Kritik an Umsetzung der Quarantäne

Ottersberg: Zimmertausch im Pflegeheim

Teilweise unter Quarantäne stehen die Bewohner des Wohn- und Pflegezentrums Charleston in Ottersberg nach einem Corona-Ausbruch. Nicht alle Angehörigen sind damit einverstanden, wie die Heimleitung die Maßnahmen umgesetzt hat.
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Teilweise unter Quarantäne stehen die Bewohner des Wohn- und Pflegezentrums Charleston in Ottersberg nach einem Corona-Ausbruch. Nicht alle Angehörigen sind damit einverstanden, wie die Heimleitung die Maßnahmen umgesetzt hat.

Ottersberg – Nach dem Corona-Ausbruch im Ottersberger Wohn- und Pflegezentrum Charleston (wir berichteten) haben sich Angehörige über das Vorgehen der Heimleitung bei der Umsetzung der Quarantänemaßnahmen beschwert. Sandra Beckefeldt, die Tochter eines 85-jährigen Bewohners, berichtet, dass bei der Verlegung ihres Vaters in den Quarantänetrakt ein nicht-infizierter Bewohner dessen Zimmer bezogen habe.

„Sie haben die Zimmer Eins zu Eins getauscht. Dabei sind die ganzen Wertsachen meines Vaters im Zimmer geblieben.“ Zudem durfte er persönliche Gegenstände zunächst nicht mitnehmen.

Laut Ulf Neumann, Pressesprecher des Landkreises Verden, schlägt das Gesundheitsamt bei einem Corona-Ausbruch den betroffenen Einrichtungen Isolationsbereiche vor, also getrennte Abschnitte für positiv Getestete, Kontaktpersonen und negativ Getestete. Zudem erhalte das Heim ein „dickes Paket an Hygienemaßnahmen“ und sei verpflichtet, täglich einen Lagebericht an die Behörde zu liefern.

„Das war wirklich das Letzte“, kommentiert der 85-jährige Bewohner das Vorgehen des Heims bei der Umsetzung der behördlich vorgegebenen Maßnahmen. So sei er auf den Umzug nicht richtig vorbereitet worden. Freitagmittag hätten Pflegekräfte verkündet, dass er noch am selben Tag abgeholt und in ein anderes Zimmer gebracht werde. Auf Nachfrage sei ihm verwehrt worden, Notebook und Oberbekleidung mitzunehmen. „Es hieß, das wird später nachgeholt“, erzählt der Ottersberger.

Seine Sachen hat der Senior laut Sandra Beckefeldt inzwischen erhalten – „nachdem das Haus Post von meinem Anwalt bekommen hatte“. Beckefeldt hat gegen die Maßnahmen des Pflegeheims auf juristischem Weg interveniert. Wie sie von Mitarbeitern des Heims erfahren habe, hätten sich weitere Angehörige beschwert. „Nach meiner Kenntnis haben sie 15 Leute in Zimmer von anderen gesteckt“, so Beckefeldt. Zunächst habe sich Beckefeldt nur auf Informationen ihres Vaters berufen können. Die Heimleitung sei für Auskünfte von Freitag bis Montagmorgen nicht erreichbar gewesen. In einem Telefonat am Montagvormittag habe sich die kommissarische Leitung bei ihr entschuldigt, und sie sinngemäß gebeten, „in einen Dialog miteinander zu treten“. Der Bewohner, der das Zimmer des Vaters nach dessen Umzug in den Quarantänetrakt übernommen hatte, soll inzwischen wieder ausquartiert worden sein. Per Whatsapp habe die Heimleitung mitgeteilt: „Ich hoffe, dass wir nunmehr einen guten Kompromiss gefunden haben, indem wir das Zimmer ihres Vaters leer räumen ließen, wodurch den Mitarbeitern ein weiterer Umzug zugemutet wurde.“ Für Beckefeldt lässt diese Antwort den Rückschluss zu, dass nur im Zimmer des Vaters kein Zwischenmieter mehr wohnt.

Jens Büker, der für die Charleston-Gruppe aus der Zentrale im bayerischen Füssen die Presseanfragen koordiniert, weist die Vorwürfe zurück. „Die angesprochene Maßnahme (Kohortierung) wurde in unserer Einrichtung gemäß den für diese Fälle ausgesprochenen Empfehlungen des RKI sowie des Landesgesundheitsamts Niedersachsen umgesetzt. Alle Bewohner (...) wurden am 11. November (...) über die aktuelle Situation, die erforderlichen Maßnahmen sowie den weiteren Ablauf informiert.“ Die Verlegungen seien erst am nächsten Tag erfolgt. Nach Darstellung des Heims konnten alle Bewohner ihre Sachen mitnehmen: „Um eine rasche und zugleich sichere Umsetzung der behördlichen Anordnungen sicherzustellen, wurden zunächst Kleidung und Hygieneartikel für eine Woche sowie der persönliche Nachtschrank und die wichtigsten privaten Gegenstände mit umgezogen“, so Büker. Nach Verlegung der betroffenen Bewohner seien die restlichen benötigten Gegenstände bis einschließlich Montag nachgeliefert worden.

Büker zufolge halte sich das Heim „strikt an die Vorgaben und Empfehlungen der Behörden und des RKI. Wir sind nicht befugt, eigenständig weitere Einschränkungen unserer Bewohnerinnen und Bewohner zu veranlassen. Die Diskussion, ob die genannten Richtlinien in der aktuellen Lage ausreichend sind, muss an anderer Stelle geführt werden.“

Am Donnerstag, 11. November, hatte das Gesundheitsamt des Landkreises Verden den Corona-Ausbruch in dem Ottersberger Pflegeheim vermeldet. Insgesamt 22 Personen, 15 Bewohner und sieben Mitarbeitende, waren positiv getestet worden. Anschließend hatte die Behörde entsprechende Quarantänemaßnahmen veranlasst. Nunmehr sind laut Ulf Neumann 24 Bewohner infiziert. Die Ergebnisse der Testung der Mitarbeitenden, die seitens des Betriebsarztes vorgenommen wurden, stehen allerdings noch aus.

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