Oberuferer Christgeburtsspiel auf Platt macht alte Traditionen lebendig

...und Wolle „gegen de Küll“

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Begeisterung erntete die Otterstedter Kumpanei mit ihrem Weihnachtsspiel op Platt in der Posthausener Kirche.

Posthausen - Urig gestaltete sich das alte Oberuferer Christgeburtsspiel der Otterstedter Kumpanei, das am Abend des 4. Advent zahlreiche Zuschauer in die Posthausener Lukas-Kirche lockte.

Das Publikum genoss eine ganz besondere Aufführung der Weihnachtsgeschichte, die in ihrer ursprünglichen Form von sogenannten Donau-Schwaben im 17. Jahrhundert erdacht, bis heute in ihrer tiefgläubigen und anrührenden Darstellung überliefert – und von der Otterstedter Kumpanei um Regisseur Manfred Seeger obendrein auf Plattdeutsch einstudiert wurde.

Die Grußzeremonie wurde vom Erzengel Gabriel (Ulrike Melerski) angeführt, der in einem prächtigen Gewand mit einem goldenen Stern der Prozession voranschritt. Ehrerbietig begrüßte die Kumpanei alle Besucher, ließ Ochs und Esel von Maria und Josef nicht aus, und selbst das Moor, „de Wischen und de Wümm“ wurden gegrüßt, wobei die Kumpanei stets mit ausladenden Gesten die Kopfbedeckungen vom Haupt nahm. Sternsinger Christoph Holsten, der an einem ausklappbaren Scherengestell einen Stern über den Köpfen der Kumpanei mal kurz, mal lang schweben ließ, grüßte sogar die Schrauben an diesem absonderlichen Instrument, das tadellos funktionierte.

Vom Altarraum, der zur Bühne umfunktioniert war, durchwanderte die Kumpanei in einem plattdeutschen Schreitgesang das Kirchenschiff und pries die Stunde, in der Gottes Sohn auf die Welt kommen sollte. Zuvor hatte der Erzengel Maria (Trientke Feldmann) eine Schwangerschaft prophezeit, was sie sehr erschrocken zur Kenntnis nahm, da sie bisher jungfräulich gelebt hatte.

Es kam die Zeit, da Kaiser Augustus zur Volkszählung aufrief, und Maria machte sich mit Josef samt einem Ochsen und einem Esel auf die Reise nach Bethlehem. Die Kumpanei stellte anschaulich dar, wie das Paar auf der Suche nach einem Quartier abgewiesen wurde und schließlich als letzte Zuflucht mit einem Stall vorlieb nehmen musste.

Einen besonderen Hingucker boten die Hirten, die sich, dem Stern folgend, auf den Weg nach Bethlehem machten. Sie schienen Brüder zu sein, aber solche, die sich nicht immer einig waren, und so boten sich in dem Stück amüsante Nebenschauplätze. Das Publikum ging voll mit, als sich die Hirten kleine Scharmützel lieferten, schließlich aber doch voller Ehrfurcht vor dem neugeborenen Kind in der Krippe des Stalles auf die Knie sanken. Auf Platt brachten sie ihre Geschenke für den kleinen Jesus dar. Der eine brachte Milch, der andere ein Lamm und der dritte Wolle „gegen de Küll“, denn im dezemberlichen Bethlehem waren die Nächte sehr kalt.

Die naive Darstellung, die gespickt mit vielen Details das Publikum rührte, wurde von Lotti Appel musikalisch untermalt.

kr

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