang Mohr einen Vortrag gehalten. Rund 20 Zuhörer, überwiegend Landwirte, waren seinen Ausführungen gefolgt.

Das besondere an der Hilfe für Biene, Wildbiene und Co.: Die Landwirte legen selbst Hand an, indem sie insektenfreundliche Saatmischungen in den Ortschaften verteilt ausbringen. Das tun sie nicht aus Zwang, sondern in Form eines „Gentlemen’s Agreement“ – was man auf Deutsch in etwa mit „Ehrenwort“ übersetzen könnte. 

Nach und nach soll sich ein Ausgleichssystem etablieren, das in einem sogenannten Zielflächen-Pool mündet. Die Beteiligten sollen sich untereinander einigen, wo die Ausgleichsflächen geschaffen werden. Sie sollen aber möglichst so angelegt sein, dass eine nachhaltige Vernetzung der Flächen gefördert wird (mit einer maximalen Größe von 2500 Quadratmetern).

Verwaltung und Landwirte ziehen gleichermaßen Vorteile daraus: Die Landwirte müssen weder auf ihre Bewirtschaftungsflächen verzichten noch Förderanträge neu stellen, und der Flecken hat kaum bürokratischen Aufwand oder Kosten.

Möglich gemacht hat diese pragmatische Lösung der ehrenamtliche Landschaftswart Wolfgang Mohr, der in akribischer Kleinarbeit – Ortschaft für Ortschaft – im Maßstab 1:400 Luftbilder von allen größeren landwirtschaftlichen Flächen erstellte. Mit einer Software, die das Bauamt zur Verfügung stellte, konnte er genau benennen, wo und zu welchem Grad die Landwirte Wegeseitenränder übertreten haben. Laut Ralf Schack, Leiter des Ottersberger Baumts, hatte ihn das rund ein Viertel Jahr an Fleißarbeit gekostet. Auch Mohrs gut vorbereiteter Vortrag sei im Gremium auf breite Zustimmung gestoßen: „Es soll jetzt losgehen“, so Schack.

Einige Knackpunkte seien indes noch zu erarbeiten. So wurden im Ausschuss fachliche Fragen erörtert: Soll die vom Landvolk empfohlene „Verdener Mischung“ ausgesät werden oder ein anderes Saatgut? „Es heißt, dass sich beispielsweise Ameisen erst im zweiten Jahr in neu angelegten Blühstreifen einnisten“, erläutert Schack. Saatkörner mit mehrjähriger Fruchtfolge könnten daher der Biodiversität zuträglicher sein als solche mit nur einer Vegetationsperiode. Zudem müssten die Flächen für die Blühstreifen vorbereitet werden, etwa indem frühzeitig auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichtet werde. „Die Landwirte haben uns aber glaubhaft versichert, dass sie keine Pestizide einsetzen“, berichtet Schack.

Auch mit einem „Gentlemen’s Agreement“ hat der Bauamtsleiter kein Vertrauensproblem: „Wir stellen fest, dass die Leute in Umweltfragen sehr aufmerksam sind. Wenn jemand in der Wümmeniederung güllt, werden wir angerufen.“

Was die Finanzierung betrifft, suchen die Akteure noch nach einer geeigneten Form. Angedacht sind Drittförderungen über Umweltprogramme (etwa Agrarumweltministerium), Verbände (Hegefonds) Stiftungen oder Vereine. In der Sitzung stellte die neue Geschäftsführerin des Landvolks Rotenburg-Verden, Sarina Tiencken, in Aussicht, beim Beantragen von Fördergeldern zu beraten. Die Antragstellung würde das Bauamt koordinieren, so Schack. Im Herbst will der Ausschuss einige Flächen in einem Ortstermin besuchen und so das Projekt begleiten. Der Erfolg des „Ottersberger Wegs“ soll nach Aussage von Ralf Schack künftig einmal pro Jahr überprüft werden.

Alles meins? Fremdgenutzte Flächen in Zahlen

Das Problem: Gewohnheitsmäßig haben Landwirte in den vergangenen Jahren öffentliche Flächen ihren Feldern zugeschlagen. Im Flecken Ottersberg betrifft das (bei allen Wegen mit einer Fläche von mehr als 1000 Quadratmetern) die Ränder von 364 Wegen. Bei einer Soll-Fläche von 150 000 Quadratmetern fehlen dem Flecken Ottersberg daher etwa 20 Hektar. Ausnahme ist Posthausen, wo die Straßen sich (aufgrund des einstigen Torfabbaus) in Dammlage zu den Feldern befinden und oft noch von Gräben begrenzt sind.

Der Lösungsansatz: Nachdem Landschaftswart Wolfgang Mohr die Situation in den einzelnen Ortschaften analysiert hat, kommt er auf eine bereinigte Fläche von 16 Hektar, auf der insektenfreundliche Blühstreifen angelegt werden sollten.

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