Nach Eltern-Kritik

Waldorfschule in Ottersberg: Lehrer erheben Mobbing-Vorwürfe

Eltern der Freien Rudolf-Steiner-Schule in Ottersberg übten zuletzt Kritik. Nun melden sich Lehrkräfte zu Wort. Eine Lehrerin wurde arbeitsunfähig – und später gekündigt.

Ottersberg - Der Streit geht in die nächste Runde. An der Freien Rudolf-Steiner-Schule in Ottersberg stehen schwere Vorwürfe im Raum. Zuvor hatte kreiszeitung.de über gehäufte Vorwürfe aus der Schüler- und Elternschaft berichtet, bei denen Kinder mehrfach Opfer von Schwarzer Pädagogik – also einer Erziehung, die sich vorwiegend repressiver Mittel bedient – gewesen sein sollen. Nach Veröffentlichung des Artikels wendeten sich weitere Eltern und Schüler mit anderen negativen Erfahrungen an die Redaktion.

Das Muster: immer gleich.

PersonRudolf Joseph Lorenz Steiner
Geboren27. Februar 1861 in Donji Kraljevec (Heute Kroatien)
Gestorben† 30. März 1925 in Dornach, Schweiz
Bekannt fürBegründer der Anthroposophie

Doch nun erzählen auch mehrere Lehrerinnen und Lehrer der Waldorfschule in Ottersberg über Mobbing und Demütigung an ihrem Arbeitsplatz.

Offen sprechen über ihre Probleme dürfen die Lehrerinnen und Lehrer nicht, denn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Waldorfschule in Ottersberg unterliegen einer Schweigepflicht. Dennoch gebe es viel Redebedarf. „Mindestens drei Kolleginnen wurden hier in meiner Zeit von der Leitung und anderen Kolleginnen und Kollegen rausgemobbt“, sagt gegenüber kreiszeitung.de eine aktive Lehrerin der Schule, die anonym bleiben möchte. Die ehemalige Lehrerin Frau E. sei einer dieser Fälle gewesen.

Waldorfschule in Ottersberg: Kündigung laut Bundesarbeitsgericht unrechtmäßig

Wir haben mit Frau E. gesprochen, denn sie kann über ihren Fall recht offen reden. Der Grund: Sie gewann einen Gerichtsprozess gegen die Freie Rudolf-Steiner-Schule in Ottersberg. Erst vor dem Landes- und dann vor dem Bundesarbeitsgericht (AZ: 2 AZN 395/20 und AZ: 2 Sa 656/19). Zuvor wurde sie zu Unrecht von der Schule gekündigt. Im Prozess erhob sie selbst schwere Mobbingvorwürfe gegenüber der Schule.

Was war passiert? Die Schule äußere sich trotz des öffentlichen Gerichtsurteils nicht zu diesem Fall, „da wir als Schulführung in diesen Angelegenheiten der Schweigepflicht unterliegen“, heißt es auf Anfrage von kreiszeitung.de. Mit Blick auf das Urteil lässt sich jedoch eines mit Sicherheit festhalten: Lehrerin E. wurde gerichtlich bestätigt und unrechtmäßig gekündigt.

„Ich wollte mich nur für meine Schülerinnen einsetzten“, berichtet Frau E. über den harten Weg bis zu diesem Urteil.

Was danach folgte, sei für sie bis heute unbegreiflich. Mehrere Personen aus dem Schulumfeld bestätigten die Vorfälle gegenüber kreiszeitung.de.

Frau E. wurde von der Waldorfschule unrechtmäßig gekündigt, das bestätigte auch das Bundesarbeitsgericht.

Zuvor sei Frau E. mit noch viel geringeren Bedenken in Bezug auf den Unterricht an die Schulführung herangetreten. Sie habe Vorschläge einbringen wollen, den Deutsch-Unterricht anzupassen, damit er einfacher für Schülerinnen und Schüler werde, die Probleme damit haben. Daraufhin habe es eine Abmahnung für die Lehrerin gegeben. Frau E. schildert, dass sie in den Folgetagen immer wieder Beleidigungen ausgesetzt gewesen sei, begleitet von den Worten: „Sie sind doch nicht mehr ganz dicht.“

Spätestens ab diesem Zeitpunkt sei ihr Arbeitsplatz zum Albtraum geworden.

Ottersberger Waldorfschule: Lehrerin an der Freien Rudolf-Steiner-Schule nach Mobbing für ein Jahr arbeitsunfähig

Unbeliebt sei sie bei vielen Schülerinnen und Schülern an der Freien Rudolf-Steiner-Schule nicht gewesen, erzählt Frau E.. Aufgefallen sei sie unter vielen Schülern durch verschiedene Aktionen für Menschenrechte und gegen Rassismus. Dafür habe sie auch in der Schülerschaft der Waldorfschule Ottersberg Anerkennung erhalten. Die Kolleginnen und Kollegen hätten jedoch laut Frau E. nicht mehr viel für sie übrig gehabt: „Erst hat die Schulführung mich wie Luft behandelt, später auch die meisten anderen Kolleginnen und Kollegen.“

Ich war kein Einzelfall, sondern die einzige, die sich dagegen öffentlich gewehrt hat.

