Zwischen Baukörpern und Freiräumen

Online-Bürgerversammlung zur Gestaltung des Ortskerns von Fischerhude

Bunte Kacheln auf dem Bildschirm.
+
Bunte Kacheln auf dem Bildschirm: Reges Interesse und wenige Fragen gab es bei der Online-Sitzung zur Gestaltungssatzung Fischerhude.

Fischerhude – Muss es ein Walmdach sein und unter welchen Bedingungen sind Gauben möglich? Anhand von Beispielen erläuterte Architekt Lothar Tabery die geplante Gestaltungssatzung für den Fischerhuder Ortskern. Diese war Thema einer Bürgerversammlung, zu der der Flecken Ottersberg für Donnerstagabend in Form einer Zoom-Videokonferenz eingeladen hatte. Dass Politik und Verwaltung nicht unter sich blieben, zeigte die Teilnehmerzahl: Um die 40 Personen hatten sich zeitweise zugeschaltet.

Gerne hätte Wilfried Mittendorf, Ortsbürgermeister von Fischerhude, das Thema mit persönlich Anwesenden besprochen. „Aber manchmal kommt alles anders als man denkt“, stellte er fest. In diesem Fall kam die Pandemie. „Wir wollen das Thema aber in dieser Ratsperiode abschließen“, begründete Mittendorf die Vorgehensweise.

Laut dem Ottersberger Bauamtsleiter Ralf Schack war der Entwurf zur öffentlichen Beteiligung vier Wochen im Rathaus und auf der Homepage des Fleckens einsehbar. Von Bürgern seien bisher keine Stellungnahmen eingegangen. Dazu gibt die Gemeinde in einer zweiten öffentlichen Beteiligung vom 26. April bis 31. Mai erneut Gelegenheit. Ziel ist eine Beschlussfassung im Gemeinderat, der vor den Sommerferien, voraussichtlich am 1. Juli, tagt. Anschließend geht der Entwurf an die Baugenehmigungsbehörde des Landkreises und könnte mit Chance im September oder Oktober in Kraft treten, so Schack.

Abgesehen von dem rein juristischen Text, aus dem die Satzung besteht, soll sie durch Erläuterungen mit Details und Bildern ergänzt werden. „Anschließend sollte man es nicht einfach laufen lassen“, betonte Architekt Lothar Tabery. Für eine spätere Evaluation seien externe Beurteilungen hilfreich. Die Ergebnisse könnten anschließend in leicht verständlichen Infos, etwa in Form einer Ausstellung, an die Bevölkerung weitergegeben werden. Ralf Schack stimmte dem Vorschlag von Tabery zu, eine Evaluation der Satzung nicht nach einem festgesetzten Zeitintervall, sondern dann vorzunehmen, wenn zehn bis zwölf Bauanträge beim Flecken Ottersberg eingegangen sind.

Der Entwurf bewege sich „im Spannungsfeld zwischen dem Anspruch, den Freiraum zu erhalten und das Dorf baulich zu entwickeln“, so Tabery. Die wesentlichen Festsetzungen seien in den Paragrafen 2 bis 5 enthalten, in denen es etwa um die Gestaltung der Freiflächen, typische Baukörper (mit Satteldach gedeckte Bauernhäuser) sowie Dach- und Fassadenausbildungen geht. „Das sollte alles auf die Traditionen in Fischerhude zurückgreifen.“ Zum Beispiel sollten Dächer nicht mit Gauben überfüllt oder „Löcher“ in Fassaden zugelassen werden.

Entspricht nicht der geplanten Gestaltungssatzung: Zu viele Gauben lassen das Dach unruhig wirken.

Als Anwendungsbeispiel zeigten Tabery und Bauamtsleiter Schack ein Haus, das durch große Einbauten auffiel, um im Dachbereich mehr Platz für Wohnraum und Balkone zu schaffen. „Diese großen Einbauten sind für einen ruhigen Eindruck vom Dach kontraproduktiv“, so Tabery. Eine zweite Fassung schien in seinen Augen gelungener und tue der Satzung genüge: „Durch die Schleppgaube ist das Dach ruhiger geworden.“

Mit Schleppgaube, wie hier dargestellt, lässt sich innerhalb der Satzung Wohnraum schaffen.

Uwe Boelts wohnt zwar nicht im Geltungsbereich der Satzung, die im Wesentlichen den Ortskern umfasst, wollte als Fischerhuder aber wissen, ob das Ortsbild nicht zwangsläufig Walmdächer vorschreibt. In beiden Beispielen sei dies nicht berücksichtigt. „Es gibt in Fischerhude zahlreiche Häuser, die keine Abwalmung am Dach haben, sondern glatte Dächer“, sagte Tabery. Insofern sei die Darstellung ein innerhalb der Satzung gültiger Kompromiss, um mehr Raum im Dach zu schaffen. Eine weitere Anwohnerin bemängelte, dass die Balkone nicht dem ursprünglichen Dorfbild entsprechen würden. Balkone seien innerhalb der Satzung erlaubt, so Tabery: „Daher die Schleppgaube. Wir haben bewusst keine Breitenmaße festgesetzt.“

Viele der virtuell Anwesenden lobten den versöhnlichen Ton, in dem die Gestaltung des Ortskerns mittlerweile verhandelt wird. Tabery sprach von einer „Bürgersatzung“, die einen Kompromiss zwischen Befürwortern und Gegnern darstellt. „Danke an Lothar Tabery, dass Sie versucht haben, alle mitzunehmen“, betonte der Fischerhuder Ortsbürgermeister Mittendorf. „Der lange Prozess hat das Thema trotz unterschiedlicher Auffassungen befriedet. Es war unversöhnlich und ist versöhnlich geworden“, bemerkte Fleckensbürgermeister Tim Willy Weber abschließend.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Vettel ohne Chance bei nächstem Hamilton-Sieg

Vettel ohne Chance bei nächstem Hamilton-Sieg

Linke Demos zum 1. Mai - Krawalle in mehreren Städten

Linke Demos zum 1. Mai - Krawalle in mehreren Städten

Meistgelesene Artikel

„First Dates“: Kuss für Tanja aus Dörverden? Andreas kennt nur ein Thema

„First Dates“: Kuss für Tanja aus Dörverden? Andreas kennt nur ein Thema

„First Dates“: Kuss für Tanja aus Dörverden? Andreas kennt nur ein Thema
Achimer Hotels zeigen eher wenig Flagge

Achimer Hotels zeigen eher wenig Flagge

Achimer Hotels zeigen eher wenig Flagge
Verdener Amtsärztin: Testzentren zuverlässig

Verdener Amtsärztin: Testzentren zuverlässig

Verdener Amtsärztin: Testzentren zuverlässig
Wolf verirrt sich in Kirchlintler Scheune

Wolf verirrt sich in Kirchlintler Scheune

Wolf verirrt sich in Kirchlintler Scheune

Kommentare