Künstlerischer Mittelpunkt der Liebfrauen Kirche

Die Odyssee eines Erzengels

Pastor i.R. Manfred Ringmann (Bild bitte vergrößern) referierte über die Figur des Erzengels Michael in der Fischerhuder Liebfrauen Kirche vor interessiert lauschendem Publikum.

Fischerhude - Er hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, der Erzengel Michael in der Fischerhuder Liebfrauen Kirche. Von Amelie Breling, der Tochter von Heinrich Breling, dem Fischerhuder Maler der ersten Generation wurde er in den 40-er Jahren geschaffen. Sie arbeitete seinerzeit in Schönberg im Bayrischen Wald, hatte Kontakt zum Bischof von Passau, trat, im evangelischen Glauben erzogen, zum Katholizismus über und wurde von diesem in ihrer Lebensweise und künstlerischen Arbeit beseelt.

Sie setzte sich selbst ein Denkmal in Gestalt des Erzengel Michael, der den künstlerischen in spirituellen Mittelpunkt der Fischerhuder Liebfrauen Kirche darstellt. Lebensgroß ist er in der Längswand in einer eigens gemauerten Nische platziert.

Mächtige, aufrecht stehende Flügel bestimmen seine Gestalt. Er trägt ein fließendes, bis fast zum Boden reichendes Gewand, ein gekreuztes Schild in der linken Hand, und ihm zu Füßen liegt ein kleiner Drache. In früheren Zeiten gab es dort einen kleinen Altar, heute nur noch einen abgeschrägten Mauervorsprung, auf dem unter einem Kranz aus Trockenblumen das berühmte Totenbuch aufgelegt ist.

Pastor i.R. Manfred Ringmann aus Fischerhude, Historiker aus Leidenschaft, referierte jetzt im Rahmen der derzeitigen Cato Bontjes van Beek Ausstellung in Buthmanns Hof über die Entstehung der Engelsfigur und über den Weg, den diese nach vielen Umwegen schließlich nach Fischerhude nahm.

Pfarrer von Schönberg gab Auftrag

Der Pfarrer von Schönberg im Bayrischen Wald gab seinerzeit den Auftrag zur Gestaltung einer Engelsfigur mit dem Titel Grablegung. Pastor Ringmann erzählte, dass es damals einen kleinen und einen großen Michael gegeben hatte, was unter den Zuhörern ein wenig für Verwirrung sorgte. Amelie Breling, seinerzeit 68 Jahre alt, erlebte damals eine Hochphase ihres Schaffens. Geprägt von Schicksalsschlägen in ihrer Familie, dem Tod Ulrich Modersohns und Cato Bontjes van Beeks ließ die Keramikerin sich von religiösen Gefühlen in ihrer Arbeit leiten.

Sie fühlte sich Cato ganz nah, träumte von ihr, wodurch ihr Schaffen befördert wurde.

Pastor Ringmann ging auf die Historie des Michael ein und zitierte aus der Bibel, worin Jesus Berufung sich auch auf Michael bezieht. „Überall sind Spuren von Michael zu entdecken. So gab es im ehemaligen Konstantinopel 15 ihm gewidmete Kirchen. Franzosen und Deutsche adaptierten ihn als Erzengel. In Bayern wird er bis heute verehrt.“

Amelie Breling gestaltete ihn bewusst nicht als Krieger. Mehrmals änderte sie seine Züge in den Entwürfen. Zunächst ähnelte er Ulrich Modersohn, später und dann endgültig bekam er Catos Gesicht, und so wurde er auch gebrannt. Kriegswirren verhinderten allerdings, dass Michael nach Schönberg gelangte. Er blieb im Hause Breling, wo ihn ein katholischer Pfarrer, wahrscheinlich aus Achim kommend, entdeckte. Michael erlebte eine Odyssee und kam schließlich über Hamburg wieder zurück nach Fischerhude.

Widerstand gegen Kriegsopfer-Mahnmal

Der Lilienthaler Superintendent Frerichs regte ein Mahnmal für die Kriegsopfer an, stieß aber mit dem Michael auf viel Widerstand in der Öffentlichkeit, weil dieser als Ausdruck von Heldenverehrung angesehen wurde.

Fischerhude war seinerzeit in zwei Meinungen geteilt. Pastor Jansen und Schlachtermeister Eckhoff holten schließlich mit einem Lieferwagen den Michael aus dem Hamburger Museum ab und der Erzengel, der auch als König von Byzanz bezeichnet wird, zog tatsächlich mit und in einem Schlachterwagen in Fischerhude ein.

Künstlerische und andere Gegner gaben sich zähneknirschend zufrieden, es wurde ein Platz für ihn in der Kirche gefunden, der bis heute einen würdigen Ort darstellt.  

kr

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