Kirchengemeinden in Oyten und Ottersberg ziehen durchwachsene Bilanz der Festgottesdienste

Not macht erfinderisch

Auf der Dorfwiese in Fischerhude feierten rund 80 Besucher die Christvesper.
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Auf der Dorfwiese in Fischerhude feierten rund 80 Besucher die Christvesper.

Ottersberg /Oyten – Es war eine große Herausforderung für die Kirchengemeinden, ihre Weihnachtsgottesdienste coronakonform zu gestalten. Zum Beispiel hatte die Landeskirche Hannovers in letzter Minute empfohlen, auch draußen auf das gemeinschaftliche Singen zu verzichten. Doch getreu dem Motto „Not macht erfinderisch“ bescherten die besonderen Umstände zwar mehr Arbeit, aber sie setzten auch viel Kreativität frei. Das wurde bei einer kleinen Umfrage unter Pastoren aus Oyten und Ottersberg deutlich.

Der Vorstand der St.-Petri- Kirchengemeinde Oyten hatte sich dazu entschieden, alle Gottesdienste drinnen zu gestalten. Um das Gotteshaus im Oytener Ortskern und die Bassener Außenstelle nicht – im Sinne der Hygieneregeln – überzubesetzen, mussten sich alle Teilnehmer zuvor anmelden. „Das war erst fürchterlich viel Arbeit und dann massig Platz dazwischen“, zieht Pastor Hans-Jürgen Strübing Bilanz. Insgesamt gab es acht Gottesdienste an Heiligabend: drei mit der Bassener Pastorin Silke Oestermann, aus Platzgründen ausnahmsweise in Blocks Huus, sowie in St. Petri Oyten zwei Kindergottesdienste mit Diakonin Melanie Tomforde und drei Christvespern, bei denen Pastor Strübing die Predigten hielt. Rund 120 Teilnehmer zählte Strübing insgesamt: „Die Atmosphäre war besonders.“ Viele der Besucher kennt er so gut, dass er sie beim Vornamen nennt. Alle Andachten waren auf rund 20 Minuten begrenzt, zwischendurch wurde bei offenen Kirchentüren ausgiebig gelüftet.

„Rückblickend hätten wir die Gottesdienste auch zusammenlegen können“, stellt Strübing fest. „Aber ich glaube, es war gut, dass wir das konservativ gefahren haben.“ Auf diese Weise habe sich das Hygienekonzept bewährt. Der Kirchenvorstand habe zuvor überlegt, den Gottesdienst nach draußen zu verlegen, aber diese Idee notgedrungen wieder verworfen. „Wir haben gefragt, wer helfen könnte, und die Rückmeldungen waren übersichtlich“, sagt Strübing. Für Open-Air-Andachten hätte man für Beleuchtung, Musik, Bestuhlung (um den Abstand zu markieren) sorgen müssen. Dafür sei das Helferteam zu klein gewesen, das bereits viel zu tun hatte, um die Anmeldungen zu registrieren und den Besuchern ihre zugewiesenen Plätze zu zeigen. Ob sich die Gläubigen in St. Petri auch für den Ostergottesdienst anmelden müssen, sei noch unklar: „Wir fahren auf Sicht“, so Strübing. Zurzeit lasse sich kaum eine Aussage treffen, wie sich die Infektionszahlen entwickeln.

Ein gegenläufiges Konzept fuhr die Kirche in Fischerhude: Alle Gottesdienste, die ursprünglich bis Silvester in der Liebfrauenkirche geplant waren, fielen aus. Stattdessen gab es zu Heiligabend auf der Wiese neben der Kirche eine Bühne (von „SoLight“ Veranstaltungstechnik aus Achim), auf der Kinder und Jugendliche das Krippenspiel aufführten und Pastorin Silke Kuhlmann später die Christvesper hielt und einige Weihnachtslieder sang. An Holzstämmen, die der Holzhändler Stefan Holtmann aufgestellt hatte, brannten ringsherum kleine Schwedenfeuer. Für den musikalischen Rahmen sorgte unter anderem der Musiker Bernd Schlott. Wolfgang Petzold vom TSV Fischerhude und Jörg Struß rasterten die Wiese, damit Besucher die Abstände einhalten konnten. Rund 350 Besucher zählte Pastorin Kuhlmann zu den beiden Aufführungen des Krippenspiels, am Gottesdienst nahmen etwa 80 Leute teil – Zaungäste nicht mit eingerechnet. „Das hat gut getan, draußen zu sein, auch wenn es sich anders angefühlt hat“, sagt Pastorin Silke Kuhlmann. Die Rückmeldungen der Gemeinde seien durchweg positiv gewesen. Kuhlmann will dies aber nicht für sich allein verbuchen: „Circa 50 Leute haben dafür gesorgt, dass das stattfinden kann.“ Dazu gab es Online-Angebote, etwa ein Film mit Proben des Krippenspiels und einem kleinen Weihnachtsgottesdienst in der Kirche, der laut Kuhlmann etwa 100 Klicks auf Youtube brachte. „Dabei habe ich auch in Sachen Technik viel dazugelernt“, erzählt sie. Apropos dazulernen: „Weihnachten hat das Jahr gut zusammengefasst“, findet die Pastorin. „So schwer es war, alte Gewohnheiten abzustreifen, sind wir dadurch auch gewachsen.“

Auch die Lukas-Kirchengemeinde hatte einen Open-Air-Gottesdienst organisiert. „Für diejenigen, die da waren, war es gut“, bilanziert die Posthausener Pastorin Constanze Ulbrich und hebt die „kühle Luft und wunderschöne Atmosphäre“ hervor. Mit 158 Teilnehmern sei die Resonanz aber eher spärlich ausgefallen: „Es hätten locker doppelt so viele auf den Kirchplatz gepasst.“ Die Organisation habe sich auch hier arbeitsaufwendig gestaltet. Allein um die Christvesper-Besucher, die spontan teilnehmen konnten, an allen vier Zugängen zu registrieren, seien zehn bis zwölf Ehrenamtliche vor Ort gewesen. Dabei haben sich die Besucher laut Ulbrich sehr diszipliniert verhalten. Eine Besonderheit in Posthausen, der Pilgerweg vor der Kirche, sei ebenfalls gut angenommen worden – „gerade ältere Menschen, die digital nicht so affin sind, waren dankbar dafür“, erzählt Ulbrich. Eigene digitale Angebote plant die Lukaskirche derzeit nicht, wohl aber seien weitere Open-Air-Gottesdienst angedacht. „Das haben wir hier ja schon öfter gemacht, aber bisher nicht im Winter.“

Von Lisa Duncan

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