Frau E. gegenüber kreiszeitung.de

Mit ihrem Schritt, mit Veränderungen auf die Schulführung zuzugehen, sei sie als Reaktion beleidigt worden und habe zudem eine Zwangsdrohung erhalten. Nach und nach erkrankte Frau E. daraufhin und sei ein Jahr lang arbeitsunfähig geworden.

„Und ich war kein Einzelfall, sondern die einzige, die sich dagegen öffentlich gewehrt hat.“ Sie berichtet auch von anderen Fällen: „Eine Kollegin hat sich danach abgeschottet und wollte nie wieder darüber reden“, so Frau E. Deshalb habe sie mit dieser anderen Lehrerin nicht mehr über die Klage gegen die Schule geredet, berichtet Frau E.

Als Frau E. wieder arbeitsfähig gewesen sei, „wurde mir 14 Tage später ein Aufhebungsvertrag auf den Tisch gelegt“. Dabei sollen die Worte „das wollen wir uns mit Ihnen nicht mehr antun“ gefallen sein. Das Landesarbeitsgericht bestätigte zudem, dass Frau E. währenddessen vom Anwalt der Schule unter psychischen Druck gesetzt wurde.

Vermehrt stehen Waldorfschulen in der Kritik. Nun auch die Freie Rudolf-Steiner-Schule in Ottersberg.

Als sie den Vertrag mit Rücksprache Ihres Anwalts abgelehnt hatte, musste die Schule Frau E. weiterhin beschäftigen. „Ab da war es wie ein Spießrutenlaufen für mich“, so Frau E. Auch von einer Gehaltserhöhung für Lehrerin und Lehrer sei sie nicht beachtet worden. Lange danach hat es nicht gedauert, Frau E. wurde außerordentlich und fristlos gekündigt. Das wurde später vom Gericht als unrechtmäßig geurteilt.

Waldorfschule in Ottersberg: Andere Lehrerin erhebt Vorwürfe

Eine andere Lehrerin sagt anonym dazu: „Das, was mit mehreren Kolleginnen hier gemacht wurde und wird, war und ist psychische Vergewaltigung“ und ergänzt auf Rückfrage: „Ich bin mir ganz genau dessen bewusst, was dieser Vorwurf bedeutet, aber ich stehe zu dieser Aussage.“

Die Hierarchie gleiche laut der Lehrerin einer Diktatur: „Meinungsäußerung ist nur sinnvoll, wenn man damit die Meinung der Schule unterstützt. Ansonsten würde ich es lassen, wenn ich mich selber nicht gefährden will.“

Das, was mit mehreren Kolleginnen hier gemacht wurde und wird, war und ist psychische Vergewaltigung.

Eine Lehrerin zu kreiszeitung.de

Schwarze Pädagogik sei kein Einzelfall an der Schule. Das bestätigten gleich mehrere Lehrer und Lehrerinnen der Schule. Auch von einem aktiven Fall an der Schule wird von einer aktiven Lehrerin der Schule berichtet. Auslachen, Ignorieren, Beleidigungen seien in allen uns bekannten Fällen Mittel des Mobbings gegenüber Kolleginnen und Kollegen gewesen.

Waldorfschule in Ottersberg weist Vorwürfe zurück

Die Waldorfschule selbst hingegen hält sich bedeckt. „Wir weisen den Vorwurf des Mobbings von Kolleg:innen und den Vorwurf der Schwarzen Pädagogik an der Freien Rudolf-Steiner-Schule Ottersberg zurück“, schrieb Holger Wieters-Froehlich, Vorsitzender des Schulvereins, in einer Stellungnahme.

Konkrete Fragen zum Thema Mobbing ließ die Schule unbeantwortet.

Waldorfschule in Ottersberg: Eltern und Lehrer fordern mehr Transparenz

Die Vorwürfe gegenüber der Schule häufen sich. Sowohl im Umgang mit Kolleginnen und Kollegen als auch mit Schülern. Im Leitbild der Schule steht: „Für die Lehrer gibt es eine spezielle Ausbildung in Waldorfpädagogik. In der kreativen Ausgestaltung des Unterrichts sind sie frei; sie machen ihre Arbeit transparent und verantworten sie vor Kollegium und Eltern.“

Von Transparenz kann bei diesen Vorwürfen wohl kaum die Rede sein.

Doch genau das vermissen viele Eltern und Kolleginnen und Kollegen aus dem Umfeld der Schule: „Das ist nicht transparent, das ist das Gegenteil davon. Kritik wird hier totgeschwiegen und unter den Teppich gekehrt“, so eine aktive Lehrerin der Schule. * Kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © dpa/arifoto UG

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