Schritt in Richtung Energiewende

Ottersberg erwägt Aufbau eines Nahwärmenetzes

Nahwärme im Flecken Ottersberg war Thema einer virtuellen Einwohnerversammlung. Robert Wasser (2. von unten) von der Energethik Ingenieurgesellschaft hielt eine Präsentation und beantwortete Fragen.
+
Nahwärme im Flecken Ottersberg war Thema einer virtuellen Einwohnerversammlung. Robert Wasser (2. von unten) von der Energethik Ingenieurgesellschaft hielt eine Präsentation und beantwortete Fragen.

Ottersberg – Beim Thema Erd-erwärmung und Klimawandel werde viel über Ziele gestritten, „aber es bedarf auch einer konkreten Umsetzung“, sagte Helge Dannat, Leiter des Eigenbetriebs Elektrizitätswerk Ottersberg (Ewo) bei einer Bürgerversammlung am Mittwochabend. Dazu hatte das Ewo gemeinsam mit dem Flecken Ottersberg in Form einer Videokonferenz eingeladen, um die Idee eines Nahwärmenetzes vorzustellen.

Mehr als 60 Teilnehmer waren online zugeschaltet. Im Anschluss an eine Präsentation von Robert Wasser, Geschäftsführer der Energethik Ingenieurgesellschaft aus Osnabrück, nutzten die Zuhörer die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Auch im Ewo-Betriebsausschuss am Donnerstagabend im Rathaus stand das Thema Nahwärme auf der Agenda.

„Bis 2030 sollen 15 Prozent der Wärmeversorgung klimaneutral laufen“, führte Dannat aus. Das E-Werk betreibe bereits eine Kraft-Wärme-Kopplungsanlage am Schulzentrum und wolle nun eine Machbarkeitsstudie zum Aufbau eines Nahwärmenetzes im Flecken auf den Weg bringen. Am Beispiel des Quartiers zwischen Mühlenweg und Danziger Straße – das betrifft rund 300 Häuser – soll die Nahwärme-Technologie erprobt werden. Laut Dannat eigne es sich besonders wegen des hohen Anteils an Immobilien älteren Baujahrs. Mit der Machbarkeitsstudie stehe das Nahwärmenetz erst am Anfang. Bürgermeister Tim Willy Weber sagte, es werde wohl zwei Jahre dauern, bis das Netz steht.

Die Firma Energethik hat bundesweit schon viele ähnliche Projekte realisiert, betonte deren Geschaftsführer Robert Wasser, um dann gleich auf den derzeitigen Nachteil von Nahwärme zu sprechen zu kommen: Die Netze würden üblicherweise über Bioenergie versorgt. „Und die hat wegen des damit verbundenen Anbaus von Monokulturen nicht den besten Ruf.“

Weltweit sei die Bioenergie Spitzenreiter, in Deutschland stelle sie etwa 50 Prozent der Energieversorgung sicher. In der Wärmeversorgung sei Bioenergie fast die einzige Möglichkeit, denn Energie aus Wind oder Sonne sei zu sehr von äußeren Faktoren abhängig und so weniger verlässlich. „Solarenergie funktioniert nicht im Winter“, brachte es Wasser auf den Punkt. Gerade im Wärmebereich sei es aber wichtig, auf regenerative Energien umzusteigen, weil diese Form des Energieverbrauchs die meisten CO2-Emissionen produziere. Realität und Anspruch klafften hier auseinander: „Im Strombereich läuft schon viel über erneuerbare Energien, im Wärmebereich stagniert der Ausbau“, erläuterte Wasser. Angesichts der sich hochschraubenden Stormpreisspirale könne Nahwärme ebenfalls punkten. Zwar koste der Ausbau zunächst viel Geld, die Wärme-Erzeugung selber sei aber „bis zu 35 Prozent günstiger als Ihre Heizung“. Sei ein Haus erst mal ans Nahwärmenetz angeschlossen, erfordere die Anlage im Haus wenig Wartung. Im Erstausbau sei sogar der Anschluss aufgrund öffentlicher Fördermittel kostenfrei.

Um die Machbarkeitsstudie anzugehen, setzt Energethik voraus, dass mindestens 50 Prozent der Anwohner Interesse bekunden, so Wasser. Dafür hat das Unternehmen einen Fragebogen auf die Internetseite des E-Werks gestellt, den Anwohner des Test-Quartiers herunterladen und ausfüllen sollen. Nach einem Monat will das Unternehmen anhand der Rücklaufquote prüfen, ob der Testballon in Ottersberg steigen soll. In dieser ersten Phase müsse sich niemand definitiv für den Anschluss ans Netz entscheiden. Erst bei einer dauerhaften Installation setze Energethik eine Vertragslaufzeit von mindestens zehn Jahren für den einzelnen Nutzer voraus, so Wasser.

Nach so viel Pro-Argumenten blieben bei den zahlreichen Zugeschalteten kaum Verständnislücken, dafür aber ein paar skeptische Nachfragen. So erkundigte sich Ottersbergs Ortsbürgermeister André Herzog (SPD) nach Alternativen zur Mais-Vergärung, für die der Rohstoff sogar noch per Lkw aus anderen Landesteilen nach Ottersberg transportiert werde. Laut Wasser gibt es schon Bestrebungen, stattdessen Wildkräuter in Silos zu vergären. Diese Technologie sei allerdings nicht ausgereift.

Einige Teilnehmer stellten pragmatische Fragen, wie etwa Thomas Ziegert, der sein Elternhaus renovieren möchte und sich nach einer Übergangslösung für die Heizung erkundigte, die zu einem späteren Anschluss ans Nahwärmenetz passt. Wasser zufolge gebe es auch für die Umrüstung zum jetzigen Zeitpunkt Fördermittel und Kreditmöglichkeiten. Zudem bewegte die Kostenfrage die Gemüter. Laut Wasser verursachten lediglich die Entsorgung der alten Heizung und der Anschluss ans Nahwärmesystem Kosten. Andere beschäftigte das Szenario einer Störung an der Biogasanlage, die das Netz mit Energie versorgt. Wasser zufolge gelange auch bei einer Havarie genug Wärme ins System – selbst wenn die Hälfte der Anlage kaputt sei.

Zum Schluss zeigten sich viele Teilnehmer überzeugt. Jedenfalls gingen auf Nachfrage von Wasser die Daumen hoch – viele virtuelle und auch ein paar echte.

Info und Fragebogen

https://www.ewerk-ottersberg.de/nahwaermeversorgung/

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Glasfaser: Hausbesitzer reagieren irritiert

Glasfaser: Hausbesitzer reagieren irritiert

Glasfaser: Hausbesitzer reagieren irritiert
Wo im Kreis Verden die Hotspots liegen

Wo im Kreis Verden die Hotspots liegen

Wo im Kreis Verden die Hotspots liegen
Zu viele Steine in Langwedel und Daverden verlegt

Zu viele Steine in Langwedel und Daverden verlegt

Zu viele Steine in Langwedel und Daverden verlegt
Halterin aus Morsum ärgert sich über freilaufende Hunde

Halterin aus Morsum ärgert sich über freilaufende Hunde

Halterin aus Morsum ärgert sich über freilaufende Hunde

Kommentare