„Wünsche mir, dass die Leute eine Kleinigkeit beitragen“

Zwei-Mann-Vorstand des Sozialverbands VdK in Ottersberg wirbt um Mitstreiter

Die Brocken hinzuschmeißen – das kommt für Siegfried Langhans (li.) und Wilfried Bergmann so schnell nicht in Frage. Unverdrossen wirbt der verbliebene Zwei-Mann-Vorstand des Sozialverbands VdK in Ottersberg um Mitstreiter in der Vorstandsarbeit. - Foto: Holthusen

Ottersberg - Von Petra Holthusen. Wilfried Bergmann ist 76, Siegfried Langhans 86 Jahre alt. Beide sind seit einem halben Jahrhundert ehrenamtlich engagiert. Mehr als 30 Jahre war Bergmann früher Vorsitzender des FC Quelkhorn; Langhans managte über Jahrzehnte den Jugendfußball im TSV Ottersberg. Heute halten sie als Vorsitzender und als Kassenwart den Sozialverband VdK in Ottersberg am Laufen. Weil es für sie selbstverständlich ist, zum Gelingen von Gemeinschaft etwas beizutragen. Überhaupt nicht verstehen können die beiden deshalb, dass sich für die anderen Vorstandsämter im VdK seit Jahren niemand findet.

Die größte Sorge von Bergmann und Langhans ist, dass einer von ihnen beiden ausfallen könnte – dann wäre die Existenz des Sozialverbands in Ottersberg gefährdet: „Einer allein“, so Bergmann, „darf und kann das nicht machen.“ Und will es auch nicht. Schließlich sollte die VdK-Devise „Gemeinsam sind wir stärker“ auch für Vorständler gelten. Seit Jahren werben Bergmann und Langhans bei Treffen und Veranstaltungen um Mitstreiter für Vorstandsaufgaben und kassieren regelmäßig Absagen. „Die Bereitschaft, ein Ehrenamt zu übernehmen, ist doch sehr gering“, stellt Langhans nüchtern fest. Dabei seien die Aufgaben gar nicht schwierig, ergänzt Bergmann. Gesucht sind ein stellvertretender Vorsitzender, ein Schriftführer und eine Frauenvertreterin. Daneben bietet der Ortsvorstand projektbezogene Mitarbeit an – wie die Vorbereitung der 70-Jahr-Feier im Jahr 2019, die Planung von Tagesausflügen oder die Geburtstagsbesuche bei Mitgliedern, die „nullen“.

„Mal eine oder zwei Stunden die Woche was für die Gemeinschaft zu machen – wo ist das Problem?“, wundert sich Langhans, in dessen Leben diese Art von gesellschaftlichem Einsatz nie eine Frage war: „Meiner Frau und mir hat das auch immer Spaß gemacht.“ Aber, weiß Bergmann, „man kann die Leute nicht mit dem Lasso einfangen.“ Also rührt der Zwei-Mann-Vorstand weiter die Werbetrommel, um Nachwuchs zu gewinnen.

Das Kuriose dabei ist, dass die Mitgliederzahlen des VdK durchaus wachsen. Denn wer dessen Sozialrechtsberatung, Hilfe im Behördendschungel und Rechtsschutz in Anspruch nehmen will, muss Mitglied werden im Verband. Diese Neu-Mitglieder auf dem Papier bekommen Bergmann und Langhans aber kaum zu Gesicht. Sobald sie ihren persönlichen Fall mit Hilfe des VdK durchgeboxt haben, treten sie meist zum nächstmöglichen Kündigungstermin wieder aus. Oder sie sehen das Solidaritätsprinzip als erfüllt mit der Überweisung des Mitgliedsbeitrags von 6 Euro und ein paar Cent im Monat.

Für das gemeinschaftliche Miteinander im Ortsverband bringen jedenfalls die wenigsten Interesse auf – höchstens, wenn ein Vortrag der Sozialrechtsreferentin über Neuerungen in Pflege- oder Rentenversicherung angekündigt ist. Dass sich unter diesen Mitgliedern niemand findet, der dem für ihn eintretenden Sozialverband etwas zurückgeben möchte in Form ehrenamtlicher Tätigkeit, erscheint da nicht weiter verwunderlich.

„Aber“, so Bergmann, „die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Und so zählen er und Langhans viele Beweggründe auf, die jemanden zur freiwilligen Mitarbeit motivieren können: Spaß am Helfen und Organisieren; Freude am Umgang mit Menschen; Lust, neue Menschen kennenzulernen und gemeinsam etwas zu unternehmen; Suche nach neuen Aufgaben als Rentner und der Wunsch, eigene Berufs- und Lebenserfahrungen sinn- und gewinnbringend für die Gemeinschaft einzubringen.

„Ich wünsche mir einfach, dass die Leute eine Kleinigkeit beitragen“, sagt Langhans. Darum will er sich weiter bemühen. Bergmann nickt dazu energisch: „Ich schmeiß’ die Brocken jedenfalls nicht so einfach hin.“

Wilfried Bergmann ist unter Telefon 04293-789904 erreichbar, Siegfried Langhans unter Telefon 04205-659.

